Westlausitzer Hügel- und Bergland

Bergwandern an der Feuersteinlinie im waldreichen Mufflongebiet

Bergwandern? Ach, du meine Güte! Etwa hier im Hügelland? Gemach, gemach. Was aber, wenn die Landschaft eine Vorbergzone des Oberlausitzer Berglandes ist? „Das Westlausitzer Hügel- und Bergland erstreckt sich zwischen dem Oberlausitzer Gefilde und Oberlausitzer Bergland im Osten, dem Ruhland- Königsbrücker Heidegebiet im Norden, der Großenhainer Pflege im Westen sowie der Elbtalweitung und der Sächsischen Böhmischen Schweiz im Süden.“1

Die Höhen der reich gegliederten Landschaft, „die als Vorbergzone des Oberlausitzer Berglandes aufgefasst werden kann“2, beginnen unweit von Bischofswerda3 (obersorbisch Biskopicy), ziehen sich „in Form eines 18 km langen und etwa 8 km breiten bewaldeten Bergzuges“1 bis zur Lessing-Stadt Kamenz 4 (oso. Kamjenc) hin und umschließen die Pfefferkuchenstadt Pulsnitz5 (oso. Połčnica). Artenreiche Wälder bedecken die Bergrücken. „Bei Rehnsdorf rauschen sogar Kastanienbäume im Wald, deren Früchte essbar sind.“6

Seltenes Eiszeiterbe in Augenschein nehmen

Bei Elstra7 (oso. Halštrow), einer Kleinstadt am Oberlauf der Schwarzen Elster,8 ein 181 km langer rechter Nebenfluss der Elbe, findet sich einer der seltenen Fundorte der Feuersteinlinie.9 „Auf die älteste Vereisung, die Elster-Kaltzeit,10 ist die Feuersteinlinie11 zurückzuführen, die sich bei 450 m NN ungefähr mit der Südgrenze der Oberlausitz12 deckt und die maximale Ausdehnung des Elster-Inlandeises anzeigt.“13 Die Besonderheit? „Zwei Grundmoränen14 zeigen einen zweimaligen Vorstoß der Gletscher (300 bis 500 m mächtig15) während der Elster-Kaltzeit an. Diese an sehr wenigen Stellen gut erhaltenen Elster-Grundmoränen besitzen als Leitgeschiebe Material aus Nordschweden, Darlarne, Upland, Saåland, Äland, Gotland, Oeland, Bornholm, Rügen und Seenland /Faxne).“13

Bergwandern mit Rucksack und Wanderschuh

Blick vom Kindisch auf den Hochstein. Quelle: Wikipedia

Von Aussichtstürmen bis Sächsische Schweiz und Osterzgebirge blicken

Naturschönheiten genießen, durch Wiesen und ausgedehnte Wälder wandern, Bergwandern auf markierten Wegen mit Sitzgruppen zur Rast an markanten Stellen mit Ausblick auf ein eindrucksvolles Panorama – das alles bietet dieser vielfältige Landschaftsraum.

Hochstein

„Der Hochstein mit seinen Gipfelklippen und einem Blockmeer, die unter Naturschutz stehen“,16 ist der höchste Punkt im Umkreis von Kamenz (oso. Kamjenc) (449 m) sowie „die höchste Erhebung im Osten des Czornebohs (oso. Ćornobóh)“17 und überragt die Landschaft der Königshainer Berge um fast 100 m.17.

Unweit des Ortes Ohorn, um 1110 von deutschen Siedlern gegründet, bietet dieser Berg „auf dem Gipfel eine große Felsenburg (Sibyllenstein).“18 In dem ausgedehnten Waldgebiet (Zumeist Fichtenforsten) wurde 1977 das ursprünglich in Südwestasien beheimatete Europäische Muffelschaf angesiedelt. „Die Widder tragen lange, mit zunehmendem Alter sehr starke, schneckenartig gewundene Hörner mit deutlichen Jahresringen sowie einen hellen Sattelfleck auf den Flanken.“19

Den bewaldeten Höhenzügen entspringen muntere Quellenbäche. Am Nordabhang befindet sich das Quellgebiet der Schwarzen Elster,20 ein 181 km langer Nebenfluss der Elbe. Am Südhang (südlich der Autobahn) befindet sich im Ortsteil Röderbrunn von Ohorn das Quellgebiet der Großen Röder, einst Grenzfluss des bischöflichen Burgward Godou/Göda.21

Wandern: Von hier aus kann man auf einem markierten Weg zum Schwedenstein wandern (ca. 1,5 h)
Gastlichkeit: Am Westhang empfiehlt sich das »Forsthaus Luchsenburg« zur Einkehr. Fon:03 59 55/ 723 14

Schwedenstein

„Der Schwedenstein, ein beliebtes Ausflugsziel, liegt zwischen den Gemeinden Steina und Ohorn östlich der Pfefferkuchenstadt Pulsnitz 22 (oso. Połčnica). Beide Orte zeihen sich am Hang des 420 m hohen Berges hinauf. Auf seiner bewaldeten Kuppe befindet sich das Bergrestaurant »Schwedenstein«.16 Das 2005 komplett renovierte Bergrestaurant verfügt über drei Gasträume und einem 100 m² großen Wintergarten sowie über drei Terrassen mit wunderschöner Aussicht ins Westlausitzer Bergland. Zudem bietet ein Aussichtsturm einen Rundblick„über das Landschaftsgebiet »Westlausitzer Hügel- und Bergland« sowie gute Fernsicht bis zu den Mittelgebirgskämmen“13 Ostdeutschlands und in die Tschechoslowakei.

Der Berg verdankt seinen Namen einem historischen Irrtum. Im Jahr 1832 erfolgte eine Gedenkfeier zum Todestag des Schwedenkönigs Gustav Adolf 23 (*1778 bis †1837), der zwar 200 Jahre zuvor, aber im Jahr 1837 im Dreißigjährigen Krieg 24 (1618 – 1648) in der Schlacht bei Lützen gefallen war. „Der Dreißigjährige Krieg wirkte sich politisch, kulturell und wirtschaftlich tiefgreifend auf das Heilige Römische Reich deutscher Nation 25 aus und ist markantester Ausdruck der später so bezeichneten Krise des 17. Jahrhunderts.“ 26 Seit der Gedenkfeier 1832 nennt man den Berg Schwedenstein, wenngleich der Schwedenkönig nie auf dem Berg weilte.

Parkmöglichkeit: In Steina und auf dem Gipfel
Wandern: Von hier aus kann man auf einem markierten Weg zum Hochstein wandern (ca. 1,5 h)
Gastlichkeit: Bergrestaurant »Schwedenstein«, Fon: 03 59 55/ 713 35

Keulenberg

Wer von Dresden aus die Oberlausitz 12 besucht, bekommt als Vorbote der hiesigen Bergwelt den Keulenberg (413 m) zu Gesicht, der als westlichster Ausläufer des Oberlausitzer Berglandes gilt. Der Berg wurde erstmals 1213 in der Grenzurkunde »monzis Radebize« und danach 1241 in der Oberlausitzer Grenzurkunde erwähnt. Über Jahrhunderte diente der Berg als Grenzzeichen zwischen der Oberlausitz als Nebenland der Krone Böhmens und dem meißnisch-sächsischen Kernland.

Eine Landkarte von Oeder aus dem Jahr 1593 dokumentiert, dass Ackerbau bis auf dem Berg betrieben wurde. Nach dem Dreißigjährigen Krieg24 und seinen Folgen,25 als die hiesige Landwirtschaft völlig vernichtet war, bedeckte sich der Berg erneut mit Wald.27

Es gibt eine Ode auf den Keulenberg von 1751, ein Keulenberglied sowie das zum Bergfest 1955 uraufgeführte Freilichtspiel »Keulenberg droben – Sagen umwoben«.27 Ein Aussichtsturm bietet einen Rundblick auf die Bergketten der Oberlausitz, die Sächsische Schweiz und den langen Kamm des Osterzgebirges.

Parkmöglichkeit: Auf dem Gipfel und am Fuß des Berges. (Von Oberlichtenau führt eine Fahrstraße zum Gipfel.
Gastlichkeit: Auf dem Gipfel empfiehlt sich das Bergrestaurant »Keulenberg« mit »Heimatstube«. Fon: 03 59 55/706 60.
Wandern:
Steiler Aufstieg: (Markierung »Roter Strich«) ab Bahnhof Königsbrück, Scheibischer Berg (Denkmal), Gräfenhain, Schutzhütte.(ca. 2 h).
Aufstieg: Markierung »Grüner Strich«) von Oberlichtenau aus (ca. 1 h).
Abstieg: Nach Oberlichtenau und weiter (Markierung »Blauer Strich«) entlang der Pulsnitz bis Friedersdorf (ca. 1,5 h) und weiter (Markierung »Roter Strich«) bis Bahnhof Pulsnitz (ca. 2 h).

Butterberg

„Unweit von Bischofswerda28 befindet sich der 385 m hohe Butterberg mit Bergbaude (1860 eingeweiht) und Aussichtsturm“16 (103 Stufen). Er bietet einen Rundblick über die umliegenden Dörfer, über Bischofswerda (oso. Biskopicy ) und zu den Bergen des Oberlausitzer Berglandes vom Valtenberg (oso. Sokolnik, 586,6 m) bis zum Czorneboh (oso. Ćornobóh, 555,7 m)

Der Butterberg (auch Synonym für Überproduktion in der EG29) soll seinen Namen von der Butter erhalten haben, die Bauern der umliegenden Dörfer bei einer der mittelalterlichen Pestepedemien („die verheerende Beulenpest,30 die zwischen 1347 und 1352 ein Drittel der europäischen Bevölkerung auslöschte und das soziale Gefüge erschütterte“31) an seinen Waldrand zur Versorgung der betroffenen Bischofswerdaer Bürger ablegten.16

Am Nordhang des Butterberges entspringt ein Quellbach, der sich in Burkau (oso. Porchow) mit einem Quellbach vereint, der am westlichen Ortsende entspringt. Unter der Bezeichnung Klosterwasser – benannt nach dem Zisterzienserkloster St. Marienstern6 – fließt das Gewässer weiter als rechter Nebenfluss der Schwarzen Elster.32 Das Nonnenkloster ließ am Klosterwasser zahlreiche Dörfer anlegen33 und bildete eine umfangreiche Grundherrschaft34 aus.

Parkmöglichkeit: Auf dem Gipfel, oder in Bischofswerda am Abzweig der Straße nach Kamenz von der B6, oder am Waldrand an der Zufahrtsstraße zum Butterberg.
Wandern: Aufstieg: Vom Parkplatz in Bischofswerda ca. 200 m durch die Hellmuth-Muntschik-Straße, vor dem Friedhof links nach Markierung »Roter Punkt«, vom Stadtrand durch eine Lindeallee vorbei an Pickau und über Felder bis zum Waldrand mit Parkplatz (ca. 30 min.), mit der Markierung »Roter Punkt« bis zum Gipfel (weitere ca. 20 min.).
Info: Stadtinformation Bischofswerda, Fon: 0 35 94/ 78 62 41

Hutberg

Der Hutberg (399 m), Granodioritberg, „mit abwechslungsreichem Parkwald und vielen hundert Rhododendren und Azaleen“,21 um „1900 von Gärtnermeister W. Weiße angelegt“,13 bietet mit dem 1864 errichteten Lessingturm einen beeindruckenden Rundblick „über die Berge des Oberlausitzer Berglandes bis hin zum Löbauer Berg und zum Czorneboh bei Bautzen , über die Stadt Kamenz und die nördlich gelegene Heide- und Teichlandschaft.“16

Parkmöglichkeit: Auf dem Gipfelplateau (Auffahrt von der Königsbrücker Straße, auch für Reisebusse) oder an der Königsbrücker Straße direkt am Fuß des Hutberges.
Gastlichkeit: Auf dem Gipfelplateau empfiehlt sich das 1895 eingeweihte und 1988 neu eröffnete »Hutberg-Restaurant«. Der Gast wird hier von Mai bis September im Biergarten und ganzjährig in der Gaststätte (80 Plätze) verwöhnt. Fon: 0 35 78/ 31 50 22.
Wandern: Aufstieg: Gegenüber vom Parkplatz Königsbrücker Straße zunächst nach Markierung »Grüner Strich«, nach ca. 200 m geradeaus durch die Anlagen zum Gipfel (ca. 20 min.).

Quellen

1 Andreas Gerth: Reise in die Erdgeschichte der Oberlausitz, des Elbsandsteingebirges und Nordböhmens , Teil 1, Ein geologischer Exkursionsführer zu 304 ausgewählten Zielen. Oberlausitzer Verlag Frank Nürnberger, Spitzkunnersdorf 2010, Seite 44

2 Lausitz. Reisehandbuch. VEB Tourist Verlag, Berlin/Leipzig 1985, Seite 23

3 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1987, Band 3, Seite 368

4 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1990, Band11, Seite 380

5 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1992, Band17, Seite 621

6 Siegfried Schlegel: Die Oberlausitz. Ein liebenswertes Stück Deutschland, Lausitzer Druck- & Verlagshaus Bautzen 2008, Seite 58

7 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1988, Band 6, Seite 329

8 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1988, Band 6, Seite 328

9 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1988, Band 7, Seite 255

10 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1988, Band 6, Seite 328

11 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1988, Band 7, Seite 255

12 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1990, Band 13, Seite 148

13 Siegfried Schlegel, Dieter Hans Mai: Die Oberlausitz. Exkursionen. VEB Hermann Haack, Geographisch-Kartographische Anstalt, Gotha/Leipzig 1980, Seite 15, 156, 154

14 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1991, Band 15, Seite 99

15 Jürgen Vollbrecht: Die Zeitepochen: Paläolithikum und Mesolithikum, in_ Die Oberlausitz. Ausflugsziele zwischen Neiße und Pulsnitz, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2010, Seite 30

16 Gipfelblicke in der Oberlausitz, Tourismusverband Oberlausitz – Niederschlesien e. V., Lausitzer Druck- & Verlagshaus, Bautzen

17 Meyers Naturführer Oberlausitz Kartographisches Institut Meyer unter Leitung von Adolf Hanle, Mannheim 1992, Seite 26, 44

18 Siegfried Schlegel, Dieter Hand Mai: Die Oberlausitz, Exkursionen, VEB Harmann Hauck, Geographische – Kartographische Anstalt, Gotha/Leipzig 1980, Seite 156

19 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1991, Band 15, Seite 158

20 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1988, Band 6, Seite 328

21 Lausitz, Reisehandbuch, VEB Tourist Verlag, Berlin/Leipzig 1985, Seite 188, 244

22 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1992, Band 17, Seite 621

23 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1989, Band 9, Seite 296

24 Geschichte in Übersichten, Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin 1988, Seite 168

25 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1989, Band 19, Seite 612

26 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1988, Band 5, Seite 671

27 Unser Keulenberg. Berg der Heimat, Interessengemeinschaft Keulenberg, 1990, Seite 5

28 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1987, Band 3, Seite 368

29 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1987, Band 4, Seite 245

30 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1992, Band 17, Seite 7

31 Monika Baumüller: Die Welt im Hoch- und Spätmittelalter – Wirtschaftliche Entwicklung zwischen 1 000 und 1 500, in: Brockhaus. Meilensteine, multimediale Geschichtsenzyklopädie in 10 Themenbänden zur Geschichte, Kultur und Wissenschaft, Gütersloh 2011, Band 7: Handel und Wirtschaft, Seite 113

32 Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Auflage, Mannheim 1988, Band 6, Seite 328

33 Manfred Kobusch: Reichsland Pleißen und die wettinischen Territorien in der Blütezeit des Feudalismus (1156 – 1307), in: Geschichte Sachsens, hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1989, Seite 149

34 Die Grundherrschaft des Klosters Marienstern in der Oberlausitz um 1380, Landkarte, in: Atlas zur Geschichte, Band 1, VEB Hermann Haack, Geographisch-Kartographische Anstalt, Gotha/Leipzig 1973, Seite 42