Der Premier und seine Könige

Königin Margarethe II. Quelle: Wikipedia/Johannes Jans

Möchte Stanislaw Tillich möglicherweise europäische Geschichte neu schreiben?

Politik schmückt sich gar zu gern mit der Aura der Allwissenheit. Doch dieser Nimbus der politischen Alleskönner bekommt ab und an auch Kratzer. Namentlich, wenn Geschichtskenntnis gefragt ist. Nicht ohne Grund dürfte Altbundeskanzler Helmut Schmidt bei gewählten Politikern der Ansicht sein: „Fleißig sind sie. Aber ihre Kenntnisse der Geschichte sind nicht ganz ausreichend.“ Als geschichtliche Kompetenz fordert Helmut Schmidt von jedem Abgeordneten: „Er sollte auch die Geschichte Deutschlands und seiner Nachbarländer studieren: Erster Weltkrieg, Weimar, Nazizeit, Zweiter Weltkrieg, Auschwitz, Europäische Union.“ Und da besonders die Geschichte der europäischen Währungsunion. Aber soll das wirklich ausreichend sein?

Anlass zu dieser Frage gab Premier Stanislaw Tillich beim Staatsbesuch Ihrer Majestät Königin Margarethe II. (Historie) von Dänemark Ende August 2009 in Dresden mit seiner Wertung, weshalb sich der dänische König Frederik IV. vor 300 Jahren mit August dem Starken traf. Die dänische Königin jedenfalls lächelte mitleidsvoll.    mehr

 

Schloss Bellevue (sinngemäß: Schöne Aussicht) im Berliner Ortsteil Tiergarten ist der erste Amtssitz des deutschen Bundespräsidenten. Quelle: Wikipedia/ Wladyslaw Sojka/www.sojka.photo.

Erster Amtssitz? Hat der Bundespräsident neben Schloss Bellevue etwa noch einen zweiten? Klar! Den Bonner Amts- und Wohnsitzsitz Villa Hammerschmidt. Wow! Aber wozu das denn? Tja, unsereins fragt sich das auch: Wozu diese fürstliche Hofhaltung in einer Republik? Angefangen hat das am 15. Dezember 1950. Damals bezog Bundespräsident Theodor Heuss das Anwesen. Seit 1994 gilt die Villa Hammerschmidt nach Schloss Bellevue als Zweitamts- und –wohnsitz.

Geniert der Herr Bundespräsident sich nicht, in einer Zeit zunehmender Sparzwänge regelrecht königlich zu residieren? Wieso? Die Bundeskanzlerin beansprucht ja auch mit Palais Schaumburg (benannt nach seinem zweiten Besitzer aus dem Fürstenhaus Schaumburg-Lippe ab 1890) ein schlossähnliches Gebäude in Bonn. Es diente von 1949 bis 1976 als erster Dienstsitz des Bundeskanzleramtes und damit des Bundeskanzlers. Begegnet uns hier eine Schlossmanie à la Wittelsbacher oder gar ein Versuch zur Imitation des dreifachen Hofstaates im Augusteischen Zeitalter? Spitzenpolitiker der Bundesrepublik Deutschland repräsentieren mit fürstlicher Hofhaltung. Ist das etwa nicht kurios?

Heimat neu erfahern!

Republikanisches

Bundeskanzleramt in Berlin. Quelle: Wikipedia/ Tischbeinahe

Kohl: Schwarz-Geld-König
Kriminelles Finanzgebaren im Parteiensystem
CDU kassierte 41,3 Millionen DM Geldbuße

Merkel: Lobbyistin in der EU
Regierungspolitik kann man durchaus kaufen
Familie Quandt bedankte sich tausendfach

Gauck: unappetitlicher Historien-Salat
Joachim Gauck verwechselt Hitlers Schreibtischtäter
Sein westdeutscher Amtsbruder stimmte für Ermächtigungsgesetz

Dalai Lama: fühlt sich als Marxist
Oberhaupt des tibetischen Lamaismus für Kommunismus?
Der Spätkapitalismus biete keine Perspektive

Bye, bye: Adel samt Privilegien
Gleichheit ist ein Grundsatz im Verfassungsrecht
Alle Adelsvorrechte wurden 1919 aufgehoben

Sächsisches

Das historische Gebäude der Sächsischen Staatskanzlei mit Krone. Quelle: Wikipedia/ Dr. Torsten Hennig

Titelmanie: Größenwahn der Nachkommen
Wettiner Träumereien vom Königsreich
Sachsen die nicht aus Sachsen stammen

Staatsbankett: Republikaner hoffieren Monarchie
Sächsische Staatsregierung ehrt offiziell Dynastie Wettin
Genau zum Zeitpunkt, wo Herrscherhaus Kunstschätze fordert

Regierungsberater: persönlicher Premier-Flüsterer
Er kassiert mehr als ein Landrat verdient
Erfolge suchte der Rechnungshof vergeblich

Tschüss: Laufpass für marode Landesbank Sachsen
Zocker riskierten das Dreifache des Landeshaushaltes
Kabinette und Verwaltungsrat pennten im Tiefschlaf

Ämterschacher: Premier imitiert Augustus Rex
Politischer Dialog nur gegen Bares
Wiederauferstehung der Kultur des Ablasshandels

Unverkäuflich: umstrittener Ministerpräident
Staatsamt mutierte zum Parteieigentum
Kanzlerin entsetzt: „Das geht nicht!“

Premier-Allüren: Nerv des Verfassungsstaates getroffen
Demokratieprinzipien über Bord geworfen
Seit wann imitieren Diener des Volkes Fürstengehabe?

Regierungschef: schwelgt in der Vorschule des Himmels
Preisfrage: wann wird der Freistaat Sachsen säkular?
Weder kirchenrechtlich noch verfassungsrechtlich korrekt gehandelt

Köstliches

Grüne Birne: bezauberte amerikanische Gaumen
Obstsorte, die selbst vor der Cuisine française bestand
»Fruit Trees of America« publizierte »Sugar of Hoyerswerda«

Riesenstollen: Gebäckdiskurs mit Päpsten
Dynastie erstritt von Päpsten deftiges Weihnachtsgebäck
Augustus Rex überraschte europäische Fürsten mit Riesenstollen

Königliche Pizza: mit sächsischen Wurzeln
Pizza »Margherita« ist eine neapolitanische Spezialität
Lukullische Gaumenfreuden entführen in das sächsische Königshaus