Wie kommunizieren wir 2023?

Wie agiert die Bürgerschaft der Konrad-Zuse-Stadt Hoyerswerda im Zeitalter der weltweiten Digitalisierung für das eigene zukunftsorientierte Wohlergehen. Erfinderisch? Spießbürgerlich? InfoDesign: Dieter Görner

Die Zukunft ihrer Stadt müssen die Hoyerswerdaer selbst erfinden

Hat Konrad Zuse mit seinen Erfindungen auch uns Bürger dazu verdonnert, Undenkbares denkbar zu machen? Inwiefern könnte die Antwort für einen Bäcker- oder Fleischermeister – wie übrigens für jedes Unternehmen – überlebenswichtig werden? Wie stellt sich das neue Konrad-Zuse-Museum in Hoyerswerda konzeptionell auf die Digitalität von Morgen ein? Wie sichern die Kinderuniversität Lausitz sowie das Naturwissenschaftlich-Technische - Kinder- und Jugendzentrum (Natz) in Hoyerswerda schon heute den Nachwuchs für eine städtische Allianz »Zukunft erfinden«?

Eigenartige Fragen? Wieso? „Die rasante Entwicklung in der Technik hat im Bereich der mobilen Kommunikation vieles möglich gemacht, was vor kurzem unvorstellbar schien.“1 Und diese Entwicklung rastet nicht. Sie macht Undenkbares denkbar. Deshalb: Bestimmt unser Telefonat von morgen allein Cyberspace, also telefonieren wir mittels „ergonomische Handbewegungen“  und sogar allein mit „Blickrichtung und Mimik“?2 Telefonieren wir, indem wir mit den Fingern Sätze in die Luft schreiben, die unser Gesprächspartner auf dem Bildschirm seines iPhone empfängt? Oder nutzen wir für eine E-Mail den Handteller als Schreibfläche?

Cyberspace im Alltag

„Was wie eine Science-Fiction-Filmszene wirkt, ist im Potsdamer Hasso –Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik längst Alltag. IT-Forscher haben dort ein System entwickelt, mit dem sich Smartphones und Tablet-PCs auch dann bedienen lassen, wenn sie nicht in der Hand des Benutzers liegen, sondern in seiner Hosentasche, im Nachbarzimmer oder eben in einer Ecke des Plattner-Labors.“3

Problemlösungsfähigkeit kultivieren

Wir leben in einem Zeitalter rasanten Wandels. Aber in Deutschland gibt es „17,5 Prozent der Erwachsenen, die nur auf dem Niveau Zehnjähriger lesen und Texte verstehen können.“4 Doch das 21. Jahrhundert stellt uns vor größte Herausforderungen. Aber „eigenständiges Problemlösen in mehreren Schritten beherrschen in Deutschland nur 36 Prozent.“4 Bieten sich hier für das Image der Konrad-Zuse-Stadt Hoyerswerda etwa keine Chancen? Würde erfinderisches Bürgerengagement einer ganzen Stadt möglicherweise sogar mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erzeugen und auch mehr städtischen Nutzen bringen als noch so viele wohlmeinende PR-Aktivitäen zu Brigitte Reimann?

Einen Zahn zulegen

Allein in Berlin erreichte 2013 „die Wertschöpfung der gesamten Internetwirtschaft“ immerhin „4,2 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung.“ Sie lag damit „fast gleichauf mit dem Tourismus.“ Hintergrund: „Alle 20 Stunden wird hier ein Internetunternehmen gegründet. Im gesamten Hightech-Bereich kommt die Metropole auf annähernd 2 000 IT-Start-ups pro Jahr.“3 Und die Konrad-Zuse-Stadt Hoyerswerda mit Lautech, Konrad-Zuse-Museum, Naturwissenschaftlich-Technisches Kinder- und Jugendzentrum sowie Kinderuniversität Lausitz? Auf welche Weise will Hoyerswerda mit Unterstützung dieser und anderer Institutionen „ – wie Volkshochschule oder Lausitzhalle – entsprechend den hiesigen Möglichkeiten mit diesem Entwicklungstempo Schritt halten?

 Am 19. Februar 2015 wurde in Berlin das Wissenschaftsjahr 2015 eröffnet. Unter dem Motto »Zukunftsstadt« geht es um die ökologischen und sozialen Herausforderungen großer Städte. Könnte das nicht Anregung sein, sich mit einer ähnlichen Initiative der Zukunft von Hoyerswerda im Sinne von Konrad Zuse zu widmen8? Wie erfindet Hoyerswerda seine Zukunft? Wie wird Undenkbares denkbar gemacht? Wären als Initiatoren einer derartigen Initiative Lautech und die Seniorenakademie etwa nicht prädestiniert?

Eine Allianz städtischer Ressourcen

Es gibt nur einen Weg, um als Stadt innovativ im Geiste von Konrad Zuse zu handeln: Flagge zeigen für das städtische Leitbild-Motto: »Wir lieben Ideen“. Dazu werden alle städtischen Ressourcen nachhaltig in einer Allianz »Zukunft erfinden. Undenkbares denkbar machen« gebündelt. Grundprinzip der Arbeit: Jährlich rechnet jede Institution (einschließlich Vereine, die Sponsorengelder kassieren) abrechenbare Innovationen ab. Auf dem richtigen Weg ist bereits das Natz, das 2013 die mittlerweile „53. Mathematikolympiade«5 veranstaltete. Und das unter weitverbreiteten mathematikfeindlichen Bedingungen, wo Experten einer Mehrheit deutscher Autofahrer bescheinigen: „Die Deutschen sind nicht in der Lage vorauszusagen, wie sich ihre Fahrzeit bei einer Änderung der Geschwindigkeit ändert.“6

Ergebnisse messbar machen

Die Konrad-Zuse-Stadt Hoyerswerda könnte beispielsweise in der Lausitzhalle fortan »Erfinderbörsen« veranstalten, wo jährlich die erzielten Innovationen öffentlich abgerechnet werden. Daran beteiligen sich ebenso Unternehmen, aber auch Bäckereien wie Fleischermeister, mit Kreationen innovativer Produkte oder Dienstleistungen. Und die Volkshochschule fördert den städtischen Aufbruch mit Kursen für Kreativitätstechniken und lebenslanges Lernen

Und weshalb Ergebnismessung? „Es gibt kein System und keine Reform, die wir kennen, die ohne eine Ergebnismessung funktionieren würde“, konstatiert der amerikanische Bildungsökonom Eric Hanushek. „Ein System wird nicht besser, wenn man nicht weiß, was am Ende rauskommt.“7          

Quellen

1 Felix R. Paturi: Mobile Kommunikation – fast alles ist möglich, in: Brockhaus, Meilensteine, Geschichtsenzyklopädie in 10 Themenbänden, Gütersloh 2011, Band: »Große Erfindungen«, Seite 344

2 Felix R. Penturi: Computerisierung des Alltags schreitet unaufhörlich voran, in: Das 20. Jahrhundert in Wort, Bild, Film und Ton, 22 Bände, Coron Exklusiv, Stuttgart 2001, Band: Die 90er Jahre, Seite 220

3 Mit Siebenmeilenstiefeln in eine neue Gründerzeit, in: DIE ZEIT: Wie wird geforscht in Berlin und Brandenburg, ein Spezial des Zeitverlages, 14. August 2013

4 Karl-Heinz Reith: Lesen wie ein Zehnjähriger, Resümee über den Pisa-Test (PIAAC) der OECD für Erwachsene in 24 Industrienationen, in: Sächsische Zeitung, 9. Oktober 2013, Seite 5

5 Silke Richter: Die Enkel von Adam Ries und Carl Friedrich Gauß tüfteln an Matheaufgaben, in: Hoyerswerdaer Tageblatt, 9. Oktober 2013, Seite 15

6 Christoph Drösser: So rechnet Deutschland, in: DIE ZEIT N0 23,  29. Mai 2013, Seite

7 Peter Wagner: Rechnen macht reich, Gefährden miese Mathematiknoten unseren Wohlstand? Ein Gespräch mit dem amerikanischen Bildungsökonom Eric Hanushek und seinem deutschen Kollegen Ludger Wößmann, in: DIE ZEIT N0 40, 26.September 2013, Seite 87/88

8 Startschuss zum Wissenschaftsjahr 2015, in: Sächsische Zeitung, 20. Februar 2015, Seite 2