Weibliches Technikverständnis

Ada Lovelace 1836, Gemälde von Margaret Sarah Carpenter (*1793 bis †1872). Quelle: Wikipedia

Die Vision von Ada Lovelace wurde bei Konrad Zuse Realität

Von wegen, Frauen haben kein Technikverständnis. Diese Ansicht erweist sich spätestens seit 1843 als Mythos. In jenem Jahr übersetzte Augusta Ada Byron King, Coutes of Lovelace, allgemein als Ada Lovelace bekannt, geborene Augusta Ada Byron1 (*1815 bis†1852), die von dem italienischen Mathematiker Luigi Federigo Menabrea2 (*1809 bis †1896) auf Französisch artikulierte Beschreibung von Charles Babbages3 (*1791 bis †1871) Analytical Engine ins Englische.

Ein Vorläufer des heutigen Rechners

Analytical Engine (englisch: analytische Maschine), an der Babbages seit 1823 gearbeitet und 1833 endlich erfunden hatte und deren Beschreibung er 1837 veröffentlichte. Es ist der Entwurf „einer mechanischen Rechenanlage, die bereits wie die heutigen Rechner in Zahlenspeicher, Rechenwerk und Steuerung aufgegliedert ist. Er denkt auch schon daran, die Rechenmaschine durch gelochte Karten zu steuern, in Anlehnung an die von Joseph-Marie Jacquard4 1804 erfundene Steuerung von Webstühlen durch ein fortlaufendes Band.“5

Den ersten Algorithmus der Welt geschrieben

1843 hat sich also die 28-jährigeÜbersetzerin Ada Lovelace mit einer „programmgesteuerten Rechenmaschine“6 von Babbage befasst, die „technisch seiner Zeit voraus“7 war und demzufolge „sich mit den technischen Mitteln seiner Ära gar nicht bauen ließ.“7 Doch damit ließ sich Ada Lovelace keineswegs ins Bockshorn jagen. Im Gegenteil. Ihr Wissensdrang erinnert an Lina Mai Nguyen.

„Denn 1843 schrieb Ada Lovelace den allerersten Algorithmus, den man heute als rudimentäres Computerprogramm bezeichnen würde. Sie wird deshalb als erste Programmiererin und Computerpionierin bezeichnet. Ihr Porträt hängt in den Fluren von vielen Informatikinstituten.“8

Eine ungeheure neue Sprache

Ada Lovelace erkennt, dass die Maschine von Babbage nicht allein „Zahlen verarbeiten kann, sondern auch Texte und Bilder: »Der analytische Automat nimmt einen Rang für sich allein ein«, schreibt sie. Seine Funktionen seien nicht festgelegt. Der Apparat könne auch »umfangreiche, komplexe Musikstücke komponieren«. Sie stellt fest: »Eine ungeheure, neue Sprache ist entstanden.« Sie schreibt das erste Programm in dieser neuen Sprache: eine nummerierte List von Befehlen, die zeigt, welche Operationen (zum Beispiel Addition) mit welchen variablen (Werte und Zwischenergebnisse der Berechnungen) durchgeführt werden. In dieser Tabelle würde man heute ein Computerprogramm erkennen.“8

Programmiersprache trägt ihren Namen

Die Programmiersprache ADA ist benannt „nach Auguste Ada Byron (1815 – 1852), die als Förderin von C. Babbage Programme für die von ihm konzipierte Rechenmaschine entwarf.“9

Die Vision von Ada Lovelace im 19. Jahrhundert, nämlich dass die   Analytische Maschine auch Texte und Bilder verarbeiten könne, hat Konrad Zuse im 20. Jahrhundert Realität werden lassen. Denn er hat sich „auch in dieser Hinsicht als Pionier verdient gemacht: Von ihm stammt das erste Gerät zur graphischen Ausgabe, das Zeichengerät »GRAPHOMAT«. Damit hat er – ganz nebenbei – auch den Anstoß zur Computerkunst gegeben, eine Entwicklung, die er übrigens durchaus voraussah – von ihm selbst liegen aus der Frühzeit dieser Entwicklungsphase eigene ornamentale Graphiken vor.“10

Quellen

1 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1986, Band 1, Seite 121

2 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1987, Band 4, Seite 360

3 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1987, Band 2, Seite 444

4 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1990, Band 11, Seite 64

5 Siegfried Maser: Hermann Hollerith, in: Die Großen – Leben und Leistung der sechshundert bedeutendsten Persönlichkeiten unserer Welt, Geschichtsenzyklopädie in 24 Bänden, Kindler Verlag, Zürich 1995, Band IX/1, Seite 469

6 Carsten Wember: Zählen und Rechnen leicht gemacht – die ersten Rechenmaschinen, in: Brockhaus Meilensteine – Geschichte, Kultur und Wissenschaft – multimediale Geschichtsenzyklopädie in 10 Themenbänden, Gütersloh 2011, Band 6: Große Erfindungen, Seite 173

7 Felix R. Paturi: Der Computer – Voraussetzung für die Hochtechnologie, in: Brockhaus Meilensteine – Geschichte, Kultur und Wissenschaft – multimediale Geschichtsenzyklopädie in 10 Themenbänden, Gütersloh 2011, Band 6: Große Erfindungen, Seite 302

8 Anne Kunze: Ada und der Algorithmus, in: DIE ZEIT N0 5, 23. Januar 2014, Seite 22

9 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1986, Band 1, Seite 121

10 Herbert F. Franke: Konrad Zuse, in: Die Großen – Leben und Leistung der sechshundert bedeutendsten Persönlichkeiten unserer Welt, Geschichtsenzyklopädie in 24 Bänden, Kindler Verlag, Zürich 1995, Band XI/1, Seite 130