Die Stadt entstand aus dem Markt

Görlitz zählte 469 Jahre zum Oberlausitzer Sechsstädtebund. Foto: Detlef Degner.

Das Stadtrecht folgte mit unter erst Jahre nach dem  Marktrecht, das unterschiedlichsten Bedürfnissen diente

Jede Stadt entwickelte sich aus einem Markt. Nach der Verleihung des Marktrechtes vergingen oft Jahrzehnte bis zur Erlangung des Stadtrechtes. In Hoyerswerda beispielsweise betrug diese Zeitspanne von 1371 bis 1423 über ein halbes Jahrhundert.2 Und selbst die Märkte entstanden zumeist in einem längeren Zeitraum. Hoyerswerda wurde zwar 1268 erstmals urkundlich erwähnt,3 erhielt allerdings erst 103 Jahre später vom böhmischen König Karl IV. (*1316 bis †1378) das so bedeutsame Marktrecht.4

Bedürfnisse entwickelten das städtische Leben

Märkte entwickelten sich aus den Bedürfnissen der Händler, Handwerker und Bauern an Orten, wo sich wichtige Straßen kreuzten, an Flussübergängen und wo Burgen einen gewissen Schutz boten.5 An diesen Handelsplätzen ließen sich Kaufleute und Handwerker nieder. Der Markt war somit ein wesentliches Kriterium für den Standort einer Stadt. „Damit besaßen die Handwerker eine gewisse Unabhängigkeit von den Nahrungsmittellieferungen der Landbesitzer. Die Landbesitzer wurden aber gleichzeitig auch Kunden bei den Handwerkern. Somit war eine Art Kreislauf geschaffen worden, welcher beiden Seiten Handel erlaubte.“11

Die Wiege der Haupt- und Nebenmärkte

Allerdings entsprachen die ersten Marktplätze keineswegs dem heutigen Aussehen. „Die Frühmärkte und entsprechenden Handelsplätze waren anfänglich noch nicht streng abgegrenzte Freiflächen (Anger, Kaufanger, Brühl und ähnliches) in Straßennähe. Bald setzte dann eine Bebauung ihrer Randzonen ein, woraus sich die frühen schmaleren oder breiteren Straßenmärkte (Wiken) entwickelten. Durch weitere Verbreitung und Regulierung entstanden daraus die meist rechteckigen oder quadratischen Marktplätze (Haupt- und Nebenmärkte).“15 

Mobilität entschied mit

Bei der Wahl der Standorte für die Städte spielte auch die damalige Mobilität eine Rolle. Die Distanz der Städte zueinander entsprach etwa 25 Kilometer. „Es war der Streckenabschnitt, den ein Fuhrwerk unter damaligen Bedingungen an einem Tag zurücklegen konnte. Dabei muss beachtet werden, dass es bis etwa 1550 noch keine Lenkachsen gab.“6 Die Fuhrleute transportierten mit ihrem starren Fuhrwerk bis zu zweieinhalb Tonnen auf unwegsamen  Handelswegen.

„Aus den Handwerker- und Kaufmannssiedlungen entstanden allmählich Städte mit einem Stadtrecht sowie Handels- und Zollfreiheiten. Gab es bis zu Anfang des 12. Jh. auf deutschem Gebiet nur etwa 50 Städte, so betrug ihre Zahl um 1300 über 3 000.“7

Ein Kreis in Himmelsrichtung

Der Marktplatz bestimmt somit den Grundriss der Stadtanlage, die in den Frühstädten zumeist einen nach den Himmelsrichtungen orientierten Kreis (oder auch Oval) mit in der Regel einem Durchmesser von bis zu 600 Metern bildet. 5 Und mitten auf dem Marktplatz baute man das Rathaus, in seiner Nähe nicht selten auch die Stadtkirche.