Ab ins Bett, Liebling

Rund 31 Millionen tierische Mitbewohner leisten uns Gesellschaft. Hunde häufig auch im Bett. Was bedeuten da Ressentiments gegen Ur-Vater Wolf?

Bei unserem bisschen mehr als handgroßen Liebling – hat der Wolf da etwa auch seine Hand mit im Spiel? Na klar. „Vor vermutlich 14 000 Jahren hat der Mensch den Wolf domestiziert, den Hund aus ihm gezüchtet. Seither ist er Jagdwerkzeug, Nahrungsquelle, Wächter, Spielzeug für das Kind – und immer mehr bloße Zierde.“1

Dennoch. Dahinter verbirgt sich Kulturgeschichte unserer Zivilisation. „Allgemein wird angenommen, dass Hunde die ältesten Haustiere sind. Bei Wildbeuterkulturen sind sie zunächst auf sich selbst gestellte Begleiter des Menschen.“2 Doch dieser Status sollte sich bald ändern.

Der Hund – ein uraltes Kulturgut?

„Für die Bedeutung des Hundes in der Mittelsteinzeit spricht das Vorkommen von Hunde-Bestattungen.“2 Doch er wird zudem auch künstlerisch verehrt. „Auf Felsbildern der mittelsteinzeitlichen Kunst Ost-Spaniens sind Hunde als Jagdhelfer dargestellt. Die ältesten Hunde Ägyptens sind auf Felsbildern der östlichen Invasoren (um 3 000 v. Chr.) zu sehen. Ebenso waren Hunde in den alten Kulturen Chinas, Indiens, Palästinas, auch in Griechenland und in Rom bekannt.“2

Da wird der Hund in der Pfanne verrückt

Ja, der Hund. Er dürfte auch den Frühmenschen unserer Region ein treuer Begleiter gewesen sein. Diese enge Bindung  hat in unserer Umgangskultur zu mancherlei volkstümlichen Sprüchen animiert, die mittlerweile zu Sprachdenkmalen mutiert sind. „Von dem nimmt kein Hund einen Bissen Brot.“ „Das kann sogar einen Hund jammern.“ „Das ist unter dem Hund.“ „Die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter.“ „Hunde die bellen, beißen nicht.“ „Viele Hunde sind des Hasen Tod.“ „Den Letzten beißen die Hunde.“ „Kommt man über den Hund, kommt man auch über den Schwanz.“ „Ein dicker Hund!“ „Keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken [können].“ „Mit allen Hunde gehetzt [sein].“ „Vor die Hunde gehen.“3

Der Fluch des Königs bekam Flügel

„Hunde, wollt ihr ewig leben?“ Abgewandelt von einem Fluch vom Alten Fritz (*1712 bis †1786): „Ihr verfluchten Kerls, wollt ihr das ewige Leben haben?“ Das schleuderte der 45-jährige Regent am 18. Juni 1757 wütend einer Kompanie entgegen, die in der Schlacht von Kolin vor der Übermacht der Österreicher zurückwich. So entstand ein geflügeltes Wort, das in dieser oder jener Form Einzug hielt in die Welt des Films und der Musik mit Ernst Busch4 (*1900 bis †1980) und Ernst Krenek5 (*1900 bis 1991). Aber auch in der Literatur verewigt wurde wie1931 in dem Roman »Die Kumiaks« (143) von Hans Marchwitza6 (*1890 bis †1965) und 1972 in dem Roman »Impressum« (374) von Hermann Kant 7

Am teuersten ist der Hund

„Die Deutschen geben jährlich knapp vier Milliarden Euro für Haustiere aus. Am teuersten ist der Hund.“8 So wirkt der Wolf noch nachträglich bundesweit als Jobbringer und Wertschöpfer. 7,4 Millionen Hunde tummeln sich in deutschen Haushalten. Von den bundesweit 40 Millionen Haushalten lebt in mindestens 15 Millionen davon ein Tier. Für Hunde, die bis zu 14 Jahre alt werden und deren Anschaffungspreis ab 200 Euro beginnt, fallen im Schnitt  jährlich 700 Euro für Futter, Hundesteuer, Haftpflichtversicherung und Tierarzt an.

Mit 38 Haustieren pro 100 Einwohner liegt Deutschland statistisch im europäischen Mittelfeld. Wenn der Jagdhund wüsste, mit welchen Ressentiments sein borniertes Herrchen wirtschaftsblind, kulturfern und geschichtsvergessen Ur-Vater Wolf eigensüchtig verfolgt, würde er ihn glattweg herzhaft in die Jägerwade beißen.

Quellen

1 Andreas Sentker: Respekt, in: DIE ZEIT N0 15, 8. April 2010, Seite 35

2 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 19 89, Band 10, Seite 304

3 Deutsches Wörterbuch in drei Bänden, in: Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Bände 26, 27 und 28 mit 500 000 Stichwörtern und Kurzdefinitionen, Mannheim 1995, Band 27, Seite 1651

4 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1987, Band 4, Seite 232

5 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1990,Band 12 , Seite 473

6 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1991,Band 14 , Seite 187

7 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1990,Band 11 , Seite 423

8 Lieb & teuer, in: DIE ZEIT N0 2, 2. Januar 2014, Seite 28