Wertschöpfer Isegrim

Der Wolf ist allerorts eine Touristenattraktion. Gemälde »In der Wirtsstube« von Theodor Kleehaas. Montage: Dieter Görner. Quelle: Wikipedia

Bis zu 100 000 Wolfsinteressenten im Jahr zu Gast im »Erlichthof«

Ist das denn die Möglichkeit? Der von eigensüchtigen Jägern derart zum Teufel gewünschte Wolf (Canis lupus) gilt international als Wirtschaftsfaktor. Eine Studie bezifferte beispielsweise dem Yellowstone-Nationalpark (Website) den Umsatz durch seine damals 38 Wölfe auf 35 Millionen Dollar pro Jahr.1 Wahnsinn.

Und in der Wolfsregion Oberlausitz? Hier reisen mittlerweile ganze Gruppen an, um auf Wolfsschau zu gehen. Allesamt wollen essen, trinken, informiert und geführt werden und nicht selten zugleich übernachten. Dieses Erleben spricht sich bundesweit, ja sogar europaweit herum. Eher unwahrscheinlich? Wieso?

Der bislang erfolgreichste Werbebotschafter ist der Wolf

Angeregt von der Erlebnisregion Oberlausitz, veranstaltete der Deutsche-Wildgehege-Verband (DWV), dem immerhin 160 Mitglieder angehören, seine dreitägige Jahreshauptversammlung im Februar 2014 im Zoo Hoyerswerda. Die 70 Teilnehmer aus ganz Deutschland wollten selbstverständlich auch eine Wolfsexkursion im Lausitzer Seenland erleben.2 Zufall?

Europa verfolgt Rückkehr des Wolfes

Zufall dürfte es jedenfalls keineswegs gewesen sein, dass sich an der Unterschriftenaktion, mit der der NABU im März 2012 gegen die Aufnahme des Wolfes ins sächsische Jagdrecht protestierte, auch Interessenten beteiligt haben aus „Norwegen, Finnland, Dänemark, Belgien, Frankreich, Österreich, der Schweiz, aus Tschechien, den USA und aus Südafrika.“3

Wissenstransfer für Fachleute

Neben Familien mit Kindern, Reisegruppen und naturinteressierten Senioren reist auch zunehmend Fachpublikum an: „Mitglieder von Naturverbänden, Behörden, vom Forst, um sich hier über den wilden, neuen-alten Bewohner zu informieren.“4 Wozu informieren? „Seit ganz Deutschland als Wolfserwartungsland gilt, ist der Wissensdurst groß. Gestillt wird er hier, zum Beispiel in Neustadt/ Spree. Dort wo ländliches Idyll und Faszination Wolf aufeinandertreffen. Und wo in Hotels wie »Zum Hammer« der Flyer über »Wölfe in Deutschland« zur Grundausstattung gehört.“4

Interessenten von allen Kontinenten

Familie Szon von der Pension und der Gaststätte »Forsthaus am Erlichthof« in Rietschen verdankt dem Wolf  interessante Bekanntschaften. „Eine Japanerin sei nur wegen des Wolfs nach Deutschland und Rietschen gekommen, auch ein Australier sei angereist. Holländer, Schweizer auch.“4

Familie Szon ist überzeugt: „So eine Werbung, wie sie der Wolf bringt, könne man als kleine Region nie selbst finanzieren. Fernsehteams aud ganz Deutschland und anderen Ländern kommen immer wieder, drehen, senden. Damit erreiche man Hunderttausende, wenn nicht Millionen.“4

70 000 bis 100 000 Besucher pro Jahr

Der Erlichthof in Rietschen empfängt im Jahr bis zu 100 000 Gäste. Sie besuchen das Wolfsmuseum oder nehmen an Wolfsvorträgen teil. 2012 summierten sich 220 Wolfsvorträge, im Jahr zuvor lag die Anzahl bei 207. „Die Nachfrage wächst.“

Noch ist das Interesse an dem Raubtier noch nicht so groß wie an den Städtereisen oder den Radwanderungen in der Region. Aber das Thema Wolf werde zunehmend auch bei Klassenfahrten und Exkursionen nachgefragt. Dennoch leistet der Wolf offensichtlich schon jetzt wesentlich mehr für das Standortmarketing der Oberlausitz als die Jäger, ohnehin Fortschrittsverweigerer, für die von außerhalb schwerlich jemand Interesse zeigt.

 

Quellen

1 Vor den Wölfen müsst ihr keine Angst haben, Hartmut Landgraf im Gespräch mit Wildbiologe Douglas Snith vom amerikanischen Yellowstone Wildpark, in: Sächsische Zeitung, 21. März 2013, Seite 7

2 Anja Wallner: Gäste loben spannende Kombination aus Zoo und Schloss, in: Hoyerswerdaer Tageblatt, 7. Februar 2014, Seite 7

3 NABU-Online, 14. März 2012

4 Irmela Hennig: Wie viele Jobs schafft der Wolf? in: Sächsische Zeitung, 26. / 27. Januar 2013, Seite 9