Fördert sächsische Wissenschaft das Welt-Chaos?

Der tarnkappenoptimierte und als Kernwaffenträger konzipierte strategische Bomber Northrop B-2 »Spirit« der US-Armee galt im Kalten Krieg als das teuerste Kampfflugzeug der Welt. Quelle: Wikipedia

Mischt Sachsen kräftig mit am weltweiten Spannungsstrudel?

Dabei dauern die Weltkriegsschrecken immer noch an

„Deutschland ist heute der drittgrößte Exporteur von Kriegswaffen auf der ganzen Welt nach den USA und Russland. Das halte ich für eine ganz schlimme Entwicklung. Denn das heißt eben, dass wir zu der Nichtfriedfertigkeit der ganzen Welt beitragen, und zwar in einem unerhörten Ausmaß“,1 erklärte Helmut Schmidt.

Eine Welt der Flucht und Vertreibung

„Die bewaffneten Konflikte in der Welt haben zu einem traurigen Rekord geführt. Bis Mitte 2014 verzeichnete das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR 56,7 Millionen Flüchtlinge sowie Vertriebene innerhalb der eigenen Landesgrenzen – eine seit dem Zweiten Weltkrieg2 nicht mehr erreichte Zahl“.3

Zum Vergleich: Die heutige Anzahl der Flüchtlinge entspricht etwa der fünffachen Weltbevölkerung der Altsteinzeit.4 „Die älteste und weitaus längste Epoche der Menschheitsgeschichte“.5

„Das Land, das weltweit die meisten Flüchtlinge beherbergte, war bis Ende Juni 2014 Pakistan (1,6 Millionen). Danach folgen der Libanon (1,1 Millionen), Iran (982 000), die Türkei (824 000) und Jordanien (737 000)“.6 Es erweist sich also bis in unsere Tage: „Der Krieg war früher ausgebildet als der Frieden“.7

Wachsendes Interesse des Militärs an Sachsen

Wieso? „Das Auftragsvolumen an Forschungseinrichtungen im Freistaat hat sich inzwischen mehr als vervierfacht“.8 Von 2009 bis 2013hatten mindestens vier Universitäten und wissenschaftliche Einrichtungen Forschungsprojekte in einem Umfang von über sechs Millionen Euro angenommen, deren Realisierungsfrist sich teilweise bis 2016 beläuft. Das größte militärische Forschungsprojekt verbuchte die Technische Universität Dresden, die unter anderem für das US-Militär molekulare Prozesse untersucht. „Zusammen mit dem Bundesamt für Ausrüstung und dem Wehrwissenschaftlichen Institut für Schutztechnologie wird auch zum Umgang mit giftigen Stoffen geforscht“.8 Hinzu kam „eine Langzeitstudie zu posttraumatischen Belastungsstörungen und anderen psychischen Störungen bei Soldaten mit und ohne Auslandseinsatz“.

„Die Universität Leipzig arbeitet an einer Studie zur Verschlüsselungstechnologie sowie an Varianten des besseren Lärm- und Feldlagerschutzes der Bundeswehr“28 Wie bei der Technischen Universität Dresden stehen auch anderswo wissenschaftliche Netzwerke hoch im Kurs. „An der Bergakademie Freiberg sowie dem Leibnitz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung in Dresden wird Materialforschung zu militärischen und sicherheitstechnischen Zwecken betrieben – in beiden Fällen gemeinsam mit dem Wehrwissenschaftlichen Institut für Werk-, Explosiv- und Betriebsstoffe Erding.“8

Hat das Massenschlachten noch kein Ende?

Man sollte meinen, die Hochschulen Sachsens kennen die Kriegsgeschichte des Freistaates. Zwar sind von Napoleons 60 Schlachten „den meisten fast nur die in Leipzig und Waterloo in Erinnerung“.9 Dabei blieb 1813 kein europäischer Staat vom Krieg verschont. In den 197 Tagen des Frühjahrs- und Herbstfeldzuges 1813 , vom 5. April bis 19. Oktober, – angefangen mit dem Gefecht bei Möckern bis zum Ender der Völkerschlacht bei Leipzig – erfolgten 14 militärische Auseinandersetzungen auf sächsischen Boden.10

„Fünf Millionen Menschen, schätzt die Historikerin Karen Hagemann, starben in den Kriegen der Jahre 1792 bis 1815, vom ersten Feldzug des revolutionären Frankreichs bis zur Niederlage Napoleons bei Waterloo“.11 gemessen an der Bevölkerung Europas entspreche dies den Verlusten des Ersten Weltkrieges (1914 – 1918).12 Erneut rüsten, wo noch immer die unterirdischen Schrecken des Zweiten Weltkrieges (1939 – 1945)13 andauern?

Quellen

1 Verstehen Sie das, Herr Schmidt? Gespräch mit Chefredakteur Giovanni de Lorenzo von der Wochenzeitung DIE ZEIT, in: Zeit-Magazin N0 52, 19. Dezember 2012, Seite 50

2 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1994, Band 24, Seite 33

3 Flüchtlingsstrom wächst, in: Sächsische Zeitung, 8. Januar 2015, Seite 1

4 Rose-Elisabeth Herden, Rainer Münz: Weltbevölkerung in früher Zeit, in: Brockhaus. Meilensteine, Geschichte, Kultur und Wissenschaft, multimediale Geschichtsenzyklopädie in 10 Themenbänden, Gütersloh 2011, Band 1: Völker, Staaten und Kulturen, Seite 40

5 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1986, Band 1, Seite 451

6 Über 56 Millionen auf der Flucht, in: Sächsische Zeitung, 8. Januar 2015, Seite 4

7 Karl Marx: Kriege der Urgesellschaft, in: Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, in: Karl Marx, Friedrich Engels, Werke, 43 Bände (in 45 Büchern), Dietz Verlag, Berlin 1983, Seite 29

8 Gunnar Saft: Mehr Militäraufträge für Sachsens Wissenschaftler, in: Sächsische Zeitung, 1. November 2013, Seite 1

9 Rainer Könen: Kleine Episode der Weltgeschichte, in: Hoyerswerdaer Tageblatt, 27./28. April 2013, Seite 7

10 Reiner Groß: Kurstaat und Königreich an der Schwelle zum Kapitalismus (1789 - 1830), in: Geschichte Sachsens, Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1989, Seite 313

11 Christian Staas: Ich will den Hass! In: DIE ZEIT N0 41, 2. Oktober 2013, Seite 18

12 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1994, Band 24, Seite 27

13 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1994, Band 24, Seite 33