Weltrekord im Tiermord

Franz Ferdinand, Erzherzog von Österreich, inszenierte sich hier als Kaiser von Österreich, Porträt von Wilhelm Vita. Quelle: Wikipedia

Franz Ferdinands pathologische Jagdleidenschaft tobte auf der Treibjagd Mordlust aus

Tiermörder? Ein angehender Kaiser? Ich bitte Sie: Wieso denn? Was ist daran so verwunderlich? Ludwig Winder1 (*1889 bis †1946) attestierte Franz Ferdinand2 (*1863 bis †1914), Erzherzog von Österreich, eine geradezu pathologische Jagdleidenschaft in seinem 1937 erschienen Roman »Der Thronfolger«. Der Roman wurde 2014 vom Paul Zsolnay Verlag wiederentdeckt.3 Der Habsburger Erzherzog führte Abschusslisten, die vollständig erhalten sind. Sie belegen den Abschuss von insgesamt 274 889 Stück Wild – Hirsche, Hasen, Tauben, Elefanten Kängurus.4 Diese Mordlust erinnert an den Ausrottungswahn der Hexenverfolgung. Ludwig Winder diagnostizierte dem Erzherzog: „Auf der Treibjagd tobte er seine Mordlust aus.“ 3

Der europäische Hochadel machte diese Art von Jagd zum Mittelpunkt der Hof- und Festkultur in Europa und setzte damit naturwidrige Maßstäbe für das Brauchtum, das in der sächsischen Hofkultur namentlich im »Augusteischen Zeitalter« auf die Spitze getrieben wurde.

Mit neun Jahren frönte der Erzherzog bereits seine Jagdleidenschaft

Später unterhielt der Erzherzog mehrere große Jagdreviere. Zudem soll er ein außergewöhnlich guter Schütze gewesen sein und sogar einen Wettbewerb gegen den Kunstschützen Buffalo Bill5 (*1846 bis†1917). Der Habsburger Thronfolger unternahm ausgedehnte Weltreisen mit spektakulären Safaris. Bei diesen Großwildjagden erlegte er zahlreiche vom Aussterben bedrohte Tier wie Tiger, Löwen und Elefanten.

»Feudale Massenschlächterei und »pathologische Schießwut«

Allein im Jahr 1911 erlegte der Erzherzog 18 799 Stück Wild. Das sind pro Monat 1 566 Tiere. Historiker werten das als „feudale Massenschlächterei“6, als „Massenmord“7 oder als „Pathologische Schießwut«. Andere sahen darin gesellschaftliche Untergangssyndrome im Spätkapitalismus, wie Paul Sethe, der Franz Ferdinand diagnostizierte, ein „Kind der Verfallserscheinungen seiner Zeit “ gewesen zu sein.8

Mordlust attackiert Lachmöwen

Stolz posiert der 30-jährige Erzherzog als »Sieger« vor seinem ersten in Kalawewa, Ceylon, erlegten Elefanten. Quelle: Wikipedia / Eduard Hudson junior

An einem Tag tötete der Erzherzog 2 763 Lachmöwen.

Tickte Franz Ferdinand noch richtig? Im Juni 1908 an einem Tag 2 763 Lachmöwen zu töten? Die Lachmöwe gilt zwar als häufigster Brutvogel im Wattenmeer und ist auch an der deutschen Nordseeküste vertreten. Doch durch direkte Verfolgung sowie auf Grund von Lebensraumverlusten an natürlichen Verlandungszonen und Fließgewässern kam es im Verlauf des 19. Jahrhunderts zu drastischen Bestandsrückgängen. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts nahmen die Bestände wieder zu.

Heute zählt die Lachmöwe zu den Arten, die von einem möglichen Klimawandel besonders betroffen sein könnten. Klimamodelle gehen davon aus, dass bis zum Ende des 21. Jahrhunderts das Verbreitungsgebiet der Lachmöwe erheblich schrumpfen wird.

Dem ersten Elefanten den Garaus gemacht

15 Jahre zuvor hatte sich der Habsburger Erzherzog Franz Ferdinand in Siegerpose vor seinem ersten erlegten Elefanten inszeniert. Den Fuß hatte er triumphierend auf das Bein seiner Trophäe gesetzt, als hätte er in einem Kampf den Sieg davon getragen. 

Damals unternahm er eine zweijährige Weltreise (1892/93) auf dem Torpedorammkreuzer SMS Kaiserin Elisabeth. Offiziell wurde den Untertanen die Reise als wissenschaftliche Expedition verkauft. Sie führte von Triest nach Indien, Indonesien, Australien, Japan, Kanada und Nordamerika. Dabei wurden 14 000 ethnologische Objekte gesammelt, die heute im Weltmuseum Wien zu besichtigen sind.

Politlexikon

Quintessenz der Gewaltbereitschaft

Gewaltbereitschaft – wo auch immer- fällt auf die Urheber zurück

Die vom Größenwahn befallene Jagdleidenschaft erwies sich als gesellschaftliche Zerfallserscheinung wie zuvor der Ausrottungswahn der Hexenverfolgung und im heutigen Spätkapitalismus die Massentierquälerei. Die lebensverachtende Gewaltbereitschaft der Dynastien im Kaiserreich – eskalierte sie nicht letztlich im Ersten Weltkrieg (1914 – 1918)? Drei Generationen hatten 92 Jahre lang in Deutschland bis zum 3. Oktober 2010 den Riesenberg Kriegsschulden abzuzahlen, den die Londoner Schuldenkonferenz9 (18.02.- 08.08.1952) mit dem Londoner Schuldenabkommen10 am 27.02.1953 auf 750 Millionen Mark pro Jahr bezifferte.

Resümee: „Seit der Mensch vor 2,5 Millionen Jahren dazu überging, Werkzeuge aus Stein zu schaffen, wandte er diese auch zum Töten an, zum Töten von Tieren bei der Jagd, zum Töten von anderen Menschen im Krieg.“11 Heute gehört die geschichtliche Erfahrung zum Weltkulturerbe: „In dem Maße, wie die Explantation des einen Individuums durch das andere aufgehoben wird, wird die Expolitation einer Nation durch die andere aufgehoben.

Mit dem Gegensatz der Klassen im inneren der Nation fällt die feindliche Stellung der Nationen gegeneinander.“12 Kurzum: An der von Jesu Christi gelebten Barmherzigkeit und Nächstenliebe führt in keinem Lebensbereich ein Weg vorbei. Insofern ist Papst Franziskus ein überzeugender Wegbereiter. 

Quellen

1 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1992, Band 17, Seite 442

2 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1988, Band 7, Seite 540

3 Weltrekord im Tiermord, in: Sächsische Zeitung, 22./23. Februar 2014, Seite M4

4 Friedrich Weissensteiner: Franz Ferdinand. Der Verhinderte Herrscher, Österreichischer Bundesverlag, Wien 1983, Seite 52ff

5 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1987, Band 4, Seite 109

6 Wolfram G. Theilemann: Adel im grünen Rock. Adliges Jägertum, Grißprivatwaldbesitz und die preußische Forstbeamtenschaft 1866 – 1914, Akademie Verlag, Berlin 2004, Seite 104

7 Emil Franzel: Franz Ferdinand d`Este. Leitbild einer konservativen Revolution, München 1964, Seite 60

8 Paul Sethe: das machte Geschichte. Panoramen aus einem Jahrhundert, Scheffler, Frankfurt am Main 1969, Seite 42

9 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1990, Band 13, Seite 522

10 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1990, Band 13, Seite 522

11 Otto Schertler: Kriege in der Weltgeschichte, Brockhaus Meilensteine, multimediale Geschichtsenzyklopädie in 10 Themenbänden, Gütersloh 2011, Band 3. Kriege und Konflikte, Seite 12

12 Karl Marx, Friedrich Engels: Das Manifest der Kommunistischen Partei, in: Werke, 43 Bände (in 45 Büchern) Dietz Verlag, Berlin 1964, Band 4, Seite 479