Die sechs städtischen Kategorien

Die 2004 eröffnete Fußgängerbrücke von Görlitz nach Zgorzelec, im Hintergrund die evangelische Pfarrkirche St. Peter und Paul sowie das Waidhaus. Quelle: Wikipedia/ Görlitzinformation

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Wieso hat die Oberlausitz Städte unterschiedlicher Kategorien?

Bei der deutschen Ostsiedlung42 – der umfassende bäuerliche Landesausbau von 1100 bis 1280 erfolgte in 3 Etappen – entwickelte sich in unseren Breiten in der Spätphase der Ostsiedlung (1200 bis 1280) zugleich das Städtewesen im Markgraftum Oberlausitz (1076 bis 1815)43 als Nebenland der Krone Böhmens.

Die frühen Städte der Oberlausitz

Zu den frühen Städten in der Region zählten Bautzen17 (1213 Stadtrecht), Görlitz18 (1220), Kamenz19 (1225), Weißenberg (1228) und Königsbrück26 (1231). Mittelalterliche städtische Qualität erreichten später unter der Herrschaft der Askanier:

Löbau20 (1238), Zittau21 (1255), Rotenburg28 (1268), Bernstadt34 auf dem Eigen (1280), Wittichenau (1286) und Ostritz35 (1295).

Was war das für eine Zeit?

Etwa der Aufbruch zur Europäisierung der Welt? „Das 13. Jahrhundert war nicht nur geprägt von zahllosen Stadtgründungen, führte Marco Polo in das Reich Dschingis Khan, brachte Freiheitsrechte in England in Form der Magna Charta (1215), sondern eröffnete auch die direkte Seeverbindung zwischen dem Mittelmeer (Genua) und Brügge (1278), über die in Zukunft gigantische Warenmengen transportiert werden sollten und eine Verlagerung des Mittelmeerhandels in den Atlantik hinein ihren Anfang nahm.“50

Die Städte der Oberlausitz untergliedern sich in sechs Kategorien.14
Die ehemals königlich-böhmischen Sechsstädte
Bautzen17 (obersorbisch Budyšin, 1213 Stadtrecht) • Görlitz18 (1220) • Kamenz19 (Kamjenc,1225) • Löbau20 (1238) • Zittau21 (1225) • (Lauban, heute polnisch).

Mit der Gründung des Sechsstädtebundes – der längsten Koalition Deutschlands (1346 bis 1815) – nahmen die Kommunen regionale Verantwortung wahr und sorgten gemeinsam (als Vorläufer von Städtepartnerschaften?46) auf einem Teilstück der Via Regia für mehr Sicherheit für Europas gemeinsamen Wirtschaftsraum.

Die mittelalterlichen Landstädte mit Markt- und Stadtrecht
Bad Muskau22 (obersorbisch Mužakow, 1452) • Bischofswerda23 (obersorbisch Biskopicy,1361) • Elstra24 (Halštrow, 1338)• Hoyerswerda 25 (Wojerecy, 1423) • Königsbrück26 (1231) • Pulsnitz27 (Połčnica,1375) • Reichenbach (1306) • Rothenburg28 (1268) • Weißenberg (Wóspork, 1228)

Die nachmittelalterlichen Landstädte der Grundherrschaften
Neusalza-Spremberg30 (1670) • Schirgiswalde31 (obersorbisch Šěrachow,1665)

Die Exulantenstädte des 18. Jahrhunderts
Herrnhut32 (1722) • Niesky33 (obersorbisch Niska, 1935). In Zeiten des des Hexenwahns und militanter Religion pflegten sie die Kultur der Nächstenliebe im Sinne von Jesusu Christus.

Die einstigen Klosterstädte
Bernstadt34 auf dem Eigen (1280) • Ostritz35 (1295) • Wittichenau (Kulow, 1286). Sie pflegten Brauchtum als Stützpunkte feudaler Macht (St. Marienstern herrschte über 60 Dörfer), von deren Lasten sich die Bauern im Königreich Sachsen gemäß dem Agrarreformgesetz von 1832 frei kaufen mussten.

Die aus Fabrikdörfern entstandenen Städte
Bernsdorf36 (obersorbisch Njedźichow, 1969) • Ebersbach37 (Habrachćicy, 1925) • Großröhrsdorf38 (1924) • Lauta44 (Łuty, 1965) • Neugersdorf39 (1924) • Seifhennersdorf40 (1974) • Weißwasser41(Běla Woda, 1935) • Wilthen (1669).

In Bernsdorf begann die Industrialisierung 1788 mit dem Bau des ersten Hochofens zur Verhüttung von Raseneisenstein. Der Ort verkörpert damit eine über 600 Jahre alte Tradition, die in der Region mit den Germanen begann. 1853 produzierte das Eisenwerk über 70 Tonnen Gussteile für den Bau des Löbauer Aussichtsturmes, benannt nach König Friedrich August.

Gartenstadt Lauta ist eine Gründung der Neuzeit
Das Dorf Lauta47 (Łuty), damals mit 1569 ha eine der größten Gemarkungen der Niederlausitz, ist erstmals 1374 im Zinsregister des Klosters St. Marienstern erwähnt48 und fiel 1448 an Kursachsen. Als am 21. April 1917 die Geburtsstunde des später größten Aluminiumwerkes Europas schlug, kam die Gartenstadt49 Lauta ins Spiel, die 1965 Stadtrecht errang. Der nach einer Idee des Briten E. Howard konziperte Stadttyp nahm 1918 in Lauta-Nord und 1928 in Lauta-Süd (nach Entwürfen von Architekt Ewald Kneffel) Gestalt an.

Quellen