Herrscherhaus Wettin

Mantelwappen der Wettiner
Mantelwappen Wettin Albertinische Linie

1220 - 1485 1485 - 1694 1694 - 18061806 - 18711871 - 1918

Wettin steht für eines der ältesten deutschen Fürstengeschlechter. Der Mannesstamm aus dem sächsischen Uradel erbte über Jahrhunderte (1089-1918) Macht mit Titeln wie Prinz, Markgraf, Herzog, Kurfürst und König. Die sächsischen Regenten dieser Erb-Dynastie präsentieren sich am Resdidenzschloss in Dresden im Fürstenzug und machten auch dessen Sachsens  Geschichte. Obwohl mit der Novemberrevolution anno 1918 der Adel entmachtet und der Adelsstand aufgehoben wurde, verhinderten die konservativen Kräfte Deutschlands bei der Geburt unserer heutigen Demokratie in der Weimarer Republik die Enteignung des Adels. Stattdessen erfolgte eine allein dem Adel dienende Fürstenabfindung. Gerechter Weise erfolgte 1945 in Ostdeutschland die längst fällige Enteignung der adligen Großgrundbesitzer, die sich nicht allein in Sachsen auf Kosten der Bauern maßlos bereichert hatten.

Mit der politischen Restauration Ostdeutschlands 1990 geisterten plötzlich auch die verarmten Nachkömmlinge des Hauses Wettin wieder durch den Freistaat Sachsen. Sie bestätigten die Restauration, die als »friedliche Revolution« getarnt wurde, auf wettinerisch. Denn im Deutschen Reich wurden 1919 mit Artikel 109, Abs. 3 der Weimarer Verfassung die Vorrechte des Adels abgeschafft. Ehemalige Herrschertitel gelten seither als Namensbestandteil und können nicht mehr verliehen werden. Die Gleichheit vor dem Gesetz ist ein Grundrecht in der Bundesrepublik.

Das gilt nach Artikel 10 EGBGB auch für Ausländer. Verleiht ein ausländischer Staat Adelstitel als Standesmerkmal, so berührt das nur das öffentliche Recht dieses Staates. Seit dem Adelsaufhebungsgesetz vom 3. April 1919 ist das Führen von Ehrenworten (»von«, »zu«, »von und zu“) und Adelsprädikaten (Edler, Ritter, Baron) sowie Herrschertitel (Herzog, Markgraf, Prinz) verboten.

Wer also trotz des Verbots in unserer Demokratie – wo der Adelsstand seit nunmehr fast 90 Jahren aufgehoben ist – noch immer mit einstigen Adelstiteln als Namenszusatz wie Markgraf oder Herzog oder Prinz prahlt, der versucht wie ein Gernegroß gesetzwidrig eine Scheinexistenz vorzutäuschen.

Die Burg als Namensgeber

Langestreckte Burganlage entlang des Flusses Saale im Winter

Dynastie in räuberischen Zeiten gegründet

Der Name Wettin geht zurück auf die Burganlage Wettin an der Saale nördlich von Halle in Sachsen-Anhalt. Nach dieser Burg nannte sich als erster Graf Thimo von Wettin (* vor 1034 bis †1091 oder 1118), Vater von Konrad I. (*1089 bis †1157). Er zählte damals zum verarmten Adel. Mit Landraub im Altsorbenland– wie den Wendenkreuzzug 1147 – sowie Mord am sorbischen Adel vergrößerten die Machthaber des Ostfrankenreiches ihr Herrschaftsgebiet gen Osten. In diesen räuberischen Zeiten begründete auch Konrad I. mit Landraub Macht und Reichtum der Herrscherdynastie Wettin. Da die Katze bekanntlich das Mausen nicht lässt, versuchten die Wettiner freilich immer wieder mit neuer Beute ihren Herrschaftsbereich systematisch auszuweiten. So wurden sie 1032 offiziell Markgrafen der Lausitz und 1089 auch Markgrafen von Meißen. Nach dem Tod von Landgraf Heinrich Raspe (*1204 bis †1247) schafften es die Wettiner Heinrich der Erlauchte [1247-1265] (*1215 bis †1288) und Albrecht der Entartete [1265-1294] (*1240 bis †1314) auch zum Landgrafen von Thüringen.

Nachdem Friedrich IV. (*1370 bis †1428) für seine militärische Unterstützung des böhmischen Königs bei den Hussitenkriegen von Sigismund  (*1368 bis †1437) am 6. Januar 1423mit dem Herzogtum Sachsen-Wittenberg und der Pfalzgrafschaft Sachsen belohnt wurde, stieg das Herscherhaus Wettin zur vererbaren Würde des Herzogs und Kurfürsten auf. Damit zählte die sächsische Dynastie zu den Königsmachern im Heiligen Römischen Reich.

Mit der Leipziger Teilung 1485 bildete die Dynastie eine Koalition. Die Teilung der Macht bedeutete damals für das heutige Gebiet der Freistaaten Sachsen und Thüringen sowie das Bundesland Sachsen-Anhalt eine gravierende Landesteilung. 1547 kam es mit der Wittenberger Kapitulation zum Bruch der 1485 vereinbarten Koalition. Damit spaltete sich das Herrscherhaus in die zwei Linien Albertiner und Ernestiner.

Die gekauften Königskronen

August der Starke als König August II. im Hofkostüm sowie mit der Schärpe des Ordens vom Weißen Adler. Quelle: wikipedia

Geteilte Herrschaftsgebiete und mit europäischer Heiratspolitik auf den Thron

Kaiser Karl V. (*1500 bis †1558) übertrug mit der Wittenberger Kapitulation die Kurwürde und große Teile des ernestinischen Herrschaftsgebietes dem Albertiner Moritz (*1521 bis †1553). Damit waren die Albertiner fortan die führende Linie der Dynastie Wettin. Nach der Art des Fürstenhauses brachten sie das auch am Residenzschloss Dresden mit dem Fürstenzug zum Ausdruck.

Die Ernestiner teilten ihr Herrschaftsgebiet in Herzogtümer auf. Durch ständige Erbteilungen entstanden im Laufe der Zeit 11 Nebenlinien. Davon sind bis 1824 sieben ausgestorben. Durch Heiratspolitik der Herzogtümer Sachsen-Coburg und Sachsen-Gotha gelangten Ernestiner auf den Thron Belgiens (ab 1831), Portugals (1853-1919), Bulgariens (1887-1894) sowie in Großbritannien als Prinzgemahl (Prinz Albert, Ehemann von Königin Victoria seit 1901 unter dem Namen Haus Windsor). Das Fürstenhaus Sachsen-Weimar zählt gleichfalls zum Zweig der Ernestiner.

Barocke Verschwendungssucht

Die Albertiner August der Starke (*1670 bis †1733) und sein Sohn Friedrich August II. (*1696 bis †1763) erkauften sich (auf Kosten der Sachsen) zweimal den Königsthron in Polen sowie die Regentschaft als Großfürst von Polen-Litauen. Das war für die Bevölkerung Sachsens und Polens eine kostspielige Königsspielerei. Allein für Juli/August 1697 bilanzierte August der Starke über zwei Millionen Gulden an Bestechungsgeldern. 100 000 Taler kassierte allein schon der Kardinalprimus von Polen. Das entsprach dem Jahresetat für sämtliche Bauprojekte im barocken Dresden. Die Krönungsfeierlichkeiten verschlangen nochmals fünf Millionen Taler. Hinzu kamen über Jahre Kosten für Hofstaaten in Dresden, Warschau und im Großfürstentum Polen-Litauen sowie für pompöse Hoffeste, wie sie Polen bis dahin noch nicht erlebt hatte und Europa aufhorchen lassen sollte. Damit hinterließ August der Starke Staatsschulden in Höhe von 4 137 847 Talern. In der Staatskasse befanden sich gerade mal 670 968 Taler, 7 Groschen und 2 Pfennige. Der Sohn – August II.  – setzte natürlich die barocke Verschwendungssucht des Vaters fort. Auch die Kriegspolitik. Allein die Gesamtkosten für den Siebenjährigen Krieg (1756-1763) betrugen 250 bis 300 Millionen Taler. Dabei betrugen die Staatsschulden vor Kriegsbeginn bereits 28 Millionen Taler, wofür jährlich 1,3 Millionen Taler an Zinse zu berappen waren. Nach dem Krieg wurde offiziell damit gerechnet, dass etwa 65 Prozent der jährlichen Steuereinnahmen aufzuwenden waren, um Zinsen und Amortisationen zu begleichen. Es dauerte mehrere Jahrzehnte, bis Sachsen die Verluste dieses Krieges überwunden hatte. Als Johann Wolfgang von Goethe (*1749 bis †1832) im Jahr 1768 Dresden besuchte, vermerkte er in »Dichtung und Wahrheit«, dass Dresden „einen der traurigsten Anblicke“ bot.

Folglich erlitt Sachsen im so genannten »Augusteischen Zeitalter« (1696-1763) durch Verschwendungssucht für prunkvolle Hoffeste, mehrere Hofstaaten und Kriege der Wettiner einen Verlust von 400 bis 500 Millionen Talern.

Das Königreich Sachsen

König Friedrich August 3. vor der Wettiner Burg
König Friedrich August III., hier in Paradeuniform, trat am 13. November 1918 zurück und besiegelte damit den Untergang der Dynastie Wettin. Quelle: wikipedia

Bescherte dem Land 24 Schlachten und die Völkerschlacht bei Leipzig

Nach der Metamorphose des Landräubers Konrad I. (*1089 bis †1157) zur Gründung der Dynastie Wettin, wurde bei einer erneuten fürstlichen Metamorphose der Wettiner Friedrich August I. (*1750 bis †1827) von Napoleon I. (*1769 bis †1821) am 11. Dezember 1806 zum Marionettenkönig Napoleons in Sachsen erhoben. Das Königreich Sachsen (1806-1918) – mit sechs Königen, viel Prunk und wenig politische Bedeutung – repräsentierte den Höhepunkt der Machtausübung der Wettiner. Markiert wird die Anfangsphase des Königreiches im wechselvollen Machtgefüge Europas mit dem Russlandfeldzug 1812 Napoleons sowie 24 Schlachten in Sachsen und 1813 mit der Völkerschlacht bei Leipzig. Als Erbe hinterließ der Marionettenkönig einen Operettenstaat, der zwei Drittel seines Territoriums und knapp die Hälfte seiner Gesamtbevölkerung – etwa 800 000 Menschen, an Preußen verlor, wodurch die sorbische Sozialstruktur zerrissen wurde. 1918 ging das Königreich sang und klanglos unter und mit ihm nach 900 Jahren Machtausübung die Dynastie Wettin. Für ihren Untergang kassierten die Wettiner mit der Fürstenabfindung ein Vermögen nebst wertvollen Kunstschätzen aus Staatsbesitz. Damals kassierte der »Familienverein Haus Wettin« vom Freistaat Sachsen außer Barabfindungen, Schlösser und Grundbesitz für den abgesetzten König Friedrich August III. (*1865 bis †1932) zugleich auf dem Kunstmarkt hoch im Kurs stehende Wertgegenstände aus dem Grünen Gewölbe, der Porzellansammlung, dem Historischen Museum u. a. 1945 flüchteten die Nachkommen der Dynastie aus Sachsen und deren Besitz wurde enteignet.    

Nach der politischen Restauration Ostdeutschlands 1990, wo die ehemalige DDR der Bundesrepublik Deutschland – Nachfolgerin des Deutschen Reiches – als Beitrittsgebiet angegliedert wurde, tauchten 1999 weitläufige Nachkommen der einstigen Dynastie Wettin im Freistaat Sachsen auf und machten sofort als »Wettiner Schatzhüter« von sich reden. Die vermeintlichen Königserben ohne Krone machten erneut Besitzansprüche geltend.  

Trotz dieses Konfliktes, der sachsenweit Emotionen auslöste, wurde der Nachfolger des Chefs vom »Familienverein Haus Wettin«  von Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) zum Regierungsberater im Freistaat Sachsen berufen. 2006 feierte die Regierung Georg Milbradt mit den Königserben ohne Krone das 200. Jubiläum der Proklamation zum Königreich mit einem Staatsbankett