Ostbesiedlung

Das Karasekhaus (Umgebindehaus) mit Sonnenuhr in Taubenheim, Gemeinde Sohland an der Spree. Quelle: Wikipedia/ Lutz Maertens.

Europäische Siedlungsgeschichte geschrieben: Oberlausitz

Sind wir kompetente Oberlausitzer? Kennen wir unsere Regionalgeschichte? Wie entstand Deutschland? • Wer sind die Vorväter der Deutschen? •Wieso war die Oberlausitz ein Nebenland der Böhmischen Krone? Wie kamen die Deutschen aus dem Heiligen Römischen Reich in das Land der Altsorben? • War die Oberlausitz im Mittelalter tatsächlich eine aufstrebende Region? • Haben Deutsche und Sorben gemeinsam europäische Siedlungsgeschichte geschrieben? • Wie kamen 406 Grundbesitzer zu ihren Rittergütern? • Sah die ursprüngliche Lausitz anders aus als heute? • Welche Rolle spielte die Kirche bei der Neubesiedlung der Oberlausitz? • Was bedeutet westslawische Bauernkultur? •

Fragen über Fragen. Wissen wir die Antorten?

Heimat neu erfahren!  Und weshalb kamen denn nun die deutschen Siedler in Scharen in unsere Region? Warum? Sie folgten als Neusiedler dem Ruf der damaligen Herrscher. Der bedeutendste Vertreter des westslawischen Adels, Graf Wiprecht von Groitzsch (um 1050-1124), der zeitweilig (1117) im Land Budissin (Bautzen) und der Niederlausitz als Markgraf residiert und 1123 Markgraf von Meißen wurde, ist der erste Herrscher, der 1097 Bauern, Handwerker und Kaufleute aus Sachsen, Franken, Thüringen, dem Rheinland und anderen Gebieten im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation als Siedler in die dünn besiedelte Lausitz rufen lässt.

Nach der blutigen Zeit der kriegerischen Landnahme im Altsorbenland leitet er in der Oberlausitz (Land der westslawischen Milzener) und in der Niederlausitz (Land der westslawischen Liutizen) eine neue Etappe der deutsch-sorbischen Zusammenarbeit ein. Sie führt zugleich zu einer historischen Wende der westslawischen Bauernkultur.

Sorbische Gemeinschaftsarbeit im Mittelalter

Fortan drangen Sorben und deutsche Siedler gemeinsam in die dichten Waldgebiete zwischen Bautzen und Cottbus vor und besiedelten das menschenleere Urwaldgebiet in harter und entbehrungsreicher Arbeit. Dieses gemeinsame Gestalten einer Kulturlandschaft war der Geburtshelfer für neue Dörfer um Hoyerswerda, Spremberg, Weißwasser und Senftenberg, aber auch nahe Kamenz.

Bei der Besiedelung der von den Westslawen äußert dünn besiedelte Ostgebiete des Deutschen Reiches mit deutschen Zuwanderern werden drei Etappen unterschieden:

Die Frühphase von 1100 bis 1140, in der der Raum zwischen Saale und Pleiße (Pleißenland) erfasst wird.

Die Hauptphase von 1140 bis 1200 im Territorium zwischen Saale/Pleiße und Elbe.

Die Spätphase von 1200 bis 1280 im Gebiet zwischen Elbe und Neiße (bzw. Oder). Nach Abklingen der Siedlungswelle Ende des 13. Jh. zählte man in Deutschland 170 000 Siedlungen. In diesem Zeithorizont riefen nach den Verwüstungen durch den Mongolensturm slawische Herrscher in Schlesien und Polen sowie in Böhmen und Mähren deutsche Siedler ins Land. Die Zeit der gemeinsamen Geschichte begann.

Ortsformen

Ansonsten aber blieb die Oberlausitz ein vorwiegend ländlich-bäuerlich geprägter Raum mit 1 200 Dörfern und nur wenigen Städten, die zumeist im Süden liegen. Im Spätmittelalter hatte die Ostbesiedlung gebietsweise folgende Ortsformen geschaffen: Im waldreichen Norden um Ruhland, Kamenz, Hoyerswerda und Bad Muskau so genannte Platz- oder Straßendörfer, um Königswartha und Rothenburg so genannte gassenartige Dörfer. Im Westen der Oberlausitz um Königsbrück, Pulsnitz, Bischofswerda, im Osten um Lauban sowie im Süden um Zittau so genannte Waldhufendörfer, während um Bautzen und Görlitz so genannte Weiler entstanden.

Brandrodung

Finnen bei typischer Brandrodung, der abgebrannte Boden wird später gepflügt und für den Ackerbau genutzt. Quelle: Wikipedia/Jonund

Wachsende Bevölkerung erforderte neue Siedlungsgebiete

Die seit 1100 andauernde Einwanderung deutscher Siedler in die Lausitz vergrößerte die Bevölkerung in einem Maße, dass ernsthafte Versorgungsprobleme entstanden. Namentlich nach der Spätphase der deutschen Ostbesiedelung, die sich von 1200 bis 1280 erstreckte und somit vom Hochmittelalter ins Spätmittelalter reichte. Das erforderte, selbst die neuen Siedlungsgebiete durch die Kultivierung neuer Böden zu erweitern. Somit vergrößerten sich nun die Dörfer neben den dörflichen Neugründungen durch erneute Rodungen. Häufig waren das Brandrodungen, eine seit Jahrtausenden verbreitete Form zur Gewinnung von Siedlungs- und Landwirtschaftsflächen, die zur europäischen Siedlungsgeschichte zählt.

Das betraf vor allem Heidelandschaft zwischen der Ober- und Niederlausitz. Auf diese Weise sind fast alle Orte um • Hoyerswerda Spremberg und • Weißwasser entstanden. Ihre Ortsnamen geben zugleich Auskunft über ihre Entstehung. Wörter im Stamm wie »pali« (brennen), »trjebi« (lichten, roden), »bar« (Rodung) und »ar« (Brandstätte) weisen auf die Entstehungsweise dieser Orte hin: »Spale«– Spohla, »Laz“ – Lohsa. Durch diese Siedlungspolitik wurde im 11. und 12. Jahrhundert aus zumeist isolierten Siedlungsgebieten ein weitgehend zusammenhängendes Territorium geschaffen. Das Spätmittelalter legte quasi den Grundstein für die heutige Infrastruktur.

Heimat neu erfahren!

Lausitz: ursprüngliche Größe
Sorbischer Gau Milsca war ständiges Expansionsziel
Bischof wegen brutaler Landnahme abgesetzt

Reichskirche: Stütze königlicher Macht
Zwangschristianisierung für Machtzuwachs
Sie dauerte 400 Jahre im Altsorbenland

Burgbezirk: kleinste Verwaltungseinheit
Slawenburgen wurden Herrensitze
Burgbezirke mutierten zu Grundherrschaften

Lakator: Siedlungsunternehmer
Handelte nach Magdeburger Recht
Erbgericht war ehemals Gerichtsbarkeit

Aufstrebend: Markgraftum Oberlausitz
Mittelalterliche Erfolgsbilanz der Siedlungspolitik
Der Landadel bevölkerte die Siedlungsregion