Muskauer Heide

Größte künstlich geschaffene Wasserlandschaft Europas

„Bei der Muskauer Heide handelt es sich um eine zwischen der Schwarzen Elster bis zur Neiße sich erstreckende Talsandheide (Binnendünengebiet) mit reichen Braunkohlenvorkommen im Lausitzer Braunkohlenrevier. Die nördliche Begrenzung bildet der Lausitzer Grenzwall.“1 Hier „erheben sich die Höhen des Muskauer Faltenbogens wie der Drachenberg (163 m NN) und die Katzenberge (160 m NN), die bis 35 m über die Niederungen aufragen.“2

Bis zu 25 Meter hohe Binnendünen

Die hufeisenförmige Hügelkette bei Bad Muskau ( Mužakow) entstand, „als die Gletscher des zweiten großen Eisvorstoßes der Elster-Eiszeit den Untergrund stauchten, dabei selbst Braunkohlenflöze falteten und bis an die Erdoberfläche pressten. Da sich das Eis lange Zeit in der Gegend von Bad Muskau hielt, sammelten sich die Sand- und Kiesmassen an, die nach dem Abschmelzen des Eisesals Hügelreihen liegen blieben.“3 Winde formten in Trockenzeiten die feinen Sandablagerungen zu Dünenketten, die bei Nochten (Wochozy) und Rietschen (Rěčicy) bis zu 25 Meter hoch sind.

Eine der wärmsten Gegenden Sachsens

In der Talsandheide, die zu den wärmsten Gegenden des Freistaates Sachsens zählt, wechseln sich die Pecherne, die Mückaer sowie die Kühnichter Heide in einem der größten Waldgebiete Sachsens ab. Die vorherrschenden trockenen Kiefernwälder, die mit Heidel- und Preiselbeeren aufwarten, ziehen verständlicherweise auch Pilzsammler an. In der Abgeschiedenheit dieser Heidelandschaften entstand 1998 mit einem Wolfspaar der Ursprung der heutigen Wolfsregion.4

Landschaftsgartenkunst als Weltkulturerbe

Die Kulturlandschaft wurde ein weltbekannter Anziehungspunkt durch den Fürst Pückler Park Bad Muskau (Weltkulturerbe der UNESCO). Hermann Ludwig Heinrich Fürst von Pückler-Muskau5 (*1785 bis †1871) hatte den 830 Hektar großen Park, der 1815 gegründet wurde, nach rund 30-jähriger Bauzeit mit höchster Landschaftsgartenkunst zum schönsten Landschaftspark Europas gestaltet.

Findlingspark erinnert an die Eiszeiten

Unweit von diesem Weltkulturerbe erstreckt sich der Rhododendronpark Kromlau. Der 160 Hektar große Landschaftspark zeigt von Mai – Juni die Blütenpracht der Rhododendron- und Azuleenanlagen. „Zu den interessantesten Bauwerken im Park zählen das Kavaliershaus und die Rakotzbrücke.“6

Südwestlich von Weißwasser präsentiert auf einer etwa 20 Hektar großen Rekultivierungsfläche der Lausitzer Findlingspark Nochten (Historie),  was sich aus einer ehemals vom Bergbau genutzten Industrielandschaft an Naturschönheiten zaubern lässt.

Für eine weitere Abwechslung sorgt auch die Waldeisenbahn Bad Muskau, die durch den Kromlauer Park und die schöne Landschaft des Muskauer Faltenbogens nach Weißwasser führt.

Länderübergreifende schiffbare Seenkette

Die Muskauer Heide tangiert im Freistaat Sachsen 21 Bergbau-Folgeseen,7 von denen 10 länderübergreifend nach Brandenburg mit 13 schiffbaren Kanälen verbunden sind, die mit Schleusen 9 Meter Höhenunterschied überwinden8 und im Lausitzer Seenland (Historie) eine zusammenhängende Wasserfläche von 7 000 Hektar bilden.7

Die Lausitz erbte von rund 150 Jahren Braunkohlenbergbau 111 Tagebaurestlöcher , von denen sich 28 in Seen verwandeln, die zusammen „etwa so groß wie 25 000 Fußballfelder“9 sind. Durch Europas größter künstlich geschaffener Wasserlandschaft führt der 186 Kilometerlange Fernradweg Seenland-Route, der vom Algemeinen Deutschen Fahrradclub als Qualitätswanderweg mit drei Sternen ausgezeichnet wurde.

Quellen

1 Andreas Gerth: Reise in die Erdgeschichte, Teil 1, Geologischer Exursionsführer zu 304 ausgewählten Zielen, Oberlausitzer Verlag Frank Nürnberger, Spitzkunnersdorf 2012, Seite 49

2 Siegfried Schlegel, Dieter Hans Mai: Die Oberlausitz, Exkursionen, VEB Hermann Haack, Gothe / Leipzig 1980, Seite 89

3 Siegfried Schlegel: Die Oberlausitz – Ein liebenswertes Stück Deutschland, Lausitzer Druck- & Verlagshaus, Bautzen 2008, Seite 28

4 Frank Tausch: Der Wolf – geliebt gehasst, geschätzt, in: Sächsische Zeitung, 29. Oktober 2007, Seite 6

5 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1992, Band 17, Seite 610

6 Lausitzer Reisehandbuch, VEB Tourist Verlag Berlin/ Leipzig 1985, Seite 263

7 Ralf Krüger: Sachsen kauft 21 Seen, in: Sächsische Zeitung, 31. Mai 2007, Seite 19

8 Ralf Krüger: Der letzte Kanal wird erst 2012 fertig, in: Sächsische Zeitung 14. September 2007, Seite 6

9 Flüsse sind wichtiger als Flutung, in: Sächsische Zeitung, 5. Januar 2008, Seite 22

10 Neue Internetseite und Faltblatt informieren zur Seenlandroute, in: Hoyerswerdaer Tageblatt, 7. Februar 2013, Seite 15