Etwa gar kein Bösewicht?

Raubtier Canis lupus aus der Familie der Hunde. Quelle: Wikipedia/ Retron

Dennoch seit Menschengedenken Inbegriff des Bösen.

Weiß die breite Öffentlichkeit überhaupt, über wen die Wolfsgegner so erbittert streiten? Über den Wolf1, na klar. Aber verhalten sich die Graupelze wirklich so raubgierig, wie sie von ihren Gegner gern dargestellt werden?

Der US-amerikanische Verhaltensforscher David Mech (Vita) vom Yellowstone  Nationalpark behauptet sogar, „dass Wölfe in mancher Hinsicht friedlicher zusammenleben als Menschen.“2 Übertrieben? Die Historie der beiden deutschen Staaten könnte hinreichend Beispiele liefern: • Kalter KriegUnrechtsstaat Alleinvertretungsanspruch Innerdeutsche GrenzeFronstadt WestberlinBerliner Mauer WeltbedrohendRüstungsexport.

Das Zurückbleiben von Verstand und Gewissen

Summa summarum: „Wer nach Auschwitz, Hiroshima (heute) und Vietnam behauptet, der Mensch stehe heute anders und besser da als vor tausend oder fünftausend Jahren, der hat mit einigem Widerspruch zu rechnen.“3 Und womit begründet man das gleichermaßen sittliche wie geistige Zurückbleiben der Menschheit? Am „Zurückbleiben von Verstand und Gewissen, die nicht im gleichen Tempo wie die zivilisatorischen Möglichkeiten gewachsen seien. Einsteins4 Vermutung, die wenigen Überlebenden einer weltweiten Atomschlacht würden wieder anfangen, sich mit Steinen zu bewerfen, war bestimmt vielen aus dem Herzen gesprochen.“3

Der Herr hiesiger Wildnis wurde Spielzeug für das Kind

Und dennoch: „Der Wolf war nie der Gute. Er ist schlichtweg der Inbegriff des Bösen in den europäischen Geschichten und Erzählungen. In Überlieferungen und Sagen wie auch in dem lateinischen Sprichwort »Homo homine lupus est« (Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf). Dabei ist der Wolf weitaus friedfertiger als der Mensch und seine nächsten Verwandten.“5

Hätten wir sonst Hunde? „Vor vermutlich 14 000 Jahren hat der Mensch den Wolf domestiziert, den Hund (Rassen) aus ihm gezüchtet. Seither ist er Jagdwerkzeug, Nahrungsquelle, Wächter, Spielzeug für das Kind – und immer mehr bloße Zierde.“6

Zeitgenosse des Neandertalers

Seit dem späten Pleistozän, also seit etwa 100 000 Jahren, streift der Wolf durch die Mammutsteppen Europas. Er ist damit ein Zeitgenossen des Neandertalers, der in der Oberlausitz vor 130 00 Jahren auf Jagd ging. Der Homo sapiens7, dem auch die heute lebenden Jäger angehören, tauchte erst 60 000 Jahre nach den Graupelzen (Jungpaläolithikum) auf. Isegrimm8 (männlicher Name, der seinen Ursprung in der Bezeichnung Eisenhelm hat) lebte 40 000 Jahre als Raubtier ungeschoren in Europa. Bis um 1650 in Deutschland die Jäger mit der Ausrottung der Wölfe begannen. 1904 hatten sie es dann endlich geschafft. Der letzte in Deutschland frei lebende Isegrimm wurde in Sabrodt, unweit von Hoyerswerda, erschossen.

 

Kindheit im Familienverband

Isegrimm repräsentiert Jahrtausende europäischer Kulturgeschichte

Hallo, Wolf, wie lebst du eigentlich als traditionsreicher Mitbewohner unserer Region? „Wolf Canis lupus. Körper 100-165 cm, Schwanz 35-50 cm. Der Wolf lebt im Rudel, dies ist eine Familie bestehend aus den Elterntieren und deren Jungtieren der letzten 1-3 Jahren. Eine Rangordnung wie sie häufig angedacht war, findet man bei freilebenden Wölfen nicht. Dies ist ein Effekt der Gehegehaltung, wobei meist mehrere geschlechtsreife Tiere in einem begrenzten Raum ihr Leben lang miteinander leben. In freier Natur verlassen die 1-2 Jahre alten Jungtieren, nach Eintritt der Geschlechtsreife das elterliche Gebiet, um sich ein eigenes Territorium zu suchen und eine eigenen Familie zu gründen.“9

„Das Rudel der europäischen Wölfe (Canis lupus) ist eine Kleinfamilie. Zum Elternpaar – Rüde und Fähe – gehören die Welpen und die Jährlinge.“5 Und wie gestaltet sich so ein wölfisches Familienleben? Ende April/Anfang wirft die Wölfin in ihrem Bau normalerweise 4-6 Junge, von denen sie in den ersten Tagen keinen Schritt weicht; Das Männchen versorgt sie dabei mit Futter.“9 Sieh an, männlicher als so mancher Mann.

Hausbesuch bei einem Wolf

Wölfe nutzen die Höhle nur in den ersten Wochen der Welpenaufzucht, ansonsten leben sie unter freiem Himmel. Wie ist so ein Wolfsbau beschaffen? „Er wird im sandigen Boden gegraben. Vom Eingang führt ein etwa ein Meter langer Gang in einen Kessel mit rund 80 Zentimeter Durchmesser. Durch dahinter abgehende Gänge passen nur noch die Welpen hindurch.“5

Wo findet man einen Wolfsbau? Wie erkennt man ihn? Der Höhleneingang ist „ etwa 40 bis 50 Zentimeter groß. Liegt meist in der Dickung – einer Heidelandschaft, vor allem im Umkreis von Kiefern, Robinien, Moos, Beerensträuchern, Farnpflanzen, Sanddorn.“5

Was besagt Wolfsgeheul?

„Laute Kommunikation spielt sowohl bei uns Menschen als auch beim Wolf eine bedeutende Rolle. Das Heulen der Wölfe ist Ausdruck der Verständigung innerhalb der Art, der Revierabgrenzung, aber auch des sozialen Austauschs zum Beispiel der Werbung und Partnerfindung.“5

Reißt der Wolf tatsächlich nur 1% Haustier?

Wölfe „ fressen zu mehr als 95 Prozent wild lebende Paarhufer wie Reh, Hirsch und Wildschwein. Andere Beutetiere sind also für die Ernährung unbedeutend, der Anteil an Haustieren beträgt sogar deutlich unter ein Prozent.“5

Bei Hirsch und Wildschwein werden namentlich Jungtiere erbeutet. Bei Rehen bevorzugt der Wolf alle Altersgruppen, Kitzen sind dabei keine Favoriten. „Im Sommer frisst der Wolf kleinere Tiere und verschiedene Früchte, im Winter jagt das Rudel große Beute.“9

Wie steht es mit der Wanderlust des Wolfs?

„Mit etwa einem Jahr trennen sich die halberwachsenen Tiere von der Mutter, suchen sich ein eigenes Revier. Finden sie einen Partner, lassen sie sich nieder.“

Pro Tag können die Tiere eine Strecke von bis zu 50 Kilometern zurücklegen, wenn sie auf der Suche nach einer neuen Heimat sind. Wölfe, denen ein Peilsender verpasst wurde, sind auch schon bis zu 75 Kilometer am Tag gewandert.“10

„Mit dem Verlassen des Familienverbandes beginnt für viele Wölfe eine Zeit der Wanderschaft. Bei der legen sie, wie uns neuere telemetrische Untersuchungen zeigen, deutlich mehr als 1 000 Kilometer zurück. Sie können Flüsse, Autobahnen und Bahntrassen überwinden und schließlich ein für sie geeignetes Territorium finden.“5

Ein Wolf der Oberlausitz mit Sendehalsband durchquerte Polen, Litauen und passierte die Grenze nach Weißrussland, während ein anderer Artgenosse bis nach Nord-Dänemark gelangte.

Wissenswertes

• Kontakt. Das Kontaktbüro »Wolfsregion Lausitz« in Rietschen, Am Erlichthof 15 ist seit September 2004 für die Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Wölfe zuständig. Telefon 035772/ 46 76211

• Aufgabe.Die Projekte der Kontaktbüros klären über die Lebensweise und Biologie der Wölfe auf und werben dafür, den Wolf als Mitbewohner der Region zu akzeptieren.

• Präsentation. Eine ständige Ausstellung in der »Wolfsscheune« vermittelt  anschaulich Allgemeinwissen über Isegrim, der sich als europäischer Grauwolf in Westeuropa sowie ganz Deutschland ausbreitet.

• Angebote. Neben dem aktuellen Informations-Angebot im Internet unter www.wolfsregion-lausitz.de, bietet das Kontaktbüro Wolfsseminare, Spuren-Exkursionen sowie Naturführungen zu den Rietschener Teichen an, gestaltet Kita- sowie Schulprojekte und Lehrtafeln und trifft Vorsorge mit Schäfern und Jägern, um möglichst Konfliktsituationen zu vermeiden. Neben dem aktuellen Informations-Angebot im Internet unter www.wolfsregion-lausitz.de, bietet das Kontaktbüro Wolfsseminare, Spuren-Exkursionen sowie Naturführungen zu den Rietschener Teichen an, gestaltet Kita- sowie Schulprojekte und Lehrtafeln und trifft Vorsorge mit Schäfern und Jägern, um möglichst Konfliktsituationen zu vermeiden.

• Facharbeit. Das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und –forschung in Deutschlandmit Sitz in Spreetal, Ortsteil Spreewitz, widmet sich der wissenschaftlichen Arbeit zum Thema Wolf.

Quellen

1 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1994, Band 24, Seite 317

2 Jörg Marschner: Hausbesuch bei Isegrim, in: Sächsische Zeitung , 21. März 2012, Seite 3

3 Kurt Fassmann: Die Großen – Leben und Leistung der sechshundert
 bedeutendsten Persönlichkeiten unserer Welt, Geschichtsenzxklopädie in 24 Bänden, Kindler Verlag, Zürich 1995, Band I/1, Seite 6, 5

4 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1988, Band 6, Seite 195

5 Willi Xylander, Direktor des Senckenberg Museums für Naturkunde Görlitz und Professor, der an der Universität Leipzig Spezielle Zoologie lehrt: Vorsicht, Sympathie, in: Sächsische Zeitung, 27. / 28. Juli 2013, Seite 2

6 Andreas Sentker: Respekt, in: Die Zeit N0 15, 8. April 2010, Seite 35

7 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1989, Band 10, Seite 219

8 Deutsches Wörterbuch in drei Bänden, in: Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden,19. Auflage, (die Bände 26, 27, und 28 mit 500 000 Stichwörtern und Kurzdefinitionen), Mannheim 1995, Band 27, Seite 1741

9 Goldener Kosmos-, Tier- und Pflanzenführer, Gesellschaft der Naturfreunde, Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1985, Seite 728

10 Philipp Siebert: Der Wolf ist in Moritzburg, in: Sächsische Zeitung, 12. Dezember 2013, Seite 8

11 Jost Schmidtchen: Kinder gehen zu Isegrim, in: Sächsische Zeitung, 12. März 2006, Seite 21