Stolzer Stammvater unserer Hausrinder

Lebendrekonstruktion eine in Braunschweig gefundenen Auerochesen-Bullen. Quelle: Wikipedia/ DFoidl

Aber dennoch haben Jäger den Auerochsen 1627 ausgerottet

Auerochse. Das alte Rom zollte ihm Respekt. „Cäsar1 erwähnt ein in Deutschland vorkommendes Wildrind, das dem zahmen nicht unähnlich sei, aber viel größere Hörner besitze und an der Größe dem Elefanten wenig nachstehe.“2 Der Stammvater unserer Hausrinder tauchte erstmals vor 250 000 Jahren in Mitteleuropa auf. „Der Anfang der Art liegt im voreiszeitlichen Tertiär.“3 Ein toller Bursche. „Er war der mächtige Herrscher der Wiesen und Wälder, Inbild der Kraft und der Wildheit, bis zu einer Tonne schwer, mit fast zwei Metern Stockmaß und gewaltigen Hörnern von bis zu achtzig Zentimetern Länge.“3

Wie sah der imposante Laubfresser überhaupt aus?

Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden erwähnt lediglich: „Auerochse, Ur, ein ausgestorbenes Wildrind (→Stirnrinder), die Stammform der meisten Rinderrassen.“4 Na prima. Das einstmals größte Landsäugetier Europas – Bos primigenius – war trotz seiner Masse mit seinen „langen Beinen eleganter und beweglicher als unsere eher plumpen, tiefer gelegten Hausrinder.“3 Das eigentliche Erkennungsmerkmal des Ur? „Neben der charakteristischen Hornform und dem weißen Maul der sogenannte Aalstrich, einen helle dünne Rückenlinie vom Nacken bis zum Schwanz.“3

Und wo graste der Wiederkäuer vorwiegend?

Schon in vorgeschichtlicher Zeit weidete der mächtige Herrscher der Wiesen und Wälder auf drei Kontinenten: in China, Sibirien, Kleinasien, Nordafrika und Europa. Er teilte sich sein Reich mit dem Wisent, dem zweiten großen Wildrind, das in Ostpreußen 1755 ausgerottet wurde und seither in Reservaten oder Zoos überlebt.

Der Ur, Zeitgenosse des Neandertalers, soll vor etwa 10 000 bis 11 000 Jahren – also im frühen Holozän – seine höchste Populationsdichte erreicht haben. Kein Wunder also, dass der imposante Wiederkäuer die Künstler der Steinzeit zu ihren Wandzeichnungen in den Felsenhöhlen inspirierte.  

Quellen

1 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1987, Band 4, Seite 272

2 Brehms Tierleben in sechs Bänden, Leipzig 1924, herausgegeben und bearbeitet von Carl W. Neumann, Band 3, Seite 207

3 Manfred Kriener: Weg ist weg, in: DIE ZEIT N0 17, 22. April 2010, Seite 20

4 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim 1987, Band 2, Seite 299