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Wolfgang Amadeus Mozart. Quelle: Wikipedia

Ein Binärcode der Computersprache. Aber was besagt er?

Aus diesem Zahlencode bildet der Computer den Vornamen »Lina«. Und was haben die siebenjährige Lina Mai Nguyen1 und Konrad Zuse (*1910 bis †1995) gemeinsam? Sie könnten sich in der abstrakten Computersprache durch logische Verknüpfung oder technische Verschaltung der kleinsten Informationseinheit »0/1« des Dualsystems hervorragend verständigen.

In dieser Computersprache führte Konrad Zuse8 (*1910 bis †1995) am 12. Mai 1941einem kleinen Kreis in Berlin seine epochemachende Erfindung vor: „Das elektromechanische Modell »Zuse Z3« war der erste programmgesteuerte Rechner der Welt…“2 Typisch Zuse: „Obwohl die Z3 zu einem großen Teil aus Altmaterial zusammengebaut war, funktionierte sie einwandfrei …“3 Das war 41 Tage bevor das Deutsche Reich ohne Kriegserklärung die UdSSR überfiel. Dieser 22. Juni 1941 markiert den tiefgreifenden Wandel der europäischen Geschichte. „Die europäische Epoche der Weltgeschichte ist zu Ende.“4 Tage zuvor hatte Konrad Zuse zukunftsgewiss das Tor zum Computerzeitalter geöffnet. Aber das nur nebenbei.

Neugierig auf knifflige Probleme

Interessanter ist in diesem Fall für uns das ungewöhnliche mathematische Talent von der siebenjährigen Lina. Sie geht in die dritte Klasse und hat bereits eine Klasse übersprungen. Seit acht Monaten kann Lina Binärcodes umwandeln. Neugierig auf diese knifflige Aufgabe wurde sie in dem Moment, als sie sah, wie ihre Schwester Nina (13), die das Gymnasium besucht, sich mit Koordinatensystemen und Proportionalrechnungen beschäftigte. Dabei verfolgte sie, wie ihr Vater der großen Schwester das Dualsystem und das Dezimalsystem erläuterte und fragte: „Papa, kannst du mir das auch zeigen?“

Lina reizt schon von klein auf die Lösung vor allem schwieriger Probleme. Diese Eigenheit hatte auch der Schüler Konrad Zuse. „Ich entsinne mich zum Beispiel an eine lebhafte Diskussion mit dem Geographielehrer, der mir durchaus nicht glauben wollte, dass die Drehung der Erde durch Ebbe und Flut abgebremst wird.“5 Wer von Zuses Klassenkameraden mag sich schon für dieses Thema interessiert haben?

Wird Talent vererbt?

Nun könnte man ja den Fernsehauftritt von Lina bei »Wetten, dass …?« mit dem Hinweis abtun: „Eine drei Pfund schwere Masse in unserem Kopf, die auf 60 Watt läuft, leistet mehr als jeder Rechner, der Tausende von Gigawatt braucht und Milliarden Dollar kostet.“6 Zumindest definiert Neuroforscher Henry Markram unsere Gehirnmasse so. Der israelische Hirnforscher leitet das Human Brain Project, das von der EU mit einer Milliarde Euro gefördert wird. Und Lina?  Na, die hat ihr mathematisches Talent doch geerbt. Schließlich studierte ihr Vater Ky Khuong an der Uni Bochum Elektrotechnik. Stimmt. Aber stimmt so trotzdem nicht.

Die Vorstellung nämlich, Talent könne man erben, ist hierzulande ein weitverbreiteter Irrtum. Darauf machen uns der Neurobiologe Gerald Hüther sowie der »Stern«-Reporter Uli Hauser aufmerksam mit ihrem Buch »Jedes Kind ist hochbegabt«7 Jedes Kind!

Hirnentwicklung und Begabung

3 Monate alter Fötus mit Nabelschnur und Plazenta. Quelle: Wikipedia

Schon vor der Geburt ein bisschen die Zukunft fühlen lassen?

Die wesentlichen Hirnstrukturen entwickeln sich bereits vorgeburtlich beim Fötus im Mutterleib. „Jedes Kind hat, wenn es zur Welt kommt, Vernetzungen in seinem Gehirn herausgebildet, die nicht nur genau zu seinem Körper passen, sondern auch durch die Sinneseindrücke und Einflüsse von seiner Mutter und ihren körperlichen Reaktionen geprägt und gelenkt worden sind. Aus diesem Grund ist jedes Kind einzigartig und sein Gehirn ein einzigartig herausgeformtes Gebilde.“7 Aber damit nicht genug. „Ein Ungeborenes kann im Mutterleib ja auch schon Erfahrungen machen, die es mit Gefühlen verknüpft.“7 Beispielsweise vernimmt der Fötus bereits die typischen Klangbilder der Sprache seiner Mutter. Babys lernen Grammatik dann vor allem anhand von Tonhöhen und Wortlängen. Deshalb lernt man später eine Fremdsprache auch am schnellsten, wenn man sich mit Kopfhörern zuerst mit den Klangbildern der fremden Sprache vertraut macht.

Wolfgang Amadeus Mozart (*1756 bis †1791) galt als Wunderkind, weil er schon als 6-Jähriger auf Konzertreisen ging und 2 Jahre später seine ersten gedruckten Kompositionen veröffentlichte. Aus heutiger Sicht der Entwicklungsneurobiologen „kann man sich vorstellen, dass beispielsweise Mozarts Mutter sich immer dann besonders wohlfühlte und bei Stress entspannte, wenn ihr Mann musizierte. Der kleinen Mozart in ihrem Bauch bekam dann mehr Raum zum Bewegen, und Atmung und Herzschlag der Mutter wurden harmonischer. Vielleicht streichelte und wiegte sie dabei sogar liebevoll ihren Bauch. Das Erleben von Musik wurde so bei ihrem ungeborenen Kind mit einem angenehmen Gefühl verkoppelt. Kein Wunder also, dass Amadeus auch nach der Geburt immer dann, wenn er Musik hörte, dieses Gefühl wiedererlebte und verzückt war.“7

Ähnlich verhielt es sich mit der noch ungeborenen Lina. Wenn wir also  unseren Kindern eine gute Zukunft wünschen, sollten wir sie dann vielleicht schon vor ihrer Geburt im Mutterleib ein bisschen diese Zukunft fühlen lassen? 

Quellen

1 Andreas Sträter: Codename: 01001100 01101001 01101111 01100001. Bei »Wetten, dass …?« begeisterte die siebenjährige Lina Mai mit ihren Mathematikkünsten, in: Sächsische Zeitung, 28. Februar 2013, Seite 28

2 Felix R. Paturi: Der Computer – Voraussetzung für die Hochtechnologie, in: Brockhaus Meilensteine, 10 Themenbände, 2011, Band: Große Erfindungen, Seite 303

3 Herbert W. Franke: Konrad Zuse. Von der Rechenmaschine zum Computer, in: Die Großen – Leben und Leistung der sechshundert bedeutendsten Persönlichkeiten unserer Welt Geschichtsenzyklopädie in 24 Bänden, Kindler Verlag, Zürich 1995, Band XI/1, Seite 127

4 Karl Dietrich Bracher: Kriegszeit und Nachkriegszeit, in: Das 20. Jahrhundert in Wort, Bild, Film und Ton, Coron Exclusiv, Stuttgart 1999, Band: Die 40er Jahre, Seite 156

5 Konrad Zuse: Der Computer – mein Lebenswerk, in: Hoyerswerda – Geschichte und Geschichten aus Dörfern und Städten, geiger-Verlag, Horb am Neckar 1992, Seite 208

6 Ulrich Schnabel: Ein Hauch von Apollo, in: DIE ZEIT N0 6, 31. Januar 2013, Seite 35

7 Gerald Hüther, Uli Hauser: Die Talente unserer Kinder, in: Sächsische zeitung, 30. Januar 2013, Seite 5.

8 Heinrich W. Franke: Konrad Zuse, in Die Großen – Leben und Leistung  der sechshundert bedeutendsten Persönlichkeiten unserer Welt, Geschichtsenzyklopädie in 24 Bänden, Kindler Verlag, Zürich 1995, Band XI/1, Seite 124