Themenspektrum: Klimawandel

Unsere Heimat im Universum

Die Erde, aufgenommen von Apollo 17 am 7. Dezember 1972. Quelle: Wikipedia/NASA

Auf Spurensuche zur Klimageschichte und deren Folgen

In Zusammenarbeit mit der Landtagsabgeordneten Franziska Schubert
Erdatmosphäre (Luft/ Wetter/Witterung/Klima/Jahreszeiten)
Treibhauseffekt Der Einfluss des Klimas auf den Menschen

Dieter Görner

Zeitgemäßes Weltverständnis bedeutet, in kosmischen Dimensionen zu denken. Doch was ist darunter zu verstehen? Beispielsweise Johann Sebastian Bach im Weltraum? Zumindest hat die NASA weltweit vorgemacht, was es heißt, ein Vermächtnis zu hinterlassen. Entsinnen Sie sich noch? Im Herbst 1977 waren die Raumsonden Voyager 1 und Voyager 2 zur Erforschung des äußeren Planetensystems auf Cape Canaveral gestartet. Missionsziel beider Raumsonden ist die Erkundung der Planeten Jupiter und Saturn, auch der Planeten Uranus und Neptun sowie deren Monde. 2025 sollen die Weltraummissionen der Raumsonden Voyager enden. An Bord befinden sich auch legendäre Datenplatten. Damit Außerirdische dereinst unser musikalisches Vermächtnis bestaunen können, enthält eine Platte „Musikstücke aller Genres - und zwei Sätze aus Bachs E-Dur-Partita, gespielt von Arthur Grumiax auf der General Dupont.“1, eine legendäre Stradivari, Baujahr 1722.

Sachkompetentes Weltverständnis ist angesagt

Und welches Vermächtnis hinsichtlich Umgangskultur mit der Umwelt hinterlassen wir unseren Kindern und Enkeln? Was würden Sie zum Beispiel Ihrem Kind sagen, wenn man Sie fragt, was Sie persönlich zur Erhaltung der ökologischen Lebensqualität Ihres Kindes beigetragen haben? Sicher geht es dabei auch darum, in einer konkreten Situation unter bestimmten Umständen zu erkennen: Was ist jetzt meine Pflicht! Gemeint ist die Pflicht der salus publica, dem öffentlichen Wohl zu dienen. Diese bürgerliche Pflichterfüllung schließt Mitmenschlichkeit ein. Nächstenliebe ist schließlich die ethnische Grundlage unserer Demokratie. Das brachte der Apostel Petrus in der Bibel auf das Kürzel: „Ehret jedermann!“ Wie also ehren wir unsere Nachkommen mit unserem heutigen Umgang mit der Natur?

Die Missionen von Voyager 1 und 2 zeigen einerseits, dass Grundwissen über das Universum unerlässlich ist, um mit sachkompetenten Weltverständnis den Herausforderungen des Klimawandels erfolgreich begegnen zu können. Schlechthin Meinungen - selbst, wenn sie noch so gut gemeint sind - taugen nichts im Überlebenskampf beim Klimawandel. Andererseits machen die Missionen von Voyager 1 und 2 auch klar, dass humanitäres Handeln eine fundamentale Grundlage unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens darstellt.

Folglich gehört nachhaltiges Umweltverhalten zu den Kernforderungen unseres Überlebens, die für alle verbindlich gelten müssten. Dazu zählt »Sorvia« auch die von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks vorgeschlagene Strafabgabe für den Kauf spritfressender Fahrzeuge. „Bei einem CO2-Ausstoß von 95 Gramm pro Kilometer wäre ein einmaliger »Umweltbeitrag« von 50 Euro zu zahlen, bei über 200 Gramm könnten 1 000 Euro fällig werden.“2 Die Einnnahmen könnten zur Finanzierung von Elektroautos dienen.

Unvorstellbare Dimensionen und Kräfte

Am 13. Februar 2016 war Voyager 2 etwa 16,51 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt. Eine unvorstellbare Distanz, ebenso schwer vorstellbar ist das Sternenwirrwarr im Hintergrund unserer „Heimatgalaxie, der Milchstraße.“3 Dort befindet sich eine Himmelsregion mit 883 verschiedenen Galaxien, die 250 Millionen Lichtjahre entfernt sind. Jede davon enthält hundert Milliarden Sterne. Unsere Milchstraße bewegt sich, schwerkraftbedingt, zwei Millionen Kilometer pro Stunde auf diese Himmelsregion zu. Kein Mensch kennt bislang die Ursache dieser Beschleunigung. Und dennoch ist auch unsere Heimat derartigen Dimensionen ausgesetzt. Übrigens: Haben Sie die Lausitz auf unseren blauen Planeten (Foto rechts) schon entdecken können?

2016 kreiste im Februar ein großer Tiefdruckwirbel über der Arktis. In der arktischen Stratosphäre – in rund 20 Kilometern Höhe - war die Luft seit geraumer Zeit „bis zu minus 90 Grad Celsius kalt.“4 Sollte diese Kälteperiode andauern, droht Mitteleuropa ein massives Ozonloch. Die arktische Stratosphäre aber bleibt in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten sehr anfällig für schwere Ozonverluste. So wandelt sich Klima.

Klimawandel ist Alltag in der Erdgeschichte

Wissenschaftler zählen Klimawandel nach Milliarden Jahren. Die Geschichte des Erdklimas umfasst etwa 4,6 Milliarden Jahre mit 7 Eiszeiten. Das Erdklima ist bestimmt durch den kontinuierlichen Wandel zwischen Warm- und Kaltphasen. Dabei unterscheidet man verschiedene Ausschnitte: 65 Millionen Jahre: ein Eiszeitalter, 2,4 Millionen Jahre: eine Eiszeitepoche, 125 000 Jahre: ein Eiszeitzyklus, 10 000 Jahre: eine Warmzeit (Interglazial), 1 000 Jahre : mit mittelalterlicher Warmzeit , kleine Eiszeit und modernem Optimum.5

Die Hauptursachen des Wandels

Und was bewirkt den natürlichen Klimawandel? Dafür gibt es 5 Hauptursachen:

„1 Die Existenz von Wasser welches in drei Aggregatzuständen auf der Erde vorkommt, als festes Eis, flüssiges Wasser und gasförmiger Wasserdampf, sowie die veränderlichen Anteile dieser drei.

2. Schwankungen der Solarkonstante und astronomische Abweichungen, die das Klima auf der Erde beeinflussen.

3. Schwerwiegende Veränderungen der Erdoberfläche (z.B. nach Bildung neuer Gebirge durch Verschiebung von Landplatten)sowie die verteilung von Land und Meer auf dem Globus.

4. Veränderungen des Verlaufs von Meeresströmungen.

5. Vulkanismus, Aerosole und die veränderlichen Anteile der verschiedenen Gase in der Erdatmosphäre.“5

Im Gespräch sind weitere Ursachen „wie der Einfluss des irdischen Magnetfeldes. In einer Zeitskala gesehen ergeben sich spürbare Veränderungen in der Kraft der Sonne eher in Hunderten von Millionen Jahren, während Verschiebungen der Kontinentalplatten bereits in wenigen Millionen Jahren weltweit wirksam sein können.“5

Auch Einschläge von Meteoriten werden für Klimaveränderungen verantwortlich gemacht. Aber auch Meere zogen sich zurück oder dehnten sich aus. Vulkanlandschaften entstanden oder die Mischung der Gase in der Erdatmosphäre änderte sich. All diese Wandlungen haben Spuren hinterlassen. Natürlich auch in unserer Heimat, der Lausitz. Also begeben wir uns auf Spurensuche zur Klimageschichte.

Denn die Erde lebt. Das signalisieren die kleinen Erdbeben im Vogtland und im Egerbecken des benachbarten Westböhmens. Die kleinen Nachaktivitäten sind Hinterlassenschaften der hier bis vor 200 000 Jahren aktiven Vulkane. Zu erkennen ist heute deren Erbe an kleinen Beben, aufsteigenden Gasen (Kohlendioxid, Schwefel und Helium) und an Mofetten, die der Laie als blubbernde Wasserlöcher erkennt. Verursacher sind Magnakammern im Untergrund.6

Vulkanausbrüche und die Ankunft der Sorben

Vulkanausbrüche hatten seit jeher das Leben auf der Erde verändert. „Erst kürzlich hatten Analysen von Eisbohrkernen auf große Eruptionen in den Jahren 536, 540 und 547 hingewiesen.“7 Den Eruptionen folgten Kältephasen von 536 bis etwa 660. Sie waren Auslöser von Epidemien, zu denen die Forscher auch die Justinianische Pest zählen, die den Mittelmeerraum ab 541 heimsuchte und später auch in der Lausitz wütete, wie der Industrieort Schwarze Pumpe illustriert. Klimawandel durch Vulkanausbrüche war „nach Ansicht der Forscher auch der Grund für ausgeprägte Völkerwanderungen.“7, in deren Folge die Sorben die Karpaten verließen und um 600 unserer Zeit die Lausitz besiedelten.

Klimawandel, so lehrt wiederholt die Geschichte, hat also durchaus grundlegenden Einfluss auf das Leben in der Lausitz. Was blüht uns voraussichtlich und wie reagieren wir darauf? Das sind unsere nächsten Themen.

Quellen

1 Wolfram Goertz: Frau General lässt bitten, in: DIE ZEIT N0 4, 21. Januar 2016, Seite 45

2 Hendricks will Strafabgabe für Kauf von Spritfressern, in: Sächsische Zeitung, 15. Februar 2016, Seite 5

3 Versteckte Galaxien, in: Sächsische Zeitung, 11. Februar 2016, Seite 5

4 Über der Arktis droht ein Ozonloch, in: Sächsische Zeitung, 11. Februar 2016, Seite 5

5 Friedrich Barnickel: Eine kurze Geschichte des Klimas, in: Kima Schock, Ursachen • Auswirkungen • Prognosen, Tandem Verlag, 2010 Potsdam, Seite 55. Kostenlos verfügbar gemacht von der Zentralstelle für politischen Bildung in Sachsen auf einem Dialogforum von »Sorvia«.

6 Katrin Mädler: Woher kommen die Erdbeben im Vogtland? in: Sächsische Zeitung, 15. Februar 2016, Seite 6

7 Walter Willems: Vulkane brachten große Reiche zu Fall, in: Sächsische Zeitung, 9. Februar 2016, Seite 5