Bahnbrecher des Abendlandes

Wie sein Gesichtsausduck verrät, hat es sich Galileo Galilei im Leben nicht leicht gemacht. Porträt von Justus Sustermans, 1636. Quelle: Wikipedia/ Daniele Pugliesi

Galileo Galilei:Vielseitiger Praktiker und Begründer neuer Wissenschaftszweige

Bahnbrecher? Und ob. „Unter den Bahnbrechern abendländischer Naturforschung ist Galilei wohl derjenige, der in bevorzugter Weise zu einer legendären Gestalt geworden ist.“1 Er setzte damit zugleich etwa 340 Jahre später auch Maßstäbe für den ideenreichen Praktiker Konrad Zuse2 (*1910 bis †1995), der für seine „epochemachende Erfindung»3  mit acht Ehrendoktortiteln geehrt und 2003 im FDF auf Platz 15 der größten Deutschen gewählt wurde.

Das »holländische « Fernrohr

Galileo Galilei4 (*1564 bis †1642) hatte 1609 gerüchteweise vernommen, dass „zwei niederländischen Brillenmacher die alte noch aus dem Spätmittelalter stammende Idee, mithilfe optischer Linsen weit entfernte Gegenstände dem menschlichen Auge näher zu bringen“5, in die Praxis umgesetzt hatten. „Zacharias Jansen6 (1580 – 1638) und Hans Lipperhy7 (1570 – 1619) brachten damit die Sternen- und Planetenkunde einen entscheidenden Schritt voran.“5

Das »holländische« Fernrohr inspirierte Galilei zum Bau einer eigenen Vision. „Es gelang ihm, aus zwei Brillengläsern selbst ein Fernrohr aufzubauen, das eine dreifache Linearvergrößerung lieferte.“1  Am 21. August des gleichen Jahres führte er den Senatoren von Venedig ein „ neunfach vergrößerndes Instrument“ vor.

Pfiffige Ideen und Vielfachnutzung

Wenngleich Galilei auch nicht der Ersterfinder des Fernrohrs war, so wurde er dennoch zum „ Begründer der Fernrohr-Astrnomie.“1. „Erst die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg hat die Alleinherrschaft optischer Geräte (einschließlich Spektrographen) in der Astronomie beendet.“1

„Wenn heutige Historiker die Einkaufsliste von damals richtig deuten, dann hat der Tüftler sein Teleskop aus Orgelpfeifen gebaut und mit gläsernen Linsen bestückt, die er auf Kanonenkugeln schliff.8

Anstoß zum Bau der ersten Pendeluhr

Schon 26 Jahre bevor Galilei vom »holländischen« Fernrohr erfuhr, fielen ihm in einer Kirche „die Schwingungen einer Lampe“9 auf. „Er stellte fest, dass ein Pendel für eine volle Schwingung (hin und zurück) immer die gleiche Zeit braucht – unabhängig von dessen Auslenkung. Diese Erkenntnis setzte der Holländer Christian Huygens10 (1629 – 1695) in die Praxis um und baute 1656 die erste Pendeluhr.“9

Milchstraße als blinkendes Vielerlei erkannt

Ein Jahr nachdem Galilei sein Fernrohr mit neunfacher Vergrößerung1 vorgeführt hatte, baute er es 1610 „in ein Mikroskop um, indem er die einzelnen Rohre und damit die darin gelagerten Linsen weiter auseinander zog. Als Okular verwendete er eine Zerstreuungslinse, als Objektiv eine Sammelllinse.“11

„Er entdeckte auch, dass die Milchstraße nicht aus einem Guss ist, sondern ein blinkendes Vielerlei.“8

Diese Entdeckung notierte er 1610 in seinem Buch »Sternbote« und schreibt damit Geschichte, wie mit so mancher seiner Entdeckungen.

Wärme und Kälte vor Augen

„Der Grundstein für die moderne Temperaturmessung wurde jedoch in Südeuropa am Ende des 16. Jahrhunderts gelegt.12 Und zwar wiederum von Galileo Galilei. Als „italienischer Naturforscher und späteres Opfer der Inquisition, erfand um 1592 oder 1597 ein gläsernes Messgerät, mit dem Temperaturunterschiede aufgezeigt werden konnten.“12

Die widerspenstige Pumpe

„Trotz einer ausreichend starken Pumpvorrichtung gelang es den Einwohnern der italienischen Stadt Florenz nicht, das Wasser einer etwa zehn Meter hohen, in einem Brunnen befindlichen Wassersäule hochzupumpen. Experten wurden befragt, schließlich beauftragten die Verantwortlichen den berühmten italienischen Naturforscher Galileo Galilei (1564 – 1642) mit der Lösung des Problems. Dieser entwickelte die Theorie, dass die Säule aufgrund eines entstandenen Vakuums nicht weiter ansteigen konnte.“13

Galileis Geburtsstadt Pisa

Pisa, wo Galilei am 15. Februar 1564 geboren wurde, dient bemerkenswerterweise der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) als Namensgeber für „ihr Programm zur Bestimmung des Bildungsstands von Schülern.“14 Jene Stadt assoziiert, dass man von ihr „durch Galileis Wirken mit einigem Recht als Geburtsort der modernen Naturwissenschaften“14 sprechen kann.

Quellen

1 Pascual Jordan: Galileo Galilei, in: Die Großen – Leben und Leistung der sechshundert bedeutendsten Persönlichkeiten unserer Welt, Geschichtsenzyklopädie in 24 Bänden, Kindler Verlag, Zürich 1995, Band V/1, Seite 469, 470,473

2 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1994, Band 24, Seite 635

3 Herbert W. Franke: Konrad Zuse, in: Die Großen – Leben und Leistung der sechshundert bedeutendsten Persönlichkeiten unserer Welt, Geschichtsenzyklopädie in 24 Bänden, Kindler Verlag, Zürich 1995, Band XI/1, Seite 125

4 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1989, Band 8, Seite 94

5 Henning Aubel: Das Universum im Visier – das Fernrohr, in: Brockhaus Meilensteine – Geschichte, Kultur und Wissenschaft –  multimediale Geschichtsenzyklopädie in 10 Themenbänden, Gütersloh 2011, Band 6: Große Erfindungen, Seite 166

6 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1991, Band 14, Seite 589

7 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1988, Band 7, Seite 208

8 Rafael Barth: Er sah dem Mond ins Gesicht, in: Magazin, Sächsische Zeitung, 15./16. Februar 2014, Seite M5

9 Ute Kleinedümern: Die Zeit und ihre Messung – von der Sonnenuhr bis zur Atomuhr, in: Brockhaus Meilensteine – Geschichte, Kultur und Wissenschaft –  multimediale Geschichtsenzyklopädie in 10 Themenbänden, Gütersloh 2011, Band 6: Große Erfindungen, Seite 76

10 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1989, Band 10, Seite 323

11 Angelika Kemper: Erste Einblicke in den Mikrokosmos – das Mikroskop, in:  Brockhaus Meilensteine – Geschichte, Kultur und Wissenschaft –  multimediale Geschichtsenzyklopädie in 10 Themenbänden, Gütersloh 2011, Band 6: Große Erfindungen, Seite 162

12 Carsten Wember: Temperatur sehen und verstehen – das Thermometer, in: Brockhaus Meilensteine – Geschichte, Kultur und Wissenschaft – multimediale Geschichtsenzyklopädie in 10 Themenbänden, Gütersloh 2011, Band 6: Große Erfindungen, Seite 162

13 Carsten Wember: Barometer – Das Hilfsmittel der Wetterkundler, in: Brockhaus Meilensteine, multimediale Geschichtsenzyklopädie in 10 Themenbänden, Gütersloh 2011, Band 6: Große Erfindungen, Seite 176

14 Ulrich Woelk: Die Geburt einer Ethik, in: DIE ZEIT N0 8, 13. Februar 2014, Seite 43