Mit Visionen unsere Welt verändern

Die Internationale Raumstation ISS am 7. Mai 2011, aufgenommen aus der Space Shuttle Discovery. Quelle: Wikipedia

Die ISS verwirklicht einen Traum: Wie Wolken dahin schweben.

Direkte Demokratie in Sachsen • Links LiteraturKostenfrei

Die Welt verbessern. Können wir das überhaupt? „Ach, woher! Wir können doch eh nichts ändern.“ Alles nur dummes Gewäsch, wie die Wissenschaftsgeschichte von Konrad Zuse15 zeigt, der das Undenkbare denkbar machte wie die Vernetzung unseres Planeten. Überhaupt widerlegt die Geschichte der Erfindungen allein im Königreich Sachsen, dem Ursprungsland der Industriellen Revolution in Deutschland, die verbreitete Ansicht, man könne die Welt nicht verändern.

Ein Tüftler markiert die Zeitenwende

Wie war das eigentlich mit Johannes Gutenberg7 (*1399 bis †1468)? Er gilt als Erfinder des Buchdrucks.1 Machte er nicht auch das Undenkbare denkbar? Dazu im Mittelalter. „Für einen Buchschreiber etwa musste der Gedanke, Bücher mechanisch herzustellen, ans Utopische grenzen.“2 Nach Ansicht der Historiker bewirkte der Buchdruck einen so entscheidenden gesellschaftlichen Fortschritt, dass sie mit dessen Erfindung den Übergang vom Mittelalter zur heutigen Neuzeit kennzeichneten.

Johannes eilte der Revolution 300 Jahre voraus

Dabei gab es den Druck mit beweglichen Lettern, den Gutenberg entwickelt hat, schon längst vor ihm. Vermutlich wurde er in China im 11. Jahrhundert erfunden und lässt sich Anfang des 15. Jahrhunderts auch in Korea nachweisen. Und worin besteht dann Gutenbergs Verdienst? „Dass er ein komplettes System des Buchdrucks schuf, das von der Entwicklung der Drucktypen bis hin zum Bau geeigneter Druckvorrichtungen den ganzen Produktionsablauf einbezog und nebenbei arbeitsteilige Produktionsformen Jahrhunderte vor der industriellen Revolution einführte.“1 300 Jahre vor Beginn der industriellen Revolution in Deutschland. Von wegen: wir können nichts ändern. So einen Blödsinn quatschen nur Bequeme!

Vorurteilsfreier Praktiker mit Vision

Denn auch die industrielle Revolution in Deutschland hatte im Königreich Sachsen ein vorurteilsfreier Praktiker mit visionärer Weitsicht im Jahr 1800 eingeleitet. Der Unternehmer Carl Friedrich Bernhard (*1771 bis †1810) nahm im heutigen OT Harthau in Chemnitz die damals erste Maschinenspinnerei in Betrieb. Die achtstöckige Spinnerei mit bald 14 970 Spindeln galt in ihrer Zeit als die größte in Deutschland und als ein technisches Wunderwerk.3

Und wie war das mit dem Pflug?

Ein mittelalterlicher Hakenpflug aus Holz mit eisenbeschlagener Spitze, der den Boden nur aufritzt, aber die Schollen nicht wendet. Quelle: Wikipedia

Die Erfindung des Hagenpflugs vor  6 000 Jahren in der Jungsteinzeit wurde Teil der Neolithischen Revolution.4 Sie leitete den Übergang vom Jäger- und Sammlerdasein zur Epoche der Landwirtschaft ein, machte die Menschen sesshaft und schuf die Grundlagen der Hochkulturen. Doch lange bevor der Pflug erfunden wurde, hatte jemand die Idee, die Wildpferde, die bislang auf dem Speiseplan standen, nunmehr auch als Reit- und Zugtiere zu verwenden. Lange Zeit legte man den Pferden, die den Pflug ziehen sollten, einfach eine Schlinge um den Hals. Die armen Tiere fürchteten sich, als ob sie stranguliert würden.

Den Pferden das Leben erleichtet

Bis im 9. Jahrhundert in Europa einer auf die Idee kam, ein gut gepolstertes Geschirr, (ursprünglich für Kamele entwickelt) 5 als Zugmittel für Pferde zu nutzen. Mit dem gepolsterten Geschirr auf den Schulterblättern konnten Pferde nun anderthalbmal so schnell Lasten bewegen wie Ochsen. Das brachte wiederum einen auf die Idee, statt des primitiven Hakenpfluges der Antike einen schweren mit Eisen beschlagenen Pflug zu entwickeln. Und zwar „mit einem Vorschneider zum Aufbrechen des Bodens, einer Schar, die das Gras an den Wurzeln abschnitt, einem Streichbrett zum Umwenden der Scholle und Rädern zur Regulierung der Tiefe.“5

Kausalkette des Fortschritts

Mit Eisenpflug und gepolsterten Geschirr für Pferde wurde das Pflügen um 50 Prozent produktiver. Das wiederum brachte Robert Ransome auf die Idee einer gusseisernen Pflugschar, die er sich 1785 patentieren ließ. 52 Jahre später, 1837, stellte John Deere in Amerika den ersten Stahlpflug her. Und mit der Erfindung des Dampfpfluges 1858 in England begann die dritte landwirtschaftliche Revolution.

Das Undenkbare denkbar gemacht

Steve Jobs gründete 1976 Apple in seiner Garage. Seine Mitbegründer: Steve Wozniak und Ron Wayne. Quelle: Wikipedia

Wie könnten wohl die heutigen Ausnahmen zur Regel werden?

Wie man sieht, waren Erfinder stets bemüht, „ein neues Ziel mit bekannten Mitteln oder ein bekanntes Ziel mit neuen Mitteln oder ein neues Ziel mit neuen Mitteln“1 zu erreichen. Auf diese Weise wurde Undenkbares denkbar gemacht. Angefangen vom genialen Mehrfacherfinder Thomas Alva Edison 8(*1847 bis †1931) über Manfred Baron von Ardenne9 (*1907 bis †1997) bis Steve Jobs (*1955 bis †2011) und Bill Gates.

Einer von ihnen ist der Hoyerswerdaer Ehrenbürger Konrad Zuse (*1910 bis †1995). Er ist der Erfinder des Computers. „Er hat in jüngster Zeit den Alltag in nahezu allen Kulturkreisen der Erde so drastisch verändert wie neben ihm das Auto oder das Flugzeug.“6 Als vorurteilsfreier Praktiker, der später mit acht Ehrendoktortiteln gehrt und 2003 im ZDF auf Platz 15 der größten Deutschen gewählt wurde, begann er schon in seiner Schulzeit in Hoyerswerda sich zum Ingenieur-Künstler zu entwickeln. Wie 600 Jahre zuvor in der Renaissance das wissenschaftlich –technische Denken die Künstler-Ingenieure Filippo Brunelleschi10 (*1377 bis †1446), Leon Battista Alberti11 (*1404 bis †1472) und Leonardo da Vinci12 (*1452 bis †1519) prägte. 

Durch Erfinder wie ihnen entdeckten die Historiker im 20. Jahrhundert die Technik als Gegenstand der Geschichtswissenschaften. Mit der Geschichte konnten sie belegen, „wie die Technik die gesellschaftlich-kulturelle Entwicklung der Menschheit geprägt hat.“1

Waren nicht auf ihre Art auch die Schriftstellerin Brigitte Reimann13 (*1933 bis †1973), die der sogenannten »Ankunftsliteratur« den Namen gab, und der Bildhauer Jürgen von Woyski14 (*1929 bis †2000), Gründer des Internationalen Bildhauersymposiums in Hoyerswerda, gewissermaßen Weltveränderer? Das Gerede: „Wir können nichts ändern“ ist in der Regel nichts anderes als Denkfaulheit und Bequemlichkeit. Ausnahmen bestätigen die Regel. Wie aber könnten Ausnahmen zur Regel werden? Genau das möchten wir in dieser Rubrik unter verschiedenen Gesichtswinkeln zeigen. Damit auch hier gilt: »Heimat neu erfahren«.

Quellen


1 Martin-Andreas Schulz: Erfindungen verändern die Welt, in: Brockhaus Meilensteine, 10 Themenbände, Verlag F. A. Brockhaus 2011, Band Große Erfindungen, Seite 12

2 Helmut Presser: Johannes Gutenberg, in: Die Großen – Leben und Leistung der sechshundert bedeutendsten Persönlichkeiten unserer Welt, 24 Bände, Kindler Verlag, Zürich 1995, Band IV/1, Seite 230

3 Reiner Groß: Kurstaat und Königreich an der Schwelle zum Kapitalismus (1789-1830), in: Geschichte Sachsens, Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1989, Seite 300

4 Otto Schertler: Der Pflug – eine wichtige Grundlage des Ackerbaus, in: Brockhaus Meilensteine , 10 Themenbände, Verlag F. A. Brockhaus 2011, Band Große Erfindungen, Seite 60

5 Michael Andrews: Das Vermächtnis der Kalksteinmeere, in: Europa – Entstehung und Entwicklung eines Kontinents, RVG-Interbook Verlagsgesellschaft, 1994, Seite 147

6 Felix R. Paturi: Der Computer – Voraussetzung für die Hochtechnologie, in: Brockhaus Meilensteine, 10 Themenbände, Verlag F. A. Brockhaus 2011, Band Große Erfindungen, Seite 302

7 Helmut Presser: Johannes Gutenberg, in: Die Großen – Leben und Leistung der sechshundert bedeutendsten Persönlichkeiten unserer Welt, Geschichtsenzyklopädie in 24 Bänden, Kindler Verlag, Zürich 1995, Band IV/1, Seite 228

8 Friedrich Katscher: Thomas Alva Edison; in: Die Großen – Leben und Leistung der sechshundert bedeutendsten Persönlichkeiten unserer Welt, Geschichtsenzyklopädie in 24 Bänden, Kindler Verlag, Zürich 1995, Band IX/1, Seite 88

9 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1987, Band 2, Seite 87

10 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1987, Band 4, Seite 52

11 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1986, Band 1, Seite 317

12 Kurt Fassmann: Leonardo da Vinci, in: Die Großen – Leben und Leistung der sechshundert bedeutendsten Persönlichkeiten unserer Welt, Geschichtsenzyklopädie in 24 Bänden, Kindler Verlag, Zürich 1995, Band IV/1, Seite 474

13 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1992, Band 18, Seite 235

14 Ullrich Kuhirt: Kunst der DDR, 1960 – 1980, VEB E. A. Seemann Verlag, Leipzig 1983, Seite 85, 100, 103, 104, 195

15 Herbert W, Franke: Konrad Zuse; in: Die Großen – Leben und Leistung der sechshundert bedeutendsten Persönlichkeiten unserer Welt, Geschichtsenzyklopädie in 24 Bänden, Kindler Verlag, Zürich 1995, Band XI/1, Seite 124