Unser Geschmack in der Sackgasse?

Schwalbenbäuchiges Wollschwein (Magalica Schwein). Quelle: Wikipedia/Nienetwiler

Wer weiß denn, was wir in zehn Jahren essen möchten? Aber haben wir dann überhaupt noch eine Wahl? Denn jeden Monat stirbt weltweit eine Haustierrasse aus. Was bedeutet das?

Würden Sie Ihren Hund sein Leben lang in eine Bucht sperren, ohne jeden Auslauf und ohne sich drehen zu können? Nie und nimmer würden Sie das Ihren Liebling antun. Aber warum kaufen Sie dann ein Pfund Hackfleisch für 1,89 Euro?

„Obwohl Schweine ähnlich intelligent wie Hunde sind, werden sie in Buchten gehalten, in denen sich die Sauen nicht drehen können.“1 Allerdings „wie ein Schwein lebt und stirbt, ist eine ökonomische Entscheidung, die an der Fleischtheke getroffen wird oder an der Kühltruhe der Discounter. Wer 1,89 Euro für ein Pfund Hackfleisch bezahlt, unterstützt den täglichen Horror in den Mastbetrieben und Schlachthäusern ziemlich direkt.“1  

In Deutschland ist das alles klar

„Die gegenwärtige Praxis in der Massentierhaltung hat eine klare Richtung: Immer mehr Fleisch mit immer weniger Fett muss in immer kürzerer Zeit produziert werden. Niemand weiß, was wir in fünf oder zehn Jahren essen wollen – doch vielleicht haben wir dann schon keine Wahl mehr. Denn wir begeben uns in eine Sackgasse. Wenn es sich für Tierhalter nicht mehr lohnt, bestimmte Rassen zu halten, sterben diese eben früher oder später aus.“1

Ein riskanter Weg

Wieso? „Der Verlust der genetischen Vielfalt ist eine schleichende Bedrohung.“ Denn: „Im Erbgut von Tieren und Pflanzen sind die verschiedenen Eigenschaften verschlüsselt, etwa die Fähigkeit, Trockenzeiten zu trotzen, resistent gegen Krankheiten zu  sein oder viel Ertrag zu liefern. Je weniger Tiere es von einer Art gibt, desto mehr Varianten gehen verloren. Sie verschwinden ohne Widerkehr.“1 Mehr noch. Dominiert nur noch eine einzige Tierart und es bricht eine Seuche aus, ist das Chaos perfekt.

„Seit der Industrialisierung arbeitet der Mensch beharrlich und mit Erfolg daran, die Vielfalt der Erde zu reduzieren – ohne zu wissen, was er in der Zukunft braucht. Es ist ein ziemlich riskanter Weg.“1

Beispiel Wollschwein

„In Deutschland gibt es rund 400 reinrassige Wollschweine, die sich für die Zucht eignen.“ Aber wen interessiert das schon? „Ein Schwein aus Intensivhaltung ist nach rund sechs Monaten schlachtreif, ein Wollschwein braucht drei- bis viermal so lange. Nur fünf oder sechs Ferkel bringen die Tiere auf die Welt, deutlich weniger als die neun bis zehn Nachkommen einer Zuchtsau. Das Fleisch der Tiere ist viel fetter als das ihrer Artgenossen, was im Massenverkauf ein Makel ist.“1

Effizienz statt Gesundheit

Nicht die Gesundheit der Tiere steht im Vordergrund, sondern allein die Effizienz. Übersehen wir dabei, dass die Massenproduktion uns offenbar mehr schwächt als wir ahnen? „In den vergangenen 50 Jahren hat sich die durchschnittliche Milchproduktion der Holsteinkühe verdoppelt. Mit fatalen Folgen: Die Fruchtbarkeit der Tiere ist seitdem stark gesunken.“2

Leitmotiv

Wenn wir schon in unserer Gier offensichtlich unfähig sind , eine nachhaltige Nutztierhaltung zu gewährleisten, sollten wir dann nicht wenigstens den Nachgeborenen eine arterhaltene Umgangskultur mit Wildtieren überliefern?

Quellen

1 Fritz Habekuss: Rettet das Wollschwein! in: DIE ZEIT N0 29, 10. Juli 2014, Seite 31

2 Alina Schadwinkel: Rettung auf Eis, in: DIE ZEIT N0 31, 29- Juli 2010, Seite 31