Jagd? Baustein der Zivilisation?

Bevor der Mensch in schmucker Jägertracht kunstvoll das Jagdhorn blasen konnte, vergingen Jahrtausende menschlicher Entwicklung. Quelle: Wikipedia/ Axel Hindemith

Die Jagd und die Entwicklung des heutigen Menschen

Was bedeutet das überhaupt: Jagd. Jagd ist Weidwerk nach Regeln und Hege. Unter heutiger Jagd versteht man „Aufsuchen, Nachstellen, Erlegen, Fangen jagdbarer Tiere“1 „Heute gelten im Allgemeinen die Regeln des Jagdrechts und des Jagdgebrauchs (Weidgerechtigkeit).2 Wesentlicher Teil der Jagd ist die Hege.“1

Die Jagd hatte für die Entwicklung des heutigen Menschen und für das Entstehen der jetzigen Zivilisation außerordentliche Bedeutung.

Die unendlich langsame Entwicklung des Menschen

„Das Alter der bedeutendsten Nachweise der Art Homo erectus wird auf etwa 500 000 Jahre geschätzt. […] Die biologische Evolution des Menschen zum Homo sapiens war ungefähr vor 100 000 Jahren abgeschlossen.“2

Menschen in der heutigen Gattung Homo sapiens, „der alle heute lebenden Menschen angehören“, existieren in der »morphologisch modernen Form« seit etwa 40 000 Jahren (Jungpaläolithikum) in der Alten Welt, seit etwa 25 000 Jahren in Amerika und wohl auch in Australien. 2

Die große Abhängigkeit von der Natur

„Über einen Zeitraum von mehreren hunderttausend Jahren ernährten sich die Menschen ausschließlich durch Jagen, Sammeln und Fischen. Im gesamten Zeitraum der Altsteinzeit, des so genannten Paläolithikums, lebte der Mensch somit in außerordentlich großer Abhängigkeit von der Natur.

Für die Bevölkerungsgröße und das Tempo des Bevölkerungswachstums hatte dies erhebliche Konsequenzen, denn Nomaden, die jagen, sammeln und fischen, benötigen ein großes Territorium.“3 In der Oberlausitz betrug das Jagdrevier vor 130 000 Jahren etwa 100 km².

Die erste Weltbevölkerung

„Wie viele Menschen sich in einer Region auf diese Weise das Überleben sichern können, ist vor allem vom Klima und vom jeweiligen Ökosystem abhängig – auf jeden Fall ist nur eine geringe Bevölkerungsdichte möglich. Dennoch gab es schon in der Altsteinzeit ein geringes Bevölkerungswachstum. Man hat geschätzt, dass zum Ende der Altsteinzeit, also vor über 10 000 Jahren, auf unserem Planeten zwischen fünf und zehn Millionen Menschen lebten.“4

Das Sammeln dominierte als Lebensgrundlage

„Das Jagen bildete zusammen mit dem Sammeln für den weitaus längsten Teil der Geschichte die Lebensgrundlage des Menschen.“5 Als Jäger und Sammler bezeichnet man „»Naturvölker« mit aneignender Wirtschaftsform, bei denen in der Regel die Männer der Jagd nachgehen, die Frauen Nahrungsmittel (Früchte, Pflanzenteile, Eier, Insekten und andere Kleintiere ) auf kurzen Ausflügen in Lagernähe sammeln. […] Die Sammlertätigkeit der Frauen erbringt jedoch im Allgemeinen den größten Teil der Nahrung (um diesen weiblichen Anteil zu betonen, wird heute bisweilen die Bezeichnung Jäger und Sammlerinnen verwendet).Vorratswirtschaft wird nicht betrieben. Der sozioökonomisch und politische Verband dieser mobilen Gruppen (Jagdschar, Horde) überschreitet selten eine Zahl von 50 Personen.“1

Der mündige Bürger und Unionsbürger resümiert: Welch eine Mühe kostete doch die Entwicklung der Menschheit! Und was macht die heutige Menschheit daraus?

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Steinerner Werkzeugkasten Natur

Mit Geröllsteinen fing alles an. Dann kam das Feuer. Danach innovative Jagdwaffen

„Die ältesten, bewusst auf einen bestimmten Zweck hin bearbeitete Steinwerkzeuge der Menschheit stammen vom Homo habilis (»der fähige Mensch«)2 und sind zwischen 2,5 und 2 Millionen Jahre alt.“6 Und aus welchem Gestein bestanden die? „Hierbei handelt es sich um die so genannten Geröllgeräte (pebble tools), die aus Geröllsteinen zurechtgeschlagen waren.“6

Und wie ging das weiter? „Auf diese folgte vor rund einer Millionen Jahren der Faustkeil,7 dessen Formgebung klar die Intention der »Werkzeugmacher« zeigt, ein für ihren speziellen Gebrauch angepasstes Gerät zu schaffen.“6  Ein Faustkeilfür alle möglichen Arbeiten? „Daneben wurden auch schon die bei der Herstellung anfallenden Steinsplitter als Schaber und Spitzen gebraucht.“6

 Der älteste Fernhandelsweg Europas

„Auf dem ältesten Handelsweg Europas wurde in der Jungsteinzeit Feuerstein transportiert, der zur Fertigung von Werkzeugen und Waffen diente. Vor 7 000 Jahren schifften Händler diesen damals teuersten Rohstoff in Einbäumen über Flüsse vom niederbayerischen Abensberg bis ins heutige Prag.“12

Hurra, das Feuer ist da!

„Seit mindestens 500 000 Jahren weiß der Mensch das Feuer zu nutzen.“6 Das war wiederum ein entscheidender Schritt in der Entwicklungsgeschichte des Menschen. „Über die Entdeckung des Feuers berichten zahlreiche Sagen, in denen fast immer das Motiv des Feuer-Raubes wiederkehrt. Das deutet darauf hin, dass der Gebrauch des Feuers nicht von allen Völkern selbstständig entdeckt, sondern auch übertragen wurde. Bereits vor 400 000 Jahren konnte der Pekingmensch7 (Sinatropus pekinensis) das Feuer ständig unterhalten.“8

Der mündige Bürger und Unionsbürger konstatiert: Die Entwicklungsgeschichte der Menschheit veranschaulicht die Abhängigkeit des Menschen von der Natur. Anscheinend haben dafür die Naturschänder des Spätkapitalismus in ihrem Gewinnsterben keinerlei Bewusstsein.

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Wald - Grundstein der Kultur

Auwald entlang des Tarasjögi in Estland. Quelle: Wikipedia/ Ireen Trummer

Der neue Lebensraum nach der Eiszeit machte innovativ

In der Letzten Eiszeit (Weichsel-Kaltzeit) um fasste in der zweiten Hälfte (30 000 – 8 000) die Vergletscherung „weltweit maximal 42 Mio. km² […], in der vorletzten bis über 48 Mio. km², das heißt eine dreimal größere Fläche als heute (15,3 Moi. km²).“9 Die Erdgeschichte kennt in den vergangenen 2400 Millionen Jahren 540,5 Eiszeiten. Zuletzt die Weichsel-Kaltzeit (30 000 – 8 000)

„Als das Eis zurückwich, passten sich die Menschen Europas dem neuen Lebensraum Wald an. Er sollte ihnen die Weiterentwicklung zur jungsteinzeitlichen Kultur ermöglichen.“10 Inwiefern? „Als die letzte Eiszeit um 20 000 v. Chr. ihrem Höhepunkt entgegenging und die nördliche Hälfte Europas bedeckte, entstand im wildreichen Tundragürtel von Frankreich bis zur Ukraine eine neue an das Klima gut angepasste Kultur.“11 Und das bedeutete? „Die Menschen machten entscheidende Fortschritte im sozialen Leben, in Kunst und Technik und produzierten vielfältige Werkzeuge…“11

Die neuen Herausforderungen der Jagd machen innovativ

„Aktive Jagd auf Großtiere (Elefant, Nashorn, Rind, Hirsch, Pferd) ist seit der Zeit des Homo erectus2 durch Funde belegt. Die wichtigste Waffe des Homo erectus und des Neandertalers2 war die Holzlanze.“5

„Ein technischer »Innovationsschub« war mit der Verbreitung des modernen Menschen (Homo sapiens sapiens)2 vor ungefähr 40 000 Jahren verbunden.“6 Das zeigte die Entwicklung der Jagdwaffen, aber ebenso die Eiszeitkunst. Quasi „Die bildende Kunst der Altsteinzeit, deren Auftreten in der zweiten Hälfte der letzten Eiszeit (30 000 – 8 000 v.Chr.) die älteste Kunst der Menschheit dokumentiert.“9

Das Waffenarsenal vergrößert sich

„Zu den bereits bekannten Werkzeugen und Waffen treten die Speerschleuder, die Harpune sowie Pfeil und Bogen und Steinlampen.“6 Was bedeutete das für die jagd? „Eine wichtige Neuerung war die Erfindung der Speerschleuder vor etwa 30 000 Jahren. Durch diese erste Fernwaffe erhielt die Jagd eine neue Dimension. “1

„Eine weitere wichtige Zäsur in der Geschichte der Jagd war die Erfindung von Pfeil und Bogen am Ende der letzten Kaltzeit. Der Pfeil erwies sich als zielgenauer und weitreichender als die Speerschleuder und verdrängte diese in fast allen Teilen der Erde (Ausnahmen Australien, Eskimogebiet).“1

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Effiziente Jagd förderte Kunstsinn

Ehrfurcht und Respekt vor dem Tier künstlerisch visualisiert Felszeichnung aus dem Jungpaläolithikum (18 000 – 12 000 v. Chr.) in der nordspanischen Höhle Altamira,. Quelle: Wikipedia/ Rameessos

Bildende Kunst der Altsteinzeit ist die älteste der Menschheit

Die Fernwaffe Pfeil und Bogen – zielgenauer und weitreichender als die vorige Innovation Speerschleuder – machte weltweit die Jagd zeitsparender und erfolgreicher „Die effektivere Jagd ermöglichte die Beschäftigung mit Dingen, die nichts mit der Sicherstellung des Lebensunterhaltes zu tun hatten (Entwicklung der Kunst) und führte zu einer Bevölkerungs-Vermehrung.“1

Eiszeitkunst, die bildende Kunst der Altsteinzeit, deren Auftreten in der zweiten Hälfte der letzten Eiszeit (30 000 – 8 000 v. Chr.) die älteste Kunst der Menschheit dokumentiert. Sie findet sich zum einen in Form von Wandmalereien und Gravierungen in über 100 Höhlen, zum anderen in Form von Relief-Friesen an Abriwänden und auf Steintrümmern.“9

Wann begann eigentlich das Kunstschaffen?

„Seit es Menschen gibt, existieren auch Formen künstlerischen Ausdrucks – Kunst gehört zu jeder Kultur.“13 Dennoch. Wann genau begann das Kunstschaffen? „Die Zeit, in der sich das Kunstschaffen zu entfalten begann, liegt etwa 35 000 Jahre zurück. In der jüngeren Altsteinzeit, dem Jungpaläolithikum, entstanden zunächst Höhlenmalereien. Deren vielfigurige Kompositionen spiegeln bereits grundlegende Merkmale von Kunst wider, die sich bis in die Gegenwart verfolgen lassen.“13

Inwiefern? „So bildete die urzeitliche Malereien einerseits die Lebenswelt ab, sie sind also rein nachahmender Natur. Zugleich werden in ihnen mythische, kultisch-magische oder religiöse Vorstellungen verarbeitet, sie haben also auch Symbolcharakter.“13

Höchstes Kulturniveau schon bei den Steinzeitmenschen?

„Die Erkenntnisse aus der Völkerkunde verdeutlichen, dass Kulturen, die weder die Nutzung von Eisen, Pflug oder Rad kannten,  und deshalb nach unseren Maßstäben »steinzeitlich« zu nennen wären, in Bereichen wie Kunst, Religion, Naturkenntnis oder Gesellschaftsstruktur höchstes Niveau erreichten.“ Das belegen „äußerst detaillierte Naturkenntnisse – ein Wissen, das gerade die moderne Heilkunde zu nutzen im Begriff ist.“14

Die Wiege der europäischen Zivilisation

„In der europäischen Antike fanden sich dann Völker verschiedener Herkunft unter der griechischen Kultur zusammen, die durch ihre bis heute nachwirkenden Errungenschaften etwa in Philosophie und Staatskunde, aber auch in Medizin, Mathematik und Kunst als Wiege europäischer Zivilisation gilt.“15

Der mündige Bürger ist sich deshalb sicher, dass es durchaus Sinn macht, gegebenenfalls auf antike Erfahrungen zurückzugreifen.

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Quellen

1 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1990, Band 11, Seite 68, 74

2 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1989, Band 10, Seite 215, 219, 216, 400

3 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1986, Band 1, Seite 451

4 Rose-Elisabeth Herden, Rainer Münz: Weltbevölkerung in früher Zeit, Brockhaus Meilensteine, multimediale Geschichtsenzyklopädie in 10 Themenbänden zur Geschichte, Kultur und Wissenschaft, Gütersloh 2011, Band 1: Völker, Staaten und Kultur, Seite 40

5 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1990, Band 11, Seite 69

6 Otto Schertler: Frühgeschichte und alte Kulturen, in: Brockhaus Meilensteine, multimediale Geschichtsenzyklopädie in 10 Themenbänden zur Geschichte, Kultur und Wissenschaft, Gütersloh 2011, Band 6: Große Erfindungen, Seite 14

7 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1991, Band 16, Seite 638

8 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1988, Band 7, Seite 144

9 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1988, Band 6, Seite 238, 240

10 Stefan Brenne: Die Anfänge – Vor- und Frühgeschichte der Kunst, in: Brockhaus Meilensteine, multimediale Geschichtsenzyklopädie in 10 Themenbänden zur Geschichte, Kultur und Wissenschaft, Gütersloh 2011, Band 8: Kunst und Archietektur, Seite 15

11 Stefan Brenne: Die Höhlenmalerei der mittleren Steinzeit, in: Brockhaus Meilensteine, multimediale Geschichtsenzyklopädie in 10 Themenbänden zur Geschichte, Kultur und Wissenschaft, Gütersloh 2011, Band 8: Kunst und Archietektur, Seite 17

12 Karin Guggeis: Weltweite Verflechtungen , in: Brockhaus Meilensteine, multimediale Geschichtsenzyklopädie in 10 Themenbänden zur Geschichte, Kultur und Wissenschaft, Gütersloh 2011, Band 1: Völker, Staaten und Kulturen, Seite 182

13 Steffen Krämer: Die bildende Kunst – Aufgaben, Gattungen und Epochen, in: Brockhaus Meilensteine, multimediale Geschichtsenzyklopädie in 10 Themenbänden zur Geschichte, Kultur und Wissenschaft, Gütersloh 2011, Band 8: Kunst und Architektur, Seite 12

14 Otto Schertler: Die Frage nach dem Ursprung, in: Brockhaus Meilensteine, multimediale Geschichtsenzyklopädie in 10 Themenbänden zur Geschichte, Kultur und Wissenschaft, Gütersloh 2011, Band 1: Völker, Staaten und Kulturen, Seite 15

15 Ulrich Knefelkamp: Dynamik der Geschichte – Aufstieg und Niedergang von Völkern und Staaten, in: Brockhaus Meilensteine, multimediale Geschichtsenzyklopädie in 10 Themenbänden zur Geschichte, Kultur und Wissenschaft, Gütersloh 2011, Band 1: Völker, Staaten und Kulturen, Seite 12