Wildschäden

Gefährdet das Wild sogar den Wald?

Dezimiert der Wolf die Wildbestände? Denkste! Um Kamenz, Bautzen und Hoyerswerda zieht er Nacht für Nacht seine Kreise. Und? Selbst dort „stiegen die Abschusszahlen für Rehe und Wildschweinen seit zehn Jahren stärker als im übrigen Sachsen.“1 Mittlerweile mutieren die Wildbestände in etlichen Gegenden des Altkreises Bautzen zu einer „Gefahr für den Wald“2, wie eine Expertise der Kreisforstverwaltung diagnostiziert.

Ansteigende Verbissschäden

„Vor allem  Dam- und Muffelwild konnte sich wegen optimaler Lebensbedingungen gut entwickeln. Zum einen fehlen ihnen die natürlichen Feinde. „Bär und Luchs gibt es hier nicht , und die Gefahr durch den Wolf ist gering,“ konstatiert Thomas Sobcyk vom Kreisforstamt.2 „Dam- und Muffelwild wurde in den 60er und 70er Jahren ausgesetzt und über Jahrzehnte gehegt und gepflegt. Zudem gibt es auch jagdtechnische Probleme. Der einzelne Jäger kann immer nur ein Tier aus einer Gruppe von 30 bis 50 Stück erlegen. Sobald der Schuss fällt, sind die anderen weg.“

Und die Folgen? „Rehe, Mufflons und Damwild fressen gern die Knospen von jungen Bäumen. Diese sogenannten Verbissschäden werden bis zu einem gewissen Grad toleriert.“ Aber? Obendrein werden bestimmte Baumarten bevorzugt, die teilweise enorme Wachstumsverluste erleiden und damit ein ungleichmäßiges Waldwachstum bewirken.

Wildschweine nehmen überhand

Mehr als 2 800 Wildschweine wurden im Jagdjahr 2013 im Landkreis Bautzen erlegt, 400 mehr als im Jahr zuvor. „In ganz Sachsen wird von einer klar steigenden Tendenz in den letzten 20 Jahren gesprochen.“3 Allein im Jagdjahr 2013/14 wurden 25 000 Tiere erlegt, 11 000 mehr als im Jagdjahr 1991/92. Trotz steigender Abschusszahlen ist der Schwarzwildbestand aber nach wie vor zu hoch und für die Land- und Forstwirte Sachsens ein Problem.

Hat der Wolf etwa daran auch eine Aktie? Klar. „Die Wildschweine vergrößern ihre Rotten, um sich vor den Wölfen zu schützen“, ist Dietrich Hesse von der Heidefarm Sdier überzeugt. Kann man das Schwarzwild nicht jagen? Das schon. Aber das ist schwierig. „Die Tiere sind nachtaktiv und kommen aus den Getreide- und Maisfeldern kaum heraus“, gibt Lothar Jentschel vom Kreisjagdverband. zu bedenken.

Und wie wird das Problem gelöst? „Um die Zahl der Wildschweine zu reduzieren, wollen Jäger und Landwirte nun enger zusammenarbeiten. Im Beisein von Umweltminister Frank Kupfer haben der Landesjagdverband, der Sächsische Bauernverband, der Sächsische Waldbesitzerverband, die Landesarbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften sowie der Sachsenforst eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet.“3

Quellen

1 Klemens Deider: Der Wolf wird bester Freund des Jägers, in: Sächsische Zeitung , 26. April 2010, Seite 6

2 Heiko Engel: Wild richtet immer mehr Schäden an, in: Sächsische Zeitung, 27. Mai 2010, Seite 22

3 Marleen Hollenbach: Wildschweine im Visier, in: Sächsisch Zeitung, 20./21. September 2014, Seite 23