Auf der Suche nach dem Wie

Carl Friedrich Gauss (Ausschnitt aus einem Gemälde von Gottlieb Biermann, 1887). Quelle: Wikipedia

Jugendliche Neugier auf besonders schwierige Problemlösungen

Typisch! Wie funktioniert das? Das vor allem – und immer wieder – interessierte Konrad Zuse7 (*1910 bis †1995) schon als Schüler brennend. „Auf dem Schrank in meinem Zimmer baute ich einen riesigen Greiferkran, der über Schnüre in allen seinen Bewegungen von meinem Schreibtisch aus bedient werden konnte. Besondere Schwierigkeiten bereitete dabei die Schließbewegung des Greifers, deren Steuerung durch die Laufkatze und ihre Schwenkbewegung hindurchgeleitet werden musste.“1 Aha.

Klar, eine Problemlösung fällt nicht einfach vom Himmel.

Ebenso wenig wie eine Erfindung. Beide müssen geistig hart erarbeitet werden. „Das Problemlösen ist eine Sache, so meinen wir, die an sich schon Spaß macht. Es gibt fast keinen Menschen, der nicht das Bedürfnis besitzt, zu knobeln und zu erfinden.“2 Sicher. Aber welche persönlichen Eigenschaften von Konrad Zuse – neben der Problemlösungsfreude – fallen uns bei dieser Episode noch ins Auge?

Was zum Teufel sind Talente?

• Die Freude am technischen Erfolgserlebnis • Aufgeschlossenheit für ungewöhnliche Ideen • Grenzen des eigenen Erfahrungsbereiches überschreiten • Risikobereitschaft • die Bereitwilligkeit zu ständigem Neu-, Dazu- und Umlernen. Die Basis für lebenslanges Lernen. Sind diese Eigenschaften von Konrad Zuse allesamt Talente? Was zum Teufel sind Talente? Wiederkehrende Denkmuster? Alltägliche Verhaltensmuster?

Dem Zwergplaneten Ceres auf den Fersen

Das Verhalten von Konrad Zuse, ein schwieriges Problem unbedingt lösen zu wollen, erinnert an den 24-jährigen Mathematiker, Astronom, Geodät und Physiker Carl Friedrich Gauss8 (*1777 bis †1855). Der hatte erfahren, dass Giuseppe Piazzi9 (*1746 bis †1826) im Jahr 1801 den ersten Asteroiden unseres Sonnensystems entdeckte, den Zwergplaneten Ceres. Es war der achte Planet, nach dem man schon seit 1781 zwischen den Bahnen Mars und Jupiter gesucht hatte.3 Doch nach einem Monat war Ceres in den Sonnenstrahlen wieder verschwunden. Ausgerechnet 1801 aber veröffentlichte auch Georg Wilhelm Friedrich Hegel10 (*1770 bis†1831) seine Doktorarbeit De orbites planetarum. Die allerdings höhnte im letzten Abschnitt: Jeder denkende Mensch müsse einsehen, „dass es nur genau sieben Planeten geben kann, nicht mehr und nicht weniger.“4 Dieses philosophische Geschwätz Hegels ärgerte Gauss dermaßen, dass er eine mathematische Methode erfand, mit der der Planet schließlich wiedergefunden wurde. Gauss hatte zweifellos mathematisches Talent.

Was aber sind Talente?

Als Talente-Schmiede erweist sich die Mathematik Olympiade. Quelle: Wikipedia

„Talente sind Verhaltensweisen, die man an sich bemerkt, weil man sie häufig anwendet. Die individuelle Wahrnehmung und Sichtweise, mit der jeder Mensch seine Umwelt sieht, ist auch ein Hinweis auf seine Talente. Alle sich wiederholenden Muster im Verhalten und Denken, die ein Mensch hat und die produktiv angewendet werden können, sind seine Talente.“5 Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen Fertigkeiten, Wissen und Talenten. Fertigkeiten und Wissen kann man sich aneignen: Learning by doing. Hingegen Talente nicht. Sie entstehen bereits beim Fötus während der Schwangerschaft.

So wie wir beim Wissen zwei Arten Unterscheiden – Faktenwissen und Erfahrungswissen – so unterscheiden wir auch drei Arten von Talenten:
• Das »Warum«. Das was, eine Person motiviert
• Das »Wie«. Die Art wie eine Person denkt
• Das »Wer«. Die Umgangskultur mit anderen Personen

Die unterschiedlichen Talente

Talente in der Art der Motivation5
Sie zeigt beispielsweise der:
Ausdauernde, der nicht so schnell aufgibt
Wettkämpfer, der sich gern dem Wettbewerb stellt
Kompetente, der Perfektion und Expertentum anstrebt
• Visionär, der ein Bild der Zukunft entwerfen und auch anstreben kann
   und dergleichen

Talente in der Denk- und Entscheidungsstruktur
Sie beweist beispielsweise der:
Problemlöser, der auch mit unvollständigen Angaben passende Lösungen findet
Ergebnisorientierte, der verschiedene Problemlösungen abwägen kann
Ordnungsliebende, der auf Genauigkeit Wert legt
Organisationstalent besitzt, Abläufe passgenau zu organisieren
   und dergleichen.

Talente aus der Beziehungsebene
Sie besitzt beispielsweise der:
Netzwerker, der Beziehungen aufbaut
Teammensch, der andere motiviert, sich gegenseitig zu unterstützen
•  Mutige, der Gefühle zeigt im Bestreben, Widerstände zu überwinden
    und dergleichen.

Gewinner und Verlierer

Der amerikanische Psychologe Martin Seligman fand heraus, dass für den beruflichen Erfolg auch die Lebenseinstellung maßgebend ist.6 Demnach unterscheiden sich »Gewinner« von »Verlierern« durch folgende Einstellungen:

• Dauerhaftigkeit. Pessimisten halten negative Einflüsse für dauerhaft. Aktiv zu
   werden finden sie deshalb zwecklos. Gewinner empfinden genau das Gegenteil.

Quellen

1 Konrad Zuse: Der Computer – mein Lebenswerk, in: Hoyerswerda – Geschichte und Geschichten aus Dörfern und Städten, Geiger-Verlag, Horb am Neckar 1992, Seite 208

2 Werner Gilde, Edeltraut Belkius: Erfinden was noch niemals war, Urania-Verlag, Leipzig • Jena • Berlin 1972, Seite 8

3 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1992, Band 17, Seite 156

4 Thomas v. Randow: Carl Friedrich Gaus, in: Die Großen – Leben und Leistung der sechshundert bedeutendsten Persönlichkeiten unserer Welt, 24 Bände, Kindler Verlag, Zürich 1995, Band VII /1, Seite 377

5 Franz Egle, Walter Bens: Talentmarketing, Strategien für Job-Search und Selbstvermarktung, Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler, Wiesbaden 2002, Seite 147

6 Martin Seligmann: Pessimisten küsst man nicht, Droemer Knaur, München 1991,

7 Heinrich W. Franke: Konrad Zuse, in Die Großen – Leben und Leistung  der sechshundert bedeutendsten Persönlichkeiten unserer Welt, Geschichtsenzyklopädie in 24 Bänden, Kindler Verlag, Zürich 1995, Band XI/1, Seite 124
7 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1994, Band 24, Seite 635

8 Thomas von Randow: Carl Friedrich Gauss, in: Die Großen – Leben und Leistung  der sechshundert bedeutendsten Persönlichkeiten unserer Welt, Geschichtsenzyklopädie in 24 Bänden, Kindler Verlag, Zürich 1995, Band VII/1, Seite 372

9 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1992, Band 17, Seite 156

10 Friedrich Heer: Georg Wilhelm Friedrich Hegel, in: Die Großen – Leben und Leistung  der sechshundert bedeutendsten Persönlichkeiten unserer Welt, Geschichtsenzyklopädie in 24 Bänden, Kindler Verlag, Zürich 1995, Band VII/1, Seite 248