Wie viele Wölfe jagen in Europa?

Wolfspaar. Quelle: Wikipedia/ Gunnar Ries

Jagdreisen bieten Wolfskillern europaweit zweifelhaftes Vergnügen

2014 ging man „von 13 500 bis 20 000 Wölfen in Europa aus (ohne Ukraine, Weißrussland, Russland und Türkei). Tendenz steigend.“1 Für EU-Mitglieder regelt seit 1992 eine Richtlinie „zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen“ die Umgangskultur mit Isegrim. Überdies ist der Wolf in Europa durch folgende Regelwerke geschützt:

Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES)

Dem Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES), Convention on International Trade in Endangered Species of the Wild Fauna and Flora) vom 3. März 1973 gehören 152 Staaten an. Es stellt Richtlinien für den Handel mit geschützten Tieren und deren Erzeugnissen auf und schränkt die Ein- und Ausfuhr der Tiere oder ihrer Teile (Felle, Schädel, Knochen…) ein. Der Wolf ist hier in Anhang II (gefährdete Tierart) aufgeführt, einige Subpopulationen sind vom Aussterben bedroht und in Anhang I aufgeführt.

Berner Konvention

In der Berner Konvention haben sich 45 Staaten auf die Erhaltung und den Schutz wildlebender Pflanzen und Tiere und ihrer Lebensräume verständigt. Der Wolf ist in Anhang II der Konvention aufgeführt.

FFH-Richtlinie

Die FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, 92/43/EWG) wurde 1992 von der EU in Kraft gesetzt und soll europaweit die Ausweisung und Erhaltung von Lebensräumen und Wildtieren regeln. Der Wolf ist hier in Anhang IV aufgeführt, sein Lebensraum in Anhang II. Diese Richtlinie ist von allen EU-Mitgliedsstaaten jeweils in nationales Recht umzusetzen.

Bundesnaturschutzgesetz

In Deutschland setzt das Bundesnaturschutzgesetz die FFH-Richtlinie in bundesdeutsches Recht um und stellt den Wolf gem. § 7 (2) Nr. 14 a) bzw. b) unter strengen Schutz.

Tierschutzgesetz

In Österreich ist im Tierschutzgesetz die Haltung von Wölfen im Abschnitt 7.10.6 der 2. Tierhaltungsverordnung geregelt. Das Tierseuchengesetz regelt nach dem § 16 die Tötung und das Einfangung von Wölfen, bei welchen die Wutkrankheit (Tollwut) ausgebrochen ist. Nach dem Wiener Naturschutzgesetz gilt der Wolf als streng geschützte Art. In verschiedenen Landesjagdgesetzen gilt er als nicht jagdbar oder ganzjährig geschont.

Dennoch bietet Europa Jagdreisen für Wolfsmörder

3 000 Euro kostet in Mazedonien der Schuss auf den Wolf. „Trotzdem, so signalisieren Umweltschützer, sei das Interesse groß.“1 In Bulgarien und Rumänien ist dieses zweifelhafte Vergnügen, den Wolf aus Lust zu töten, weitaus billiger. Dort kostet die Hatz auf das Wildtier 400 bis 500 Euro. Und hat einer dieser Jagdtouristen einen Wolf in einem EU- Mitgliedsland erschossen, darf er ihn laut Zoll obendrein noch nach Deutschland einführen. Hört denn die Gewalt gegen Tiere nie auf?

So bewohnt der Wolf Europa

Wolf im Nationalpark Bayerischer Wald. Quelle: Wikipedia/ Martin Mecnarowski

Diese Übersicht belegt die unterschiedlichen Ansichten der EU-Mitgliedsländer zur Umgangskultur mit dem Wolfsschutz

Albanien: 200 bis 250 Wölfe, Jagd generell verboten, Ausnahmeerlaubnis der Regierung
Belgien: nur Einzelnachweise, bislang keine sesshaften Wölfe nachgewiesen, geschützt nach EU-Recht
Bosnien und Herzegowina: 650 Wölfe, Jagd für Rüden ganzjährig erlaubt, für Fähen und Jungtiere von Juli bis Februar
Bulgarien: rund 1 000 Wölfe, ganzjährige Jagd erlaubt, obwohl die Tiere nach EU-Recht geschützt sind
Deutschland: mindestens 100 Wölfe, streng geschützt, in Sachsen unter dem Jagdrecht, aber ganzjährig geschont
Estland: 230 Wölfe, Jagd erlaubt von November bis Februar
Finnland: 150 bis 165 Wölfe, theoretisch jagdbar, aber ausgesetzt, Abschuss im Einzelfall nach Lizenzvergabe, u. a. wenn Wölfe bewohntem Gebiet zu nahe kommen
Frankreich: 250 bis 400 Wölfe, streng geschützt
Griechenland: weit über 700 Wölfe, der Wolf ist in weiten Teilen geschützt, in wenigen gebieten ist die Jagd erlaubt, da es dort sehr viele Wölfe gibt
Italien: 600 bis 800 und um die 70 in den Alpen, streng geschützt
Kosovo: 500 Tiere, jagdbar
Kroatien: 200 Wölfe, streng geschützt, jährlich kleine Anzahl an Abschüssen erlaubt
Lettland: mindestens 300, geschützt, aber begrenzt jagdbar
Litauen: über 300 Wölfe, geschützt, aber begrenzte Jagd von Oktober bis April
Mazedonien: rund 270 Wölfe (andere Zahlen sind deutlich höher), Jagd erlaubt, angeblich werden jährlich rund 500 Wölfe geschossen
Niederlande: 2013 ein Totfund, sonst bislang keine Wölfe nachgewiesen, geschützt nach EU-Recht
Norwegen: ca. 50 Wölfe, Jagd für zertifizierte Jäger begrenzt erlaubt
Österreich: ein männlicher Wolf und Durchwanderer aus Italien, ganzjährig geschützt
Polen: knapp 700 Wölfe, streng geschützt, zwei Jäger wurden in Polen wegen eines illegalen Abschusses schon zu Geldstrafen verurteilt
Portugal: 229 bis 430 Wölfe, streng geschützt
Rumänien: 2300 bis 2700 Einzeltiere, theoretisch geschützt, Jagd teilweise erlaubt
Serbien: rund 800 Wölfe, männliche Tiere ganzjährig jagdbar, weibliche Nachwuchs von Juli bis Februar
Slowakai: 200 bis 400, andere Schätzungen sagen um die 1800, weitgehend geschützt, zweieinhalb Monate im Jahr Jagd möglich
Slowenien: rund 30 bis 40 Tiere, geschützt, Abschuss bei Konfliktenmit der Landwirtschaft möglich
Spanien: keine genauen Zahlen, schätzungsweise 260 Rudel, nördlich des Duero-Flusses auch durch die EU nicht geschützt (Regionen entscheiden, ob Jagd erlaubt ist), südlich von Duero geschützt
Schweden: laut Regierung angeblich 370 Wölfe, geschützt, aber die Regierung hat 2010, 2011 und 2013 den Abschuss von 27, 20 bzw. 16 Tieren erlaubt. 2014/15 sollen 100 Wölfe geschossen werden
Schweiz: 15 bis 20 Wölfe, geschützt, aber wenn ein Wolf in einer bestimmten Zeit eine bestimmte Zahl an Nutztieren reißt, darf er geschossen werden, seit 2000 acht legale Abschüsse
Tschechien: ein Einzeltiereine Familie, streng geschützt
• Ungarn: ein Rudel und Wandertiere, theoretisch geschützt, dennoch illegale Abschüsse
In Großbritannien, Irland auf Island, Malta und Zypern gibt es keine Wölfe. Die Ansiedlung ist unwahrscheinlich.
In der Ukraine, Weißrussland und Russland ist die Wolfsjagd erlaubt, ebenso in der Türkei, dort spielt sie aber kaum eine Rolle.

Stand: November 2014
Quelle: Sächsische Zeitung, 7. November 2014, Seite 15. Recherchiert: Large Carnivore Initiative for Europ, Jagdverbände, kora.ch, WWF, Ádám Szabó (Ungarn)

Quellen

1 Irmela Hennig: Das Lama, die Schafe und der böse Wolf, in: Sächsische Zeitung, 7. November 2014, Seite 15