Mittelalterliches Städtewesen

Ansicht der Ortenburg aus der Vogelperspektive
Die Ostseite der Ortenburg in der Altstadt von Bautzen. Von hier aus regierte der Landvogt das Markgraftum Oberlausitz als Nebenland der Krone Böhmens. Quelle: Wikipedia, Julian Nitzsche

Inwiefern prägt das Hochmittelalter selbst heute noch unsere städtische Lebensqualität in der Oberlausitz?

Mit den Städtegründungen im Hochmittelalter wurde in unserer zweisprachigen Region der Grundstein für unsere heutige Infrastruktur gelegt. 23 Generationen hatten für deren Ausbau über 760 Jahre Zeit. Wir aber müssen innerhalb einer Generation (33 Jahre) Strukturanpassungen bewerkstelligen. Der Doppeltrend von massiver Schrumpfung und Alterung der hiesigen Bevölkerung lässt uns keine Zeit.

Bis 2030 verliert die Oberlausitz etwa 36 Prozent ihrer arbeitsfähigen Bevölkerung.16

Was bedeutet das für die künftige Entwicklung unserer Städte? Was ist unter den neuen Bedingungen eine lebenswerte Stadt? Können bei der Problemlösung selbst antike Erfahrungen von Nutzen sein, wie die Neuentdeckung antiker Medizin zeigt? Brauchen wir bei überwiegend greisen Stadtbewohnern womöglich eine Umgangskultur der Nächstenliebe im Sinne von Jesus Christus? Diese und viele andere Fragen stehen an. Antworten darauf müssen – allein im Eigeninteresse – vornehmlich die Millennials finden, also jene Generation zwischen 18 und 33.

Die Herausforderung im Mittelalter

„Das Städtewesen des Mittelalters ist etwas durchaus Neues.“5 Damals geradezu eine Jahrtausendinnovation. „Das 12. Jahrhundert ist, wie für den ganzen Osten Deutschlands […], die Geburtszeit der Städte. Noch um 1150 kannte unser Land nur Dörfer und Burgen.“ Doch 150 Jahre später ist unser Land „von einem dichten Netz deutscher Städte bedeckt. Etwa die Hälfte unserer heutigen Städte und darunter alle bedeutenden, lassen sich als in dieser Zeit begründet nachweisen.“5 Und die besondere Leistung damals? „Die besondere Leistung der mittelalterlichen Stadt bestand im Aufbau einer umfassenden Markt- und Verkehrswirtschaft mit Austausch von Luxus- und Massengütern über weite Entfernungen (Via Regia), in der Konzentration von Handel und Gewerbe, in einer planmäßigen Wirtschaftspolitik, in der wirtschaftlichen Beherrschung des Umlandes und der Erschließung neuer Absatzräume.“45 

Böhmische Könige forcierten hiesigen Landesausbau

Städtegründungen waren Ausdruck kaiserlicher und Königlicher Machtpolitik. Im Markgraftum Oberlausitz als Nebenland der Krone Böhmens entstanden erst im 13. Jahrhundert unter der Regentschaft der Könige Ottokar I. Přemysl (*um 1155 bis † 1230), Wenzel I. (* um 1205 bis † 1253), Ottokar II. Přemysl (* um 1232 bis † 1278) und Wenzel II. (* 1271 bis † 1305) die damals bedeutsamsten Städte an der Hohen Straße, ab 1252 via regia.

„Die schwerste Arbeitsleistung hatten die Bauern zu erbringen, vor allem bei Rodungsunternehmungen, durch die neue Dörfer und Fluren entstanden. Die Bauern wanderten in großer Zahl aus den Gebieten westlich von Elbe und Saale zu, besonders aus Franken, aber auch Flandern, und errangen für diese schwere Rodungsarbeit einige Vorrechte gegenüber den Bauern des Altsiedellandes.“42 Damit wandelte sich das Gesicht der slawischen Gebiete und das Profil heutiger Kulturlandschaften nahm Gestalt an.

Und wie lange dauerte dieser Gründerboom an?

„Im 14. Jahrhundert vermehrte sich die Zahl nur wenig; dagegen brachte das 15. Jahrhundert eine neue Zeit der Städtegründungen, die bis um die Mitte des 16. Jahrhunderts andauerte.“5 Genau in diesem Zeitraum entstanden außerdem im Umkreis der Städte Hoyerswerda, Weißwasser und Spremberg die meisten der Orte, die bis heute (2014) die Infrastruktur der Oberlausitz repräsentieren.

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Quellen