Corona Regni Bohemiae

Die Länder der Böhmischen Krone: Im Schild vier Felder,, unten links: die goldene dreizinnige Mauer der Oberlausitz in Blau. Quelle: Wikipedia

Seit 1329 nannten sich so die Nebenländer der Krone Böhmens

Dieter Görner

So nannte man seit 1329 in lateinischer Sprache die Gesamtheit der Länder, die mit dem Königreich Böhmen verbunden waren. Diese Bezeichnung war Ausdruck eines Staatssymbols, „das dem jeweiligen Herrscher Böhmens über seine Person hinaus die Aura der Zeitlosigkeit verlieh: der König ist sterblich, die Krone ewig. In diesem Kroneigentum war der König nicht nur Landesherr im Allgemeinen, sondern Hausherr im engeren Sinne. Diese Herrscherrolle war auch für die Oberlausitz bestimmend.“[1] Sie galt für Karl IV. (1316-1378), ab 1347 König von Böhmen, in seiner 32-jährigen Regentschaft stets als »pars pro toto« (ein Teil steht für das Ganze). Folglich war die Oberlausitz nie ein selbständiges Herrschaftsgebiet, sondern immerzu nur »Pertinenz« (Zubehör) der anderen Nebenländer der Böhmischen Krone.

Das Königswappen

Dieser Status ist – wie Wikipedia erläutert – auch am Königswappen ersichtlich: „Länder der Böhmischen Krone: Im Schild vier Felder, der rot-silber geschachte Adler Mährens in Blau, der schwarze Adler Schlesiens in Gold, die goldene dreizinnige Mauer der Oberlausitz in Blau, der goldene Adler Oberschlesiens in Blau, der rote Ochse der Niederlausitz in Silber auf grünem Boden, im Mittelschild der silberne Böhmische Löwe in Rot, auf dem Schild ruht die Wenzelskrone; umkränzt von Linde“.

Da die Region infolge der deutschen Ostbesiedlung über keine landlässigen Dynastien verfügte, sondern lediglich Niederadel angesiedelt war, räumte Karl IV. dem durch die Via Regie zu Reichtum und Macht gelangten städtischen Bürgertum eine Vorrangstellung ein. Damit stand nicht Adelsmacht gegen Königsmacht. Diese besondere Interessenlage des böhmischen Königs widerspiegelt die Geschichte der königlichen Städte des »Oberlausitzer Sechststädtebundes«. Diese Kommunen verfügten über eine Gerichtsbarkeit, der zu Zeiten Karl IV. auch der Niederadel (namentlich sein Raubrittertum) unterstand. Zudem besaßen sie nach damaligen Sächsischem Recht »Weichbilder« [2], also Rechtskreise, die das städtische Umland umfassten. So zählte beispielsweise Görlitz zeitweise bis zu 250 Dörfer oder Zittau nahezu 40 zur städtischen Gerichtsbarkeit. Neben Bauerngüter zählten dazu auch adlige Güter [3].

Gemeinsame Geschichte Ostmitteleuropas

Das historische Geschehen der Oberlausitz ist folglich eingebettet in die Gesamtgeschichtsschreibung von Deutschland und Böhmen sowie zugleich von Ostmitteleuropa. Vermittelt das länderübergreifende Wirken des spätmittelalterlichen böhmischen Königs möglicherweise Impulse für heutiges politisches Repertoire bei der Gestaltung der Euroregion Neiße? Karl IV., der in der heutigen Geschichtsschreibung als die letzte bedeutende Herrschergestalt des ausgehenden Mittelalters gilt, hat politische Mittel stets militärischen vorgezogen und sich keineswegs gescheut, selbst mit Geld seine politischen Ziele durchzusetzen. Für die einen galt er daher als »Rex Mercatoris«, kaiserlich-königlicher Kaufmann. Andere sahen in ihm einen »Rex Clericorum«, einen Pfaffenkönig, weil in seinen Jugendtagen am französischen Hof (ca. 1323-1330) zunächst bei Karl IV. (1295-1328) und dann bei Philipp VI. (1293-1350) der spätere Papst Clemens VI. (um 1290-1352) sein väterlicher Freund und Mentor war. Aber auch, weil der Benediktinerabt Pierre de Rosiere, der 1342 den Stuhl Petri in Avignon bestieg, nicht nur das Gründungsprivileg für die Universität Prag erteilte, sondern zudem Prag zum Erzbistum erhob und damit Kirchenpolitik mit weitreichender Bedeutung betrieb.

Quellen

 1 Günter Rautenstrauch: Karl IV. und die Oberlausitz – König und Hausherr in einem Land der Krone Böhmen, in: Beiträge zur deutschen, böhmischen und oberlausitzischen Regentengeschichte im Spätmittelalter, Oberlausitzer Verlag, Spitzkunnersdorf 2010, Seite 30.

2 Johann Benedikt Carpzov: Analecta Fastorum Zittaviensium oder Historischer Schauplatz Der Löblichen Alten Sechs-Stadt Zittau des Marggraffthum Oberlausitz ZITTAU, Leipzig 1716, Teil 2, Seite 247.

3 Rudolf Kötzschke; Hellmut Kretzschmar, Sächsische Geschichte, Augsburg 1995, Seite 130.