Wie sich Europa kapitalistisch profilierte?

»Vierzylinder«. Ein Denkmal des Spät-Kapitalismus. Eingangsbereich im BMW-Hauptsitz in München. Quelle: Wikipedia/ Guido Radig

Wie schon? Revolutionär. Maßgeblich zwischen 18. und 20. Jahrhundert bekam die Welt ihr heutiges Gesicht

Dieter Görner

„Zwischen dem Ende des 18. Jahrhunderts und dem Zweiten Weltkrieg21 setzten besonders in Europa Entwicklungen ein, deren weitreichende Auswirkungen auf politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Gebiet Gesellschaften rund um den Globus bis heute nachhaltig prägen.“1 Wie das denn?

Eine Revolution auf französisch eröffnet eine neue Epoche in Europa für die ganze Welt

„Die Französische Revolution22 von 1789 stellt über Europa hinaus einen weltgeschichtlichen Einschnitt dar und bildet daher den Beginn der Neuzeit.“1 Und das bedeutete weltweit? „Ausgehend vom westlichen Europa, veränderte der Übergang von der agrarischen zur industriellen Produktion die ökonomische Grundlage der Menschen.“1

Diese tiefgreifenden Umbrüche markierten „den Wechsel zweier Zeitalter“ und es begann einer radikal neue Epoche der Wirtschaft, der Welterschließung, ja des menschlichen Daseins.“2 Selbst der Wiener Kongress23, der 1815 das Machtgefüge Europas im Sinne des Adels restaurativ neu ordnete und dabei Sachsen teilte, konnte die kapitalistische Entwicklung ebenso wenig aufhalten wie zuvor die katholische Weltkirche die Reformation24.

Königreich Sachsen wird Industrieland und Geburtsland der industriellen Revolution in Deutschland

In diesem Wechsel zweier Zeitalter wurde das Königreich Sachsen für „Jahrzehnte der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts völlig zutreffend als das größte Industriegebiet Deutschlands bezeichnet.“3 Folglich wurde Sachsen mit der Inbetriebnahme der ersten Maschinenspinnerei im Jahr 1800 in Harthau bei Chemnitz zum Geburtsland der industriellen Revolution25 in Deutschland und hatte 1830 bereits die erste Phase dieser Entwicklung beendet.3

„Im Lauf des 19. Jahrhunderts begann sich zudem die Industriearbeiterschaft14 zu organisieren – ein Meilenstein dieser Bewegung war die Veröffentlichung des »Kommunistischen Manifestes« von Karl Marx8 (und Friedrich Engels26 d. R.) im Jahr 1848. Sozialistische Arbeiterparteien entwickelten sich nun zur politischen Triebkraft gesellschaftlicher Veränderungen.“1 Und mit welchem Ziel?

Erst Geburtshelfer und dann Totengräber des Kapitalismus?

„Die historische Aufgabe der organisierten, sich ihrer selbst bewussten Arbeiterklasse bestand für Marx darin, die aus ökonomischer Notwendigkeit zyklisch wiederkehrenden wirtschaftlichen und politischen Krisen dazu zu nutzen, im revolutionären Klassenkampf27 die Strukturen der bürgerlichen Gesellschaft zu überwinden.“4 Und die theoretischen Grundlagen dafür? Wer arbeitete die aus?

„Der ideologische Unterbau kam von Karl Marx und Friedrich Engels und deren marxistische Theorie. Mit ihrer geschichtsphilosophischen, volkswirtschaftlichen und soziologischen Lehren entwickelten sie den dialektischen und historischen Materialismus28. Dabei war die Frage, wie eine gesellschaftliche Umgestaltung zu bewerkstelligen ist.“5

 

Was ist das überhaupt: Kapitalismus?

Lean Joseph Louis Blanc. Der französische utopische Sozialist gebraucht vermutlich als erster den Begriff: »Kapitalismus« Quelle: Wikipedia/ Bibliothèque nationale de France

Ein Wirtschaftsmodell? Eine Geschichtsepoche? Ein Theorem des Marxismus?

Auf jedem Fall ist es ein „vielschichtiger Begriff, dem je nach ideologisch-politischer oder wissenschaftstheoretischer Position unterschiedliche inhaltliche Kategorien (z. B. Wirtschaftsmodell oder historische Wirtschaftsform) zugrunde liegen und der sich deshalb einer exakten begrifflichen Schärfe entzieht.“6 Ach ja?

Wie entstand überhaupt dieser Begriff? Der Begriff Kapitalismus6– zuerst wohl 1850 benutzt von dem französischen utopischen Sozialisten Jean Joseph Louis Blanc7 (* 1811 bis †1882), dann 1854 von K. Rodertus – wurde entscheidend geprägt von Karl Marx8 (*1818 bis †1883).

Gleichermaßen Kampf- und Ideologiebegriff

„In seinem Sinne entwickelte sich die Bezeichnung Kapitalismus zu einem Kampfbegriff der Arbeiterbewegung und des Sozialismus. Darüber hinaus wurde das Wort zu einem zentralen Ideologiebegriff des Marxismus.“6

„Zu Beginn des 20. Jahrhunderts analysierten Werner Sombart9 (*1863 bis †1941), Joseph Alois Schumpeter10 (*1883 bis †1950) und Max Weber11 (*1864 bis †1920) als Sozialwissenschaftler den Kapitalismus.“6

Kapitalismus als Modell

„Kapitalismus ist das Modell einer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, in der die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Beziehungen der Menschen sowie der Organisationen und Institutionen wesentlich von den Interessen derer bestimmt werden, die über das Kapital verfügen.“6

Folgende Merkmale bestimmen den Kapitalismus:
1. Das Privateigentum an Produktionsmitteln
2. Die Maximierung des Gewinns
3. Die Produktion für den Markt (Marktwirtschaft)
4. Koordinierung von Verbrauch und Produktion durch die Preisbildung
5. Der Markt bestimmt, was im Unternehmen geschieht
6. Der Staat schafft mit seiner Rechtsordnung die ordnungspolitischen
    Rahmenbedingungen für die Wirtschaft.6

Kapitalismus als Geschichtsepoche

„Entwicklungstheoretisch gesehen, beruht der Kapitalismus auf der langsamen Ablösung der gebundenen Wirtschaft des Mittelalters durch die freie Marktwirtschaft in der Neuzeit, auf der Zerstörung der traditionellen Einbindung der Arbeitskraft in feudale Formen der Agrarproduktion und des zünftigen Handwerks; die Arbeitskraft wurde im Rahmen eines entstehenden Arbeitsmarktes als »freie Lohnarbeit« kapitalistischem Einsatz unterworfen.“6   

Werner Sombart9 unterscheidet (1928) drei Phasen des Kapitalismus: den Früh-Kapitalismus, den Hoch-Kapitalismus und den Spät-Kapitalismus. Der Früh-Kapitalismus trat – getragen von den Fernhandelshäusern – als Handels-Kapitalismus in Erscheinung. Im Mittelpunkt des Hoch-Kapitalismus stand der Merkantilismus (17. und 18. Jahrhundert). Nach der industriellen Revolution (18. Jh. England, 19. Jh. Europa, Nordamerika) zeigte er sich in Form des Industrie-Kapitalismus.

„Gegen Endes des 19. Jh. vollzog sich der Übergang zum Spät-Kapitalismus, der vor allem durch eine wachsende Konzentration von Produktion, Umsatz und Beschäftigten bei immer weniger Großunternehmen (Kartelle29, Trusts30, Konzerne31)gekennzeichnet ist (Monopol-Kapitalismus32 ), vorherrschende Unternehmensform wurde die Kapitalgesellschaft.“6

Kapitalismus als Theorem des Marxismus

„In der von ihm entwickelten Lehre des »historischen Materialismus« analysiert Karl Marx8 den Kapitalismus als ein »System profitorientierten Privateigentums«. Für ihn ist der Kapitalismus die »historisch letzte Ausbeutergesellschaft«12, in der sich die →Bourgeoisie13 als ausbeutende und das →Proletariat14 als ausgebeutete →Klasse15 in einem »antagonistischen« (d. h. unversöhnlichen) Widerspruch gegenüberstehen. Die Bourgeoisie, im alleinigen Besitz der Produktionsmittel, eignet sich den →Mehrwert16 der gesellschaftlichen Produktion zum Nachteil der Arbeiterklasse an; der Grundwiderspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der privaten Aneignung ihres Mehrwertes löst gesellschaftliche Spannungen aus, die sich im Klassenkampf entladen und im Zuge einer Revolution des Proletariats und der Vergesellschaftung des Eigentums an Produktionsmitteln zur Aufhebung des Kapitalismus und zum Aufbau eine sozialistischen Gesellschaft führen.“6

Und der Kapitalismus in der heutigen Entwicklung?

„Die Wirtschafts- und Gesellschaftsordnungen in den Industriestaaten Nordamerikas und des westlichen Europas knüpfen an die Elemente des Kapitalismus an, bemühen sich jedoch, die Funktionsprobleme des Kapitalismus und ihre negativen Auswirkungen zu beheben, ohne die Vorteile des kapitalistischen Modells (z. B. mit Massenwohlstand verbundenes wirtschaftliches Wachstum33) grundsätzlich in Frage zu stellen. (»sozial gebändigter Kapitalismus →soziale Marktwirtschaft34). Eine staatliche Sozialpolitik (z. B. soziale Sicherungssysteme) sowie Konzepte zur Überwindung des Gegensatzes von Kapital und Arbeit (z. B. Tarifautonomie, Mitbestimmung, Sozialpflichtigkeit des Eigentums), zur Bekämpfung von Konjunkturschwankungen mit Arbeitslosigkeit und Inflation (Stabilitätspolitik) und zur Überwindung ungerechter Einkommens- und Vermögensbeteiligung (Steuerpolitik, Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand) förderten den Prozess einer weitgehenden Integration der Lohnabhängigen in den von der Marktwirtschaft bestimmten Gesellschaften der entwickelten Industriestaaten der westlichen Welt.“6

Wow! Klingt verdammt versöhnlich

All das kann dennoch keineswegs darüber hinwegtäuschen, dass der unversöhnliche Grundwiderspruch in dieser Gesellschaft („dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der privaten Aneignung ihres Mehrwertes“6) unangetastet bleibt. Daraus entwickelt sich ein unübersehbares Niedergangs-Syndrom des Spätkapitalismus in Deutschland: die Ungleichheit der „Einkommens- und Vermögensbeteiligung“.6. „In einem dramatischen Konzentrationsprozess hat mithin das oberste Zehntel sage und schreibe zwei Drittel des Privatvermögens an sich gezogen.“17 »Soziale« Marktwirtschaft? „Und verdient es ein Chef wirklich, 125-mal mehr zu verdienen als ein Lokführer.“?18 Kurzum: „Die Bundesrepublik – Heimat der Reichen und zugleich Heim der Habenichtse. Das gehört mittlerweile zur deutschen Realität.“19 Wohin aber führt diese Entwicklung zwangsläufig? Denn: gesellschaftlicher Stillstand? Wunschdenken! Der Kapitalismus selbst hat – wie man seit 1928 weiß – drei Entwicklungsphasen durchlaufen. Nun nähert er sich dem Ende der Spätphase. Und was erleben wir bei der jetzt folgenden geschichtlichen Entwicklungsetappe?

Im Weltkulturerbe heißt es dazu: „Mit der Entwicklung der großen Industrie wird also unter den Füßen der Bourgeoisie die Grundlage selbst hinweggezogen, worauf sie produziert und die Produkte sich aneignet. Sie produziert vor allem ihren eigenen Totengräber. Ihr Untergang und der Sieg des Proletariats sind gleich unvermeidlich.“20

Alles nur ideologische Spinnerei von vorgestern?

„Zudem kann man sagen, dass sich in der Krise seit 2007 eine basale marxistische These behauptet hat: dass nämlich das Finanzkapital die modernste Form des Kapitals darstellt, dass es selbst Modernisierungen diktiert und schließlich zu einer Sozialisierung oder Verstaatlichung tendiert. Das war gleichsam »revolutionäre« Situation. Und nur mit großen volkswirtschaftlichen Kosten konnte das Ganze dann reprivatisiert werden.“41

Folgt die Bourgeoisie in absehbarer Zeit etwa Adel35, Weimarer Republik36, Dritten Reich37 und DDR38? Wie wurde 1848 das heutige Zeitalter von Globalisierung39 und digitaler Revolution40 prognostiziert?

 

„Die Bourgeoisie? Höchst revolutionär?

Ihr verdanken wir den heutigen Entwicklungsstand der Zivilisation – samt Schattenseiten. Aber wo gibt es schon Entwicklung ohne Widersprüche?

„Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört….20  

„Die Bourgeoisie hat alle bisher ehrwürdigen und mit frommer Scheu betrachteten Tätigkeiten ihres Heiligenscheins entkleidet. Sie hat den Arzt, den Juristen, den Pfaffen, den Poeten, den Mann der Wissenschaften in ihre bezahlten Lohnarbeiter verwandelt.

Die Bourgeoisie hat dem Familienverhältnis seinen rührend-sentimentalen Schleier abgerissen und es auf ein reines Geldverhältnis zurückgeführt.“20

Ganz andere Wunderwerke vollbracht als ägyptische Pyramiden

„Erst sie hat bewiesen, was die Tätigkeit der Menschen zustande bringen kann. Sie hat ganz andere Wunderwerke vollbracht als ägyptische Pyramiden, römische Wasserleitungen und gotische Kathedralen, sie hat ganz andere Züge ausgeführt als Völkerwanderungen und Kreuzzüge.

Die Bourgeoisie kann nicht existieren, ohne die Produktionsinstrumente, also die Produktionsverhältnisse, also sämtliche gesellschaftlichen Verhältnisse fortwährend zu revolutionieren. Unveränderte Beibehaltung der alten Produktionsweise war dagegen die erste Existenzbedingung aller früheren industriellen Klassen.“20

Die ganze Welt kapitalisiert und zivilisiert

„Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel. Überall muss sie sich einnisten, überall anbauen, überall Verbindungen herstellen.

Die Bourgeoisie hat durch ihre Exploitation des Weltmarktes die Produktion und Konsumtion aller Länder kosmopolitisch gestaltet. Sie hat zum großen Bedauern der Reaktionäre den nationalen Boden der Industrie unter den Füßen weggezogen. Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet worden und werden noch täglich vernichtet. Sie werden verdrängt durch neue Industrien, deren Einführung eine Lebensfrage für alle zivilisierten Nationen wird, durch Industrien, die nicht mehr einheimische Rohstoffe, sondern den entlegensten Zonen angehörige Rohstoffe verarbeiten und deren Fabrikate nicht nur im Lande selbst, sondern in allen Weltteilen zugleich verbraucht werden.

Weltliteratur und digitale Vernetzung geschaffen

 An die Stelle der alten, durch Landeserzeugnisse befriedigten Bedürfnisse treten neue, welche die Produkte der entferntesten Länder und Klimate zu ihrer Befriedigung erheischen. An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander. Und wie in der materiellen, so auch in der geistigen Produktion. Die geistigen Erzeugnisse der einzelnen werden Gemeingut. Die nationale Einseitigkeit und Beschränktheit wird mehr und mehr unmöglich, und aus den vielen nationalen und lokalen Literaturen bildet sich eine Weltliteratur.

Keine Nation kann sich dem Kapitalismus verschließen

Die Bourgeoisie reißt durch die rasche Verbesserung aller Produktionsinstrumente, durch die unendlich erleichterte Kommunikation alle, auch die barbarischsten Nationen in die Zivilisation. Die wohlfeinen Preise ihrer Waren sind die schwere Artillerie, mit der sie alle chinesischen Mauern in den Grund schießt, mit der sie den hartnäckigen Fremdenhass  der Barbaren zur Kapitulation zwingt. Sie zwingt alle Nationen, die Produktionsweise der Bourgeoisie sich anzueignen, wenn sie nicht zugrunde gehen wollen; sie zwingt sie, die sogenannte Zivilisation bei sich selbst einzuführen, d. h. Bourgeoisie zu werden. Mit einem Wort, sie schafft sich eine Welt nach ihrem eigenen Bilde.“20  

Keines der Jahrhunderte zuvor ahnte diese Titanen Kräfte

„Die Bourgeoisie hat […] massenhaftere und kolossalere Produktionskräfte geschaffen als alle vergangenen Generationen zusammen. […] – welches frühere Jahrhundert ahnte, dass solche Produktionskräfte im Schoß der gesellschaftlichen Arbeit schlummerten.“20

„Die bürgerlichen Produktions- und Verkehrsverhältnisse, die bürgerlichen Eigentumsverhältnisse, die moderne bürgerliche Gesellschaft, die so gewaltige Produktions- und Verkehrsmittel hervorgezaubert hat, gleicht dem Hexenmeister, der die unterirdischen Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag, die er heraufbeschwor.

Verhängnisvolle Krisen gehen dem Kapitalismus an die Gurgel

Seit Dezennien ist die Geschichte der Industrie und des Handels nur die Geschichte der Empörung  der modernen Produktivkräfte gegen die modernen Produktionsverhältnisse, gegen die Eigentumsverhältnisse, welche die Lebensbedingungen der Bourgeoisie und ihrer Herrschaft sind.

Es genügt, die Handelskrisen zu nennen, welche in ihrer periodischen Wiederkehr immer drohender die Existenz der ganzen bürgerlichen Gesellschaft in Frage stellen. In den Handelskrisen wird ein großer Teil nicht nur der erzeugten Produkte, sondern der bereits geschaffenen Produktivkräfte regelmäßig vernichtet. In den Krisen bricht eine gesellschaftliche Epidemie aus, welche allen früheren Epochen als Widersinn erschienen wäre – die Epidemie der Überproduktion.

Chaos bricht über die Zivilisation herein

Die Gesellschaft findet sich plötzlich in einem Zustand momentaner Barbarei zurückversetzt; eine Hungersnot, ein allgemeiner Vernichtungskrieg scheinen alle Lebensmittel abgeschnitten zu haben; die Industrie, der Handel scheinen vernichtet, und warum? Weil sie zu viel Zivilisation, zu viel Lebensmittel, zu viel Industrie , zu viel Handel besitzt.

Die Produktivkräfte, die ihr zur Verfügung stehen, dienen nicht mehr zur Beförderung, der bürgerlichen Eigentumsverhältnisse; im Gegenteil, sie sind zu gewaltig für diese Verhältnisse geworden, sie werden von ihnen gehemmt; und sobald sie dies Hemmnis überwinden, bringen sie die ganze bürgerliche Gesellschaft in Unordnung, gefährden sie die Existenz des bürgerlichen Eigentums. Die bürgerlichen Verhältnisse Sind zu eng geworden, um den von ihnen erzeugten Reichtum zu fassen.

Jede Krisenvorsorge schafft neue Krisen

Wodurch überwindet die Bourgeoisie die Krisen? Einerseits durch die erzwungene Vernichtung einer Masse von Produktivkräften; andererseits durch die Eroberung neuer Märkte und die gründlichere Ausbeutung alter Märkte. Wodurch also? Dadurch, dass sie allseitigere und gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert.

Die Waffen, womit die Bourgeoisie den Feudalismus zu Boden geschlagen hat, richten sich jetzt gegen die Bourgeoisie selbst.

Aber die Bourgeoisie hat nicht nur die Waffen geschmiedet, die ihr den Tod bringen; sie hat auch die Männer gezeugt, die diese Waffen führen werden – die modernen Arbeiter, die Proletarier.“20

 

Manifest der Kommunistischen Partei

Politlexikon

Quellen

1 Elmar Geus: Zeit der Revolutionen und des Nationalismus, in: Brockhaus Meilensteine, multimediale Geschichtsenzyklopädie in 10 Themenbänden, Gütersloh 2011, Band: Völker , Staaten und Kulturen, Seite 258, 259

2 Hellmut Diewald: Von Immanuel Kant bis zum Burenkrieg: Epoche der Philosophie, Erfindungen und Revolution, in: Die großen Ereignisse – Fünf Jahrtausende Weltgeschichte in Darstellungen und Dokumenten, Geschichtsenzyklopädie in 6 Bänden, Coron Verlag, Lachen am Zürichsee 1995, Band 5, Seite 6

3 Reiner Groß: Kurstaat und Königreich an der Schwelle zum Kapitalismus, (1789-1830), in: Geschichte Sachsens, Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1989, Seite 298, 300, 301

4 Christian Nekvedavicius: Karl Marx – Vordenker des Sozialismus, in: Brockhaus Meilensteine, multimediale Geschichtsenzyklopädie in 10 Themenbänden, Gütersloh 2011, Band: Menschen und Ideen, Seite 238

5 Birgit Krapf: Politisches Denken im 19. Jahrhundert, in: Brockhaus Meilensteine, multimediale Geschichtsenzyklopädie in 10 Themenbänden, Gütersloh 2011, Band: Menschen und Ideen, Seite 250  

6 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1990, Band 11, Seite 438, 439

7 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1987, Band 3, Seite 382

8 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1991, Band 14, Seite 260

9 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1993, Band 20, Seite 445

10 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1992, Band 19, Seite 566

11 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1994, Band 23, Seite 659

12 Karl Marx: Zur Kritik der Politischen Ökonomie, in: Karl Marx, Friedrich Engels, Werke, 43 Bände (in 45 Büchern), Dietz Verlag, Berlin 1961, Band 13, Seite 9 „Mit dieser Gesellschaftsformation schließt daher die Vorgeschichte der menschlichen Gesellschaft ab.“

13 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1987, Band 3, Seite 583

14 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1992, Band 17, Seite 532

15 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1991, Band 14, Seite 411

16 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1990, Band 12, Seite 48

17 Hans-Ulrich Wehner: Wachsende Ungleichheit, in: DIE ZEIT N0 7, 7. Februar 2013, Seite 47

18 Christian Tenbrock: Geld gleich Glück? in: DIE ZEIT N0 15, 7. April 2011, Seite 34

19 Kolja Rudzio: Gerecht war gestern, in: DIE ZEIT N0 34, 18. August 2011, Seite 19

20 Karl Marx, Friedrich Engels. Manifest der Kommunistischen Partei, in:Werke, 43 Bände, (in 45 Büchern)  Dietz Verlag, Berlin 1964, Band 4, Seite 474, 464ff

21 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1994, Band 24, Seite 33

22 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1988, Band 7, Seite 585

23 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1994, Band 20, Seite 175

24 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1992, Band 18, Seite 178

25 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1989, Band 10, Seite 428

26 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1988, Band 6, Seite 383

27 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1990, Band 12, Seite 50

28 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1991, Band 11, Seite 303

29 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1990, Band 14, Seite 496

30 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1993, Band 22, Seite 416

31 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1990, Band 12, Seite 326

32 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1991, Band 15, Seite 64

33 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1994, Band 23, Seite 485

34 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1991, Band 14, Seite 225

35 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1986, Band 1, Seite 130

36 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1994, Band 23, Seite 710

37 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1988, Band 5, Seite 341

38 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1988, Band 5, Seite 302

39 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1989, Band 8, Seite 597

40 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1988, Band 5, Seite 502

41 Was wir jetzt lernen müssen, Kulturwissenschaftler Joseph Vogel im Gespräch mit Ijoma Mangold über sein gefeiertes Buch »Das Gespenst des Kapitals«, in: DIE ZEIT N0 33, 11. August 2011, Seite 37